133 Euro für eine Echo-Landung in Friedrichshafen zur AERO – dass da bei Piloten Frust aufkommen kann, ist verständlich. Allerdings: Wenn man weiß, was am Airport zur Messezeit alles anders läuft als an einem normalen Tag, an dem Landen und Abstellen weit weniger kosten, und welche Zwänge dahinterstehen, auf die der Flughafen gar keinen Einfluss hat, dann relativiert sich der Ärger vielleicht.
Zunächst ein paar Worte zum Slotverfahren: Es gibt seitens der Aufsichtsbehörde die Anforderung, Maßnahmen zu treffen, um An- und Abflüge sicher zu gestalten und eine Überlastung der Flugsicherung zu verhindern. Zwecks Planbarkeit haben wir schon vor vielen Jahren PPR eingeführt. Insbesondere bei IFR-Flügen wird so die Kapazität entsprechend der umliegenden Flugsicherungssektoren angepasst, und für VFR-Verkehr sollten damit längere Aufenthalte in Warteverfahren vermieden werden. Da gab es früher Engpässe, Stichwort Kraftstoffreserve.
Das PPR-Buchungstool ist nicht perfekt, daher müssen jährlich Anpassungen vorgenommen werden, was zusätzlich zur Bereitstellung Kosten verursacht. Auch wird zu den üblichen Arbeitszeiten ein "Slotbüro" besetzt, um auf Anfragen reagieren zu können. Wir bemühen uns sehr, die Anleitung so verständlich wie möglich zu halten, und unterstützen dies auch mit Videos, dennoch gibt es immer wieder Fragen.
Lösungen bei Schlechtwetter
Wenn Schlechtwetter die Nutzung eines gebuchten Slots verhindert, sind wir zusammen mit der Flugsicherung nach Kräften bemüht, den Kunden eine adäquate Lösung zu bieten. So hatte die DFS in der Vergangenheit bei angesagter Gewittertätigkeit am nachfolgenden Tag zugesagt, jeden, der bereits vorher abfliegen möchte, möglichst gut zu bedienen, unabhängig von einer Buchung. Das soll natürlich kein Anreiz sein, bei einer längeren Standparty am Vorabend den gebuchten Slot zu versäumen und es dann aufs Wetter zu schieben! Es ist, wie überall, ein Miteinander, und wenn alle gut zusammenarbeiten, läuft es reibungslos. Problematisch werden die Fälle dann, wenn Piloten die Regeln lediglich für einen Vorschlag halten oder diese nach eigenem Gusto auslegen.
Das aktuelle Buchungstool bietet die Möglichkeit, auch kurzfristig, beispielsweise wegen schlechten Wetters, auf einen anderen Tag umzubuchen, sofern da noch Slots frei sind. Aber einfach am Folgetag zu kommen, löst das Problem nicht! Eine Tischreservierung im Restaurant gilt ja auch für einen bestimmten Tag und eine bestimmte Uhrzeit! Die Slotreservierungsgebühr, um das nochmal klarzustellen, bezahlt man für die Nutzung des Buchungstools, also eine Leistung, die bei der Buchung eines Slots unzweifelhaft erbracht wurde. Wer das Risiko einer späteren Stornierung vermeiden will, für den bieten die umliegenden Flugplätze genug Möglichkeiten.

Ralf Sträßle kennt als Chef der Luftaufsicht die Hintergründe für die Gebühren zur AERO.
Mehr Personaleinsatz zu AERO
Neben der reinen Verkehrsplanung wird jedes Jahr eine Begutachtung der Flugsicherungsverfahren samt Risikobetrachtung durchgeführt. Diese ist verpflichtend und keine freiwillige Leistung, unabhängig davon, ob sich am Flughafen oder an den Verfahren etwas verändert hat oder ob es zu Problemen bwz. Vorfällen gekommen ist. Daraus resultiert unter anderem eine spürbar stärkere Besetzung während der Messe- und Randtage, darunter zusätzliches Personal für die Erfassung der Flüge, die Bearbeitung der Flugpläne etc., was im Alltagsbetrieb nicht erforderlich ist. Die Kosten dafür trägt der Flughafenbetreiber.
Doch nicht nur "luftseitig" läuft einiges anders, auch im Bodenverkehrsdienst müssen wir aufstocken. Während an normalen Tagen die Schicht mit im Schnitt sechs Personen besetzt ist, die in Personalunion die Feuerwehrbereitschaft mit gewährleisten, ist aufgrund des Verkehrsvolumens auch hier eine größere Mannschaft erforderlich, um das Mehr an Flugzeugen einzuweisen, zu betanken, Personen zu transportieren etc. Gleichzeitig würde ein Feuerwehreinsatz, auch wenn es sich beispielsweise nur um einen platten Reifen handelt, Kräfte binden, sodass während der Messezeit auch extra Feuerwehrpersonal vorgehalten werden muss, um einen Stillstand während einer Bergung zu verhindern.
Fokus auf Luftsicherheit
Dritter Faktor ist die Luftsicherheit. Der direkte Zugang vom Flughafen zur Messe bzw. umgekehrt ist kein regulärer Übergang, sodass an dieser Stelle zusätzliches geschultes Luftsicherheits-Personal zur Personenkontrolle eingesetzt werden muss, außerdem werden die regelmäßigen Patrouillen auf dem Gelände intensiviert. Während der Messe wird die Einhaltung der entsprechenden Vorgaben vonseiten der Behörden immer wieder kontrolliert.
Zu alledem kommen noch Arbeiten in der Vor- und Nachbereitung der AERO hinzu. So müssen beispielsweise Flächen, die während des übrigen Jahres nicht zum Abstellen von Luftfahrzeugen genutzt werden, präpariert werden. Und wenn es dann, wie in der Vergangenheit bereits eingetreten, zu Wetterumschwüngen kommt, die diese Flächen in ihrer Nutzbarkeit einschränken, müssen Alternativen ersonnen werden, möglichst ohne Auswirkungen auf die Kunden. Denn unser Ziel ist klar: keine PPR-Stornierungen.
Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, dass für den gesamten Flugbetrieb der Flughafenbetreiber das wirtschaftliche Risiko trägt. Wenn die AERO wie 2024 buchstäblich fast komplett ins Wasser fällt, sind alle Vorbereitungen getroffen, und eingeteiltes Personal kann nur in begrenztem Umfang ohne Bezahlung wieder nach Hause geschickt werden. Im umgekehrten Fall ist es auch nicht einfach möglich, nur mit Mindestbesetzung zu planen und dann Personal einfach von zuhause abzurufen. Der Pilot kann anhand seiner Vorbereitung entscheiden, ob er den Flug antritt in der Hoffnung, durchzukommen, oder ob er doch kurzfristig storniert. Diese Möglichkeit hat der Flughafen nicht. Ich erinnere mich noch an meine erste AERO als Flughafenmitarbeiter, bei der Friedrichshafen am letzten Messetag im "Föhnfenster" lag, aber eine Alpenüberquerung oder auch nur die Überquerung der Schwäbischen Alb nach VFR unmöglich war. Wir saßen in der Sonne, und trotz CAVOK am Platz kamen oder gingen kaum Flugzeuge.
Sachliche Kritik ist erwünscht
Kritik ist erlaubt, aber bitte sachlich. Mit Abzocke hat das nichts zu tun. Wir kalkulieren den Aufwand und müssen kostendeckend arbeiten. Denn die mit der AERO verbundenen Kosten können wir kaum den Nutzern des Restjahres aufbürden.












