Segelflug-WM Częstochowa: Dreimal Gold für Deutschland

Segelflug-WM Częstochowa
Dreimal Gold für Deutschland

ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.06.2026
Als Favorit speichern
Dreimal Gold für Deutschland
Foto: Aeroclub Cz?stochowa

Um bei der 40. Segelflug-Weltmeisterschaft im polnische Częstochowa vorne mitzuspielen, mussten die Pilotinnen und Piloten vor allem eins mitbringen: Konstanz. Das gilt zwar für klassische Segelflugwettbewerbe im Allgemeinen, im Besonderen aber für solche, an denen das Wetter viele Flugtage ermöglicht. In Częstochowa waren es zehn. Und die Deutschen nutzen sie aus.

In der Offenen Klasse sicherte sich Felipe Levin nach einem dramatischen Wettbewerbsverlauf den Weltmeistertitel. Die Entscheidung fiel erst mit den letzten eingehenden Wertungen des Finaltages. Nachdem zwischenzeitlich bereits davon ausgegangen wurde, dass Sebastian Kawa den Titel gewonnen hatte, brachte die abschließende Auswertung die Wende zugunsten des deutschen Piloten, der am Ende nur marginale sieben Punkte Vorsprung vor dem Polen hatte. Michael Sommer komplettierte das Podium mit dem dritten Platz. Für Kawa, der seine Karriere einst in der Offenen Klasse begann, war es nach insgesamt 16 WM-Titeln, davon fünf in der 15-Meter-Klasse, eine erfolgreiche Rückkehr zu den Langohren.

Aeroclub Cz?stochowa

Start-Ziel-Sieg bei den Doppelsitzern

Auch in der 20-Meter-Doppelsitzerklasse überzeugten die deutschen Teilnehmer. Jan Omsels und Karsten Leucker verteidigten über den gesamten Wettbewerb hinweg ihre Spitzenposition und wurden verdient Weltmeister. Mit konstant starken Leistungen, hoher taktischer Disziplin und einer beeindruckenden Teamarbeit legten sie die Grundlage für diesen Erfolg. Dass sie am Ende nur 38 Punkte vor Łukasz Grabowski and Judyta Czyż aus Polen lagen, zeigt die hohe Leistungsdichte auch in diesem Starterfeld. Bronze in der Klasse holte das Duo Péter Kassai und Zoltán Mészáros aus Ungarn.

Aeroclub Cz?stochowa

In der 18-Meter-Klasse fehlte am Ende trotz einer mutigen und offensiven Strategie das letzte Quäntchen Glück. Stefan Langer belegte einen hervorragenden dritten Platz und gewann die Bronzemedaille, Mario Kießling rundete das starke Ergebnis mit Rang vier ab. Der Weltmeistertitel ging hier an den jungen Franzosen Victor Mallick, der über den gesamten Wettbewerb hinweg konstant auf höchstem Niveau flog, Silber holte Mallicks Landsmann Christophe Abadie.

Aeroclub Cz?stochowa

Gold in der Teamwertung

Den dritten Weltmeistertitel gewann Deutschland in der Mannschaftswertung. Unter der Leitung von Bundestrainer Carsten Kopsieker und Co-Team-Captain Conrad Hartter präsentierten sich die Sportler während der zwei Wettbewerbswochen geschlossen, professionell und leistungsstark. Die Mannschaftswertung unterstreicht die außergewöhnliche Breite und Qualität des deutschen Aufgebots.

Dabei waren die Bedingungen anspruchsvoll. "Die Weltmeisterschaft 2026 war geprägt von sehr unterschiedlichen Wetterlagen", sagte Carsten Kopsieker im Gespräch mit dem aerokurier. "Die erste Woche hatten wir starken Wind mit Geschwindigkeite von 50 bis 60 Stundenkilometern, das war schon heftig. Allerdings brachte die Kaltluft zuverlässige Thermik." Die zweite Woche hingegen musste unter Warmlufteinfluss geflogen werden, teils im Blauen. "An manchen Tagen fragte man sich vor dem Start, wie das gehen soll, die Aufgaben waren dann auch entsprechend klein, an anderen gab es große Strecken von mehr als 800 Kilometern. Da war wirklich alles dabei", so Kopsieker.

Aeroclub Cz?stochowa

Taktik am Boden und in der Luft

Neben vielen richtigen Entscheidungen der Piloten trugen auch die intensive Teamarbeit am Boden erheblich zum Erfolg bei. "Ich habe etliche male mit Bernd Fischer von TopMeteo telefoniert, um die Lage zu analysieren, mein Wohnwagen glich mit drei Rechnern – für jede Klasse einen – und der Funkanlage mit großer Antenne einer Kommandozentrale", berichtet der Teamchef. "Conrad und ich hatten stets einen Überblick über die Gesamtlage und konnten unsere Jungs noch in 100 Kilometern Entfernung via Funk erreichen, um Informationen weiterzugeben."

Mit drei Weltmeistertiteln, zwei Bronzemedaillen und einem 4.Platz zählt das Abschneiden in Częstochowa zu den erfolgreichsten Ergebnissen einer deutschen Segelflug-Nationalmannschaft bei einer WM. Das Ergebnis ist angesichts der anspruchsvollen Bedingungen umso höher zu bewerten, meint Carsten Kopsieker. "Gerade in der zweiten Woche, im Blauen, da waren die Polen mit ihrer Ortskenntnis im Vorteil. Die wussten einfach, wo man mit Aufwinden rechnen kann und sind teils richtig tief runter geflogen, weil sie sich sicher waren, das sie Steigen finden." Gerade Sebastian Kawas letzter Wettbewerbsflug sei nahe an der Perfektion gewesen, findet Kopsieker. Gereicht hat es dennoch nicht.