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Patrick Holland-Moritz
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AERO-Weltpremiere VL3: Das erste UL mit Turbine?

Weltpremiere auf der AERO 2022 Die VL3 von JMB: Das erste UL mit Turbine?

JMB Aircraft zeigt auf der AERO 2022 in Friedrichshafen zum ersten Mal überhaupt seine VL3 mit Turbine. Noch ist der High-Performance-Tiefdecker in der Flugerprobung, eine Zulassung als Ultraleicht erscheint aber nicht ausgeschlossen.

Schon mit Kolbenmotor gehört die VL3 Evolution zu den ganz heißen Eisen am UL-Markt: Mit Einziehfahrwerk und dem Turbo-Einspritzer Rotax 915 iS (104 kW/141 PS) als Top-Motorisierung fliegt der Composite-Tiefdecker den meisten zertifizierten Motorflugzeugen auf und davon. Jetzt dringt JMB Aircraft in eine neue Dimension vor: Auf der AERO 2022 in Friedrichshafen zeigt der tschechische Hersteller das Flugzeug mit einer Turbine unter der Cowling. Die Flugerprobung läuft bereits. Beim Erstflug saß Jean Baptiste Guisset, CEO von JMB Aviation, höchstpersönlich am Steuer.

Philipp Prinzing
Der Schriftzug "Turbine" prangt stolz auf der Cowling der neuen VL3. Besagte Turbine leistet 130 PS.

Sparsame Turbine

Am JMB-Stand in Halle B2 ist das Flugzeug ausgestellt – und Lisa Zosel vom deutschen Musterbetreuer JMB Aircraft Germany steht für Fragen bereit. Während es bei der Vorstellung der Turbinen-VL3 kurz vor der Messe noch eine Menge offene Fragen gab, kommt nun etwas Licht ins Dunkel. Zum Einsatz kommt ein TP-R90-Turboprop des französischen Herstellers Turbotech. Was zunächst verrückt klingt – ein UL mit Turbine –, erscheint bei näherem Hinsehen als durchaus clevere Alternative zum Kolbenmotor: Die TP-R90 leistet 130 PS und verbraucht ähnlich viel Treibstoff wie der Rotax 915 iS. Lisa Zosel verspricht 25 Liter Jet-Fuel pro Stunde im Reiseflug und knapp 40 Liter pro Stunde unter Volllast.

Patrick Holland-Moritz
Die TP-R90 von Turbotech soll beim Verbrauch ähnliche Werte liefern wie der bislang in der VL3 verbaute Rotax-Kolbenmotor.

UL oder Experimental?

Die Flugleistungen liegen auf Augenhöhe mit dem Rotax 915 iS und das Gewicht des Flugzeugs bleibt weiterhin UL-tauglich. Die Turbinen-Versionen dürfte allerdings teurer werden als die Kolbenmotor-Versionen. Ein Vorteil der Turbine ist laut Lisa Zosel ihre Wartungsfreundlichkeit und eine TBO von 3.000 Stunden. Nun geht es darum, ob das Flugzeug als UL zugelassen werden kann. Entsprechende Gespräche mit dem DAeC laufen bereits. Sollten die Bemühungen scheitern, könnte eine Experimental-Version einen Ausweg bieten.

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