Themen-Special
Ukraine-Krieg und die Allgemeine Luftfahrt
Flight Design General Aviation

Flight Design und die Ukraine-Krise

Produktion in Cherson So agiert Flight Design in der Krise

Den Eisenacher Flugzeughersteller Flight Design trifft der Krieg in der Ukraine ins Mark: Die Produktion im 150 Mitarbeiter starken Werk in der umkämpften Stadt Cherson im Süden des Landes steht still. Doch es besteht Hoffnung – und der Chef bekennt sich zur AERO-Teilnahme.

Auf einmal herrscht Krieg. Über Nacht hat der Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine am 24. Februar 2022 bei der Flight Design general aviation GmbH alles verändert. Die Flugzeugproduktion in Cherson steht still, während vor den Werkstoren gekämpft wird. Der Businessplan fürs Jahr 2022 ist das Papier nicht mehr wert, auf dem er geschrieben wurde. Ein Sicherheitsdienst beschützt das Eigentum der Firma: Formen, Werkzeuge, Rohstoffe für den Bau von Flugzeugen. Bis auf Weiteres besteht keine Möglichkeit, diese Güter aus dem Land zu bringen.

Daniel Günther, Managing Director des Flugzeugherstellers, ist bei unserem Telefonat zutiefst berührt. 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in Cherson im Auftrag von Flight Design. Er selbst hat enge Verbindungen dorthin, die weit übers Geschäftliche hinaus gehen. "Wie durch ein Wunder sind alle unverletzt", sagt er. Viele Mitarbeiter würden derzeit in Luftschutzbunkern ausharren. Er berichtet von Kriegsszenarien, die noch vor wenigen Wochen kaum jemand für möglich gehalten hätte: Landminen, beschossene Zivilgebäude, mutwillig gelegte Brände im Zentrum der Stadt. Ausnahemzustand in der Heimat von rund 290.000 Menschen.

Produktionsstätte im Kriegsgebiet

Die Stadt im Süden der Ukraine ist einer von drei Standorten des Flugzeugherstellers: In Eisenach ist der EASA-zertifizierte Entwicklungsbetrieb mit 13 Mitarbeitern beheimatet, im tschechischen Šumperk gibt es einen zertifizierten Produktionsstandort mit 15 Mitarbeitern und eigener Prototypenfertigung, während das Werk in Cherson ist seit vielen Jahren als Unterauftragnehmer eingebunden ist – hier entstehen die Composite-Flugzeuge F2 und CT. "Zu besten Zeiten wurden dort bis zu 200 Flugzeuge im Jahr gebaut", sagt Daniel Günther.

Zumindest geben die jüngsten Nachrichten, die Flight Design in einem internen Newsletter vom 7. März verbreitet hat, ein wenig Anlass zur Hoffnung: "Seit heute haben die russischen Soldaten die Stadt verlassen und die ukrainische Flagge weht immer noch über Cherson. Bis jetzt geht es unseren Mitarbeitern gut und die Fabrik ist intakt. Die Versorgung mit Lebensmitteln und anderen Dienstleistungen ist ein Problem, aber die lokale Regierung versucht, in den nächsten Tagen einen grünen Korridor dafür zu öffnen, und es besteht eine gute Chance, dass wir bald ganz oder teilweise wieder öffnen können." Daniel Günther erwähnt den entschlossenen Widerstand der Menschen in Cherson gegen die russischen Truppen.

Umzug nach Tschechien

Gänzlich unvorbereitet traf die russische Invasion das Team von Flight Design nicht. "Wir hatten einen Plan B, aber niemand von uns hat damit gerechnet, dass alles so schnell gehen würde", sagt der Chef. Dieser Plan sieht die Verlagerung der Produktion nach Tschechien vor: "Wir haben einen geeigneten Standort in der Nähe unseres bestehenden Werks in Šumperk gefunden." Ziel sei es, möglichst viele Mitarbeiter aus der Ukraine mit nach Tschechien und damit in die EU zu nehmen – eine Rettungsaktion, die wohl noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Mehr als 50 Bestellungen liegen nach Angaben des Unternehmens für den kürzlich von der EASA zugelassenen Composite-Schulterdecker F2 vor. Die Kunden müssen sich nun auf eine voraussichtlich vier bis sechs Monate lange Lieferpause einstellen, bis neue Strukturen in Šumperk aufgebaut sind. Flight Design möchte zudem alle Möglichkeiten ausloten, um das Inventar aus Cherson abzuziehen oder die Produktion dort wieder aufzunehmen, falls es in der Ukraine zu einem Waffenstillstand und einer politischen Lösung kommen sollte. Der technische Kundendienst für die bestehende Flotte arbeitet derweil weiter.

Unterstützung verspricht sich Flight Design von den Dachgesellschaften: Hauptgesellschafter ist die LIFT Holding, die ihrerseits Teil der Lindig Gruppe ist. Man habe sich mit dem Management der Lift Holding in Eisenach getroffen und Budgets für die Wiederaufnahme der Produktion in der Tschechischen Republik ausgearbeitet. Weiter heißt es: "Wir haben in der Vergangenheit große Unterstützung von der Lift Holding und dem oberen Management der Lindig-Gruppe erfahren und wir erwarten, dass diese Unterstützung auch in Zukunft bei der Bewältigung dieser ungeplanten Invasion in der Ukraine anhalten wird."

AERO-Auftritt und Spendenaktion

In dieser schwierigen Situation möchte Flight Design gegenüber seinen Kunden und Partnern Flagge zeigen. Der Auftritt auf der AERO im April ist gesetzt, und auch bei Sun 'n Fun in Florida wird sich der Hersteller präsentieren. "Wir möchten gerade jetzt ein Zeichen setzen, dass es uns noch gibt", sagt Daniel Günther. Dabei äußert er einen Herzenswunsch: Am Stand von Flight Design auf der AERO in Friedrichshafen sollen auch Mitarbeiter aus der Ukraine dabei sein.

Indes haben Mitarbeiter der Lindig Gruppe und von Flight Design eine Spendenaktion für die Mitarbeiter in der Ukraine gestartet. Wer sich der Kampagne anschließen möchte, schreibt eine E-Mail an: helpforua@flightdesign.com

Das könnte Sie auch interessieren
Motorflug
Know-How
Ultraleicht
Szene
Mehr anzeigen