Interview zur AERO: „Die General Aviation ist auf Erfolgskurs“

Interview zur AERO
„Die General Aviation ist auf Erfolgskurs“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.04.2026
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„Die General Aviation ist auf Erfolgskurs“
Foto: Samy Kramer
Tobias, verfolgt man die Nachrichten, könnte man meinen, Deutschland und ganz Europa seien konsequent im Niedergang. Die General Aviation hingegen schaut laut eurer Pressemitteilung positiv in die Zukunft. Wie erklärst du dir diese Stimmung in der Branche?

Die Stimmung einer Branche hängt immer zu einem Großteil von den Verkäufen und Umsätzen ab. Und die sind besser als erwartet, zumindest spiegeln das die Gespräche mit unseren Ausstellern – und auch die GAMA-Zahlen. Wir verspüren nach dem Corona-Tief weiter einen Aufwärtstrend, wir legen in vielen Bereichen zu, in anderen bleiben wir zumindest konstant. Die Dynamik in der Weltpolitik, Stichwort Zölle oder gar Militärschläge wie zu Beginn des Jahres, ist nicht wegzudiskutieren. Am Ende aber zählen für die Branche schlicht gute Zahlen.

Die Dynamik der Weltpolitik ist nicht wegzudiskutieren.

Frage zwei muss ich eigentlich gar nicht stellen, oder?

Du willst wissen, wie es bei den Anmeldungen aussieht, richtig? Wir liegen deutlich über dem Vorjahr, aktuell sind 820 Firmen gemeldet. Heißt: Deutlich mehr Aussteller und eine Belegung des gesamten Messegeländes. Und das, obwohl der Segelflug in diesem Jahr turnusgemäß aussetzt. Insbesondere bei den Gemeinschaftsständen und Pavillons haben wir nochmal zulegen können. Und das macht es für die kleineren Firmen einfacher, als Mitaussteller den Aufwand zu stemmen, den eine Messe bedeutet.

Welche Platzhirsche sind dabei, welche Novizen zeigen sich zum ersten Mal?

Wir sind immer froh, wenn die Platzhirsche nach Friedrichshafen kommen. Textron macht in diesem Jahr einen satten Aufschlag, die Amerikaner zeigen große Präsenz in Halle A2 und sind hier auch mit ihrem Ableger Pipistrel vertreten. Draußen wird das komplette Biz-Av-Lineup stehen, sogar eine Longitude! Piper, Cirrus und Daher sind die großen Namen der, nennen wir es mal "upper GA", die in Halle A3 vertreten ist. Für die Halle A4 haben Diamond und Tecnam mit großen Ständen gemeldet. Neu dabei sind beispielsweise Piaggio als Flugzeughersteller und Jetex im Bereich Fixed Base Operators. Und sogar Volocopter stellt wieder bei uns aus.

Du hast die Gemeinschaftsstände schon angesprochen, an denen sich Länder, Regionen oder Luftfahrtcluster gemeinsam präsentieren. Wie erklärst du dir diesen Trend?

Es macht für kleine Hersteller den Aufwand händelbar, wenn nationale Institutionen oder Industrieverbände die Organisation übernehmen und man sich da einfach "dranhängen" kann. Der Pavillon von Brandenburg ist ein tolles Beispiel dafür, was dann möglich wird. Auch NRW leistet sich so was inzwischen. Mit neuem Konzept geht der Stand von Bremen an den Start, der lange auf der AERO Drones seinen Platz hatte und jetzt den Fokus mehr auf Zulieferer legt. Dazu kommen die Verbandspavillons, beispielsweise der der German und der Austrian Business Aviation Association, der International Aircraft Dealers Association und natürlich vom Deutschen Hubschrauber Verband in Halle B5 sowie AOPA und DAeC. So richtig stolz, das sei noch gesagt, sind wir auf den Chinese Innovation Pavillon, der über Kooperation mit der Messe Frankfurt-Honkong zustande kam. Ich hole hier so aus, weil wir alle wissen, dass China gerade Vorreiter bei Antriebstechnologien, Nachhaltigkeit etc. ist und sich in Asien viel bewegt.

2025 haben wir über den Amtsantritt von Trump sinniert. Jetzt ist er seit einem Jahr US-Präsident und die transatlantischen Beziehungen sind komplizierter als je zuvor, Stichwort Zölle, geplante Groundings für Bombardier etc. Viele GA-Hersteller kommen aus den USA. Wie betrifft das eure Aussteller?

Die Politik spielt in den Gesprächen keine große Rolle. Sie ist präsent, aber nicht unbedingt der sprichwörtliche Elefant im Raum. Im Gespräch ist man ja nicht nur Organisator, Hersteller oder Aussteller, sondern auch Mensch. Das ist nicht irrelevant. Und es zeigt sich, dass wir alle eine große Industrie, eine Familie sind. Ich bleibe bei meiner Meinung vom letzten Jahr: Plattformen wie die AERO, auf der alle gemeinsam die Passion für die Luftfahrt leben, sind heute wichtiger denn je. Denn persönlicher Austausch hat eine größere Bedeutung als die gefühlte weltpolitische Lage. Eine Messe bietet die Chance, im Austausch zu bleiben und die Kommunikation, nicht nur die transatlantische, sondern auch die in Richtung Asien, von Angesicht zu Angesicht zu führen und Vertrauen aufzubauen.

Katrin Sdun
Die Business Aviation hat mehr als andere Sparten der GA einen Bezug zu den USA. Allerdings rüstet ihr hier mit Belegung der Halle A1 sowie größerem Static Display und Business Aviation Dome ordentlich auf. Ist das doch der Angriff auf die EBACE, den du im Vorjahr nicht so nennen wolltest?

Es ist, wie es in der Pressemitteilung steht: eine strategische Weiterentwicklung. Wir glauben an den Bereich, und das zeigen wir auch. Der Dome war im vergangenen Jahr eigentlich schon zu klein für das Interesse der Branche. Aber wir vergrößern ihn nicht nur, wir verschieben ihn in diesem Jahr auch weiter nach Westen, um mehr Platz auf dem Static Display für zusätzliche Fluggeräte zu schaffen. Zudem ist die Halle A1 zum größten Teil mit Business Aviation belegt. Wir wollen den Herstellern und Operators eine Art eigene Plattform bieten, auf der sie sich in der Branche vernetzen können, aber gleichzeitig die Möglichkeit haben, sich im Rahmen der ganzen AERO auch als Teil der Allgemeinen Luftfahrt präsentieren zu können. Die Ressourcen sind bei allen begrenzt, und so wollen wir die Messe sein, die alle Bedürfnisse abdeckt.

Wir schaffen mehr Platz auf dem Static Display.

Wie sieht es in den anderen Segmenten aus?

Dazu vorab: Die AERO Drones gibt es in diesem Jahr nicht mehr, denn wir haben gemerkt, dass dieses Thema aus zweierlei Gründen nicht mehr so nachgefragt ist: Erstens haben die Behörden sich über die Jahre ausgetauscht und viel Material beschafft, zweitens möchte man aufgrund der veränderten Sicherheitslage bestimmte Themen nicht mehr derart öffentlich diskutieren. Der Fokus liegt künftig eher auf Verzahnung von Verkehren, Integration von UAS in den unteren Luftraum, Logistik, Cargo und Richtung EVTOL.

Gibt es eine Alternative für UAVs?

Diese Themen finden sich jetzt in Halle A7. Dort haben wir außerdem eine neue "Innovation Stage" mit eigenem Programm. Hier sind für Donnerstag Fachvorträge vorgesehen, in denen sich neue Technologien wie Wasserstoff, E-Flight etc. auch in der Tiefe wiederfinden. Die anderen Hallen folgen weitgehend der Belegung der Vorjahre, A3 und A4 General Aviation, A5 Zulieferer, Verbände, Pavillons und Organisationen und A6 mit Fokus auf Avionik, Zubehör, Flugsimulation und Technik. In den Hallen B1 bis B4 stehen traditionell ULs im Fokus, und in der B5 findet sich die Helikopterszene. Wichtig ist uns dabei, dass wir auch die Selbstbauer mit Akteuren wie der OUV oder Apfelkuchenflugzeugbau etc. zeigen. Das ist das, wo die AERO herkommt, das gehört dazu!

AERO 2023
Bildrechte: Messe Friedrichshafe
Einige Jahre standen Nachhaltigkeit und Klimaschutz weit oben auf der Liste öffentlich relevanter Themen, das flaut gerade massiv ab. Die AERO hat mit dem Sustainable Aviation Trail und dem Hydrogen & Battery Summit hier Pflöcke eingeschlagen. Muss an denen gesägt werden, oder haben die weiter ihre Berechtigung?

