AERO-Chef Bretzel im Interview: "Gute Stimmung in der Branche!"

AERO-Chef Bretzel im Interview
„Gute Stimmung in der Branche!“

Interview
ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.02.2026
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„Gute Stimmung in der Branche!“
Foto: Katrin Sdun
Tobias, verfolgt man die allgemeinen Nachrichten, könnte man meinen, Deutschland und ganz Europa seien konsequent im Niedergang. Die General Aviation hingegen schaut laut eurer Pressemitteilungen positiv in die Zukunft. Wie erklärst du dir diese Stimmung in der Branche?

Die Stimmung hängt immer zu einem Großteil von den Verkäufen und Umsätzen ab. Und die sind insgesamt besser als erwartet, zumindest spiegeln das die Gespräche mit unseren Ausstellern und auch die GAMA-Zahlen. Wir verspüren nach dem Corona-Tief weiter einen Aufwärtstrend, wir legen in vielen Bereichen zu, in anderen bleiben wir zumindest konstant. Die Dynamik in der Weltpolitik, Stichwort Zölle oder gar Militärschläge wie zu Beginn des Jahres, ist nicht wegzudiskutieren. Am Ende aber zählen für die Branche schlicht gute Zahlen.

Frage zwei muss ich eigentlich gar nicht stellen, oder?

Du willst wissen, wie es bei den Anmeldungen aussieht, richtig? Wir liegen deutlich über Vorjahr, aktuell sind 607 Firmen gemeldet, zum Vorjahreszeitpunkt waren es 479 und bedeutet über 25 Prozent mehr Aussteller und eine Belegung des gesamten Messegeländes. Und das, obwohl der Segelflug in diesem Jahr turnusgemäß aussetzt. Insbesondere bei den Gemeinschaftsständen und Pavillons haben wir nochmal zulegen können, und das macht es kleineren Firmen einfacher, als Mitaussteller den Aufwand zu stemmen, den eine Messe bedeutet.

Welche Platzhirsche sind dabei, welche Novizen zeigen sich erstmals?

Wir sind immer froh, wenn die Platzhirsche nach Friedrichshafen kommen. Textron macht in diesem Jahre einen großen Aufschlag, die Amerikaner zeigen große Präsenz in der Halle A2 und sind hier auch mit ihrem Ableger Pipistrel vertreten. Draußen wird das komplette Biz-Av-Lineup stehen, sogar eine Longitude! Piper, Cirrus und Daher sind die großen Namen der, nennen wir es mal upper GA, die in Halle A3 vertreten ist, und für die A4 haben Diamond und Tecnam mit großen Ständen gemeldet. Neu dabei sind beispielsweise Piaggio als Flugzeughersteller und Jetex im Bereich Fixed Base Operators, und sogar Volocopter stellt erstmals wieder bei uns aus.

Katrin Sdun
Du hast die Gemeinschaftsstände schon angesprochen, an denen sich Länder, Regionen oder Luftfahrtcluster gemeinsam präsentierten. Wie erklärst du dir diesen Trend?

Es macht vor allem für kleine Hersteller den Aufwand händelbar, wenn nationale Institutionen oder Industrieverbände die Gesamtorganisation übernehmen und man sich da einfach "dranhängen" kann. Der Pavillon des Landes Brandenburg ist ein tolles Beispiel, was dann möglich wird, auch NRW leistet sich sowas inzwischen. Mit neuem Konzept geht der Gemeinschaftsstand von Bremen an den Start, der lange im Bereich der AeroDrones seinen Platz hatte und jetzt den Fokus mehr auf Zulieferer legt. Dazu kommen die Verbandspavillions, beispielsweise der German und der Austrian Business Aviation Association, der International Aircraft Dealers Association und natürlich vom Deutschen Hubschrauber Verband in Halle B5 sowie von AOPA und DAeC. So richtig stolz, das sei noch gesagt, sind wir auf den Chinese Innovation Pavillon, der über Kooperation mit der Messe Frankfurt-Honkong zustande kam. Ich hole hier so aus, weil wir alle wissen, dass China gerade Vorreiter bei Antriebstechnologien, Nachhaltigkeit etc. ist und sich in Asien da viel bewegt.

Im vergangenen Jahr haben wir hier über den Amtsantritt von Donald Trump sinniert. Jetzt ist er ein Jahr US-Präsident und die transatlantischen Beziehungen sind komplizierter als je zuvor, Stichwort Zölle, Androhung von Groundings für Bombardier-Flugzeuge etc. Viele GA-Hersteller kommen aus den USA. Wie nimmst Du die Situation wahr? Was berichten eure Aussteller?

Die Politik spielt in den Gesprächen, die wir in der Vorbereitung führen, keine große Rolle. Sie ist präsent, aber ob sie der sprichwörtliche Elefant im Raum ist, sei dahingestellt. Im Gespräch ist man ja nicht nur Organisator, Hersteller oder Aussteller, sondern auch Mensch. Es ist nicht irrelevant. Was sich aber zeigt, ist, dass wir alle eine große Industrie, eine Familie sind. Ich bleibe diesbezüglich bei meiner Meinung vom letzten Jahr: Plattformen wie die AERO, auf der alle Beteiligten gemeinsam die Passion für die Luftfahrt leben, sind heute noch wichtiger als vor