Roland Bosch im Interview: Rückblick auf 37 Jahre AERO

Roland Bosch im Interview
Rückblick auf 37 Jahre AERO

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.04.2026
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AERO 2015
Foto: Bildrechte: Messe Friedrichshafe
Roland, du hast 1989 das erste Mal eine AERO begleitet. Wie hat sich das Messegeschäft im Laufe dieser vielen Jahre verändert?

Das ist heute eine andere Welt als damals! Die frühen Jahre der AERO waren geprägt von Akquise via Telefon. Statt digitaler Medien hatte ich das Jahrbuch der Luftfahrt, den Reuss. Das war sozusagen die Bibel. Hier standen alle relevanten Kontaktdaten drin. Angebote wurden via Post und per Fax verschickt. Auch wenn das in Zeiten von Mail, Teams oder Social Media kaum vorstellbar ist: von diesen persönlichen Kontakten, die seinerzeit entstanden sind, profitieren wir bis heute. Was indes auffällt: heute wechseln die Ansprechpartner in den Unternehmen viel häufiger, mitunter jährlich.

Wie hat sich der Anspruch der Aussteller verändert? Was erwarten die von einer modernen Messe?

Die Kunden, also die Aussteller, erwarten heute Full-ServicePakete mit Standfläche, Messebau, Slots auf den Podien und Social-Media-Integration. Wenn das Gesamtkonzept passt, lassen sich Aussteller überzeugen. Der Anspruch und die Er- wartungshaltung der Aussteller sind ganz klar gestiegen. Angesichts der Kosten für einen Messeauftritt wollen die Unternehmen auch einen entsprechenden Erfolg sehen.

Die AERO ist Trends gefolgt und hat Trends gesetzt. Welche waren das am Anfang, welche dominieren heute?

Der Ursprung der AERO lag im Segelflug, Anfang der 1980er Jahre kamen Drachen und sukzessive auch motorisierte Drachenflieger hinzu. Dann kamen die ersten ULs, die noch fliegenden Gartenstühlen glichen. Die AERO gab Impulse, wie das Fliegen einfach und günstiger werden kann. Und die Messe hat sich mit den Innovationen weiterentwickelt. Insbesondere, als die ULs der E-Klasse allmählich den Rang abliefen, begannen plötzlich auch klassische Hersteller der General Aviation, hier Präsenz zu zeigen. Parallel dazu entwickelten sich Avionik, Komponenten und Zubehör weiter, und heute sprechen wir auch über Elektroflug, Nachhaltigkeit und die Zukunft des Fliegens. Kurz: Die AERO hat die Zeichen der Zeit immer sehr früh erkannt und ihr Portfolio angepasst.

Wo steht die AERO heute unter den Luftfahrtmessen der Welt? Auch in Bezug auf die Genfer Business-Aviation-Messe EBACE?

Da habe ich eine klare Meinung: Die AERO ist die weltweite Leitmesse der Allgemeinen Luftfahrt. Auf der AERO werden jährlich die bedeutenden Innovativen vorgestellt. Wir sind der Branchentreff, in dem neben dem Kontakt zwischen Hersteller und Piloten die Vernetzung der gesamten Branche eine zentrale Rolle spielt. Und was die EBACE angeht: Mein Nachfolger Tobias, der heute als Projektleiter verantwortlich ist, hat da ein sehr gutes Händchen. Die Business Aviation war immer Teil der AERO, aber Tobias reagiert auf die Schwäche der Genfer Messe, indem er der Branche eine attraktive Plattform bietet, ohne dabei dabei die Wurzeln der Friedrichshafener Luftfahrtschau zu vergessen.

Was wünscht AERO-Ruheständler Roland Bosch der AERO für die Zukunft?

Ich wünsche mir, dass die AERO, obwohl das Wachstum in der Business Aviation unübersehbar ist, auch in ihren Kernthemen Segelflug, Ultraleicht und Motorflug weiterhin eine Macht ist und perspektivisch bleibt. Das ist unsere DNA! Aber Ich glaube genauso fest daran, dass diese Messe auch in Zukunft noch wachsen wird, gerade international, und die AERO South Africa und die AERO Asia, Projekte, die ich viele Jahre lang mit vorangetrieben habe, belegen, dass es noch reichlich Potenzial für unser Geschäft gibt, auch wenn wir feststellen, dass der Fokus dort ein anderer ist, dass beispielsweise in Asien VTOLs, Drohnen und Elektroflug die Zugpferde sind. Ich wünsche Tobi und seinem tollen Team, dass sie weiterhin den Puls der Branche spüren und so der Allgemeinen Luftfahrt den Rahmen für zukünftiges Wachstum verschaffen.