Im Gegenteil, diese Pflöcke werden noch tiefer eingeschlagen! Bosch GA Technology supportet den Hydrogen & Battery Summit, diese Veranstaltung wurde vom Programm her sogar noch ausgebaut. Innovation gehört zur Luftfahrt-DNA, und nur weil sich die politische Wetterlage ändert, machen die Hersteller nicht ad hoc kehrt. Allerdings: Die Szene erwartet, dass die Unternehmen jetzt auch liefern. Die Zeit, in der man allein mit Renderings, Animationen und Mockups punkten konnte, ist vorbei.

Die Unternehmen der Sustainable Aviation müssen jetzt liefern.

In diesem Jahr wird mit der Pre-Owned Aircraft Area der Gebrauchtmarkt mehr in den Fokus genommen. Was hat es damit auf sich?

Wir wollen damit auf dem erweiterten Static Display einen neuen Bereich für Seller und Broker schaffen, damit dort Flugzeuge zum Verkauf angeboten werden können. Der Fokus liegt dabei auf den Segmenten Turboprop, Light Jet und SEP.

Während Privatpiloten mit der Slotregelung und den happigen Gebühren der Spaß an der Anreise mit dem eigenen Flugzeug weiterhin vergällt wird, soll es in diesem Jahr Charterverbindungen zur AERO geben. Wie ist da der Stand? Von wo aus kann man kommerziell zur AERO fliegen?

Zunächst: Natürlich würde ich es als AERO-Projektleiter auch sehr begrüßen, wenn das Regelkorsett zugunsten von mehr Slots gelockert werden könnte. Die aktuellen Slotregelungen am Verkehrsflughafen FN und die momentane Buchungsweise haben sich allerdings in den letzten beiden Jahren gefestigt und bewährt. Thema Kosten: Hier stellt der Aufwand, den alle Beteiligten durch die Veranstaltung haben, einen wesentlichen Kostentreiber dar, weshalb man die Gebühren nicht mit denen an einem regulären Tag außerhalb der Messezeiten vergleichen kann. An dieser Stelle verweise ich auch immer deutlich darauf, dass es auch noch unseren "AERO-UL-Flugplatz" Markdorf sowie die Flugplätze Mengen, Leutkirch und Konstanz als Alternativen gibt. Alle sind mit Shuttlebussen direkt an das Messegelände angebunden. Zu den Linienverbindungen: Die sind gefixt, sodass man mit Air Uniqon aus Berlin, Hamburg und Düsseldorf anreisen kann. Eine Charterverbindung aus London ist noch in der Schwebe, Gleiches gilt für Flüge aus Belgien und Schweden.

Auch in diesem Jahr soll es am Samstag wieder eine Airshow geben. Lange war das kein Thema – jetzt wieder fester Bestandteil der AERO? Was gibt es zu sehen?

Hier haben wir auch ausgebaut und der Airshow ein bisschen mehr Zeit am Messe-Samstag eingeräumt, um den Besuch auch für Luftfahrtfans und Familien noch lohnender zu machen. Es wird eine Mischung aus bekannten und neuen Acts geben, wobei die Niebergalls und Toni Eichhorn wieder dabei sind, aber auch einige neue Namen. Ergänzt wird das Ganze um einen moderierten Zeppelinstart. Highlight ist aber ganz sicher der Auftritt der Bo 105 der Flying Bulls.

Übliche Frage zum Abschluss: Welche drei Highlights empfiehlt Tobias Bretzel den AERO-Besuchern?

Pole Position sind unsere erstmals angebotenen geführten Touren über die AERO. Hier bekommen die Teilnehmer in acht bis zehn Stopps an bestimmten Ständen konzentrierte Informationen zu spezifischen Themen wie E-Flight, Future of Propulsion Systems oder Messeneuheiten. Dann sollte man sich den Bereich der Business Aviation anschauen, ein bisschen träumen darf man ja auch als Segel- oder Motorflieger. Schließlich darf man auf keinen Fall die Airshow verpassen. Kunstflug mit der Bo 105 – mehr Leidenschaft fürs Fliegen geht nicht.

Philipp Prinzing