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Ukraine-Krieg und die Allgemeine Luftfahrt
Störungen bei Satellitennavigation Patrick Holland-Moritz

Ukraine-Krieg: Störung der Satellitennavigation

Ukraine-Krieg Störungen bei Satellitennavigation

Satellitennavigation ist in der modernen Luftfahrt kaum noch weguzudenken und hat dafür gesorgt, dass vielerorts klassische Navigationsanlagen wie VOR und DMEs abgebaut wurden. In einem Safety Bulletin warnt die EASA nun vor einer Störung von GNSS-Systemen im Zusammenhang mit dem Ukrainekrieg. Insbesondere in der Umgebung der umkämpften Gebiete, aber teils auch deutlich darüber hinaus, ist mit Ausfällen und fehlerhaften Anzeigen zu rechnen.

Die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die Luftfahrt intensivieren sich. In einem am 17. März herausgegebenen Safety Information Bulletin informiert die Europäische Flugsicherheitsagentur EASA über Störungen von Satellitennavigationssystemen, die seit Beginn der russischen Invasion vermehrt aufgetreten seien.

"Eurocontrol, Analystennetzwerke und von der EASA ausgewertete Open-Source-Datenberichte zeigen, dass es seit dem 24. Februar 2022 vier geografische Schlüsselgebiete gibt, in denen sich sogenanntes GNSS-Jamming und GNSS-Spoofingintensiviert hat", heißt es in dem Bulletin. Unter Jamming versteht man das Stören der prinzipbedingt sehr schwachen Satellitensignale durch geeignete Sender, die einen Empfang der Signale erschweren oder gar unmöglich machen. Als Spoofing hingegen bezeichnet man das Aussenden von Störsignalen, welche das tatsächliche GNSS-Signal imitieren. Dabei werden im Gegensatz zum GNSS-Jammer formal gültige, aber falsche Positionsdaten erzeugt und übertragen. Da diese Störsender meistens vom Erdboden aus betrieben werden und das Signal von Satelliten nachbilden, bezeichnet man sie auch als Pseudolit. Ziel beim Spoofing ist es, den Empfang von GNSS-Signalen nicht nur zu stören, sondern Empfänger derart zu täuschen, dass falsche Positionsangaben die Folge sind.

Als potenzielle Gefahrengebiete nennt die EASA die Region um die russische Exklave Kaliningrad mit der umliegende Ostsee und den Nachbarstaaten, Ostfinnland, das Schwarze Meer und den östliche Mittelmeerraum im Bereich Zypern, der Türkei, dem Libanon, Syrien und Israel. Weitere Strörungen wurden im Bereich des Nordirak registriert.

Die Auswirkungen von GPS-Störungen und möglichem Spoofing wurden dem Bulletin zufolge von Flugzeugen in verschiedenen Flugphasen beobachtet. In einige Fällen mussten Flüge umgeleitet werden, weil eine sichere Landung nicht möglich war. Unter den derzeitigen Bedingungen sei es nicht möglich, GNSS-Ausfälle und ihre Auswirkungen vorherzusagen. Das Ausmaß der durch einen solchen Ausfall verursachten Probleme hänge von der Ausdehnung des betroffenen Gebiets, der Dauer und der Flugphase des betroffenen Flugzeugs ab.

Als potenzielle Probleme nennt die EASA unter anderem den Ausfall der Wegpunktnavigation und der Flächennavigation im Anflug (RNAV), Unfähigkeit zur Aufrechterhaltung der erforderlicher Navigationsleistung (RNP) sowie das Auslösen von Geländewarnungen, möglicherweise sogar mit Pull-up-Befehlen eines TCAS. Weiterhin seien inkonsistente Luftfahrzeugposition auf der Navigationsanzeige, Luftraumverletzungen, der Verlust von ADS-B sowie der Ausfall von Flugzeugsystemen, die GNSS als Zeitreferenz nutzen, denkbar.

Zwar seien die beschriebenen Probleme nicht als ein unsicherer Zustand zu bewerten, der eine Maßnahme der Sicherheitsrichtlinie gemäß der EU-Verordnung 965/2012 rechtfertige. Dennoch empfiehlt die Behörde den Mitgliedsstaaten und den am Flugbetrieb beteiligten Unternehmen, Vorkehreungen zum Umgang mit der Situation zu treffen. Darunter fallen beispielsweise die Festlegung von Notfallverfahren für den Fall von GNSS-Störungen sowie die Aufrechterhaltung der wesentlichen konventionellen Navigationsinfrastruktur, wobei hier insbesondere ILS-Systeme und klassische Funknavigationsanlagen wie DME und VOR gemeint sind. Überdies sollten die nationalen Behörden entsprechnde NOTAMS veröffentlichen, um die Luftraumnutzer für die Gefahren zu sensibilisieren.

Das komplette Safety Bulletin kann HIER eingesehen werden.

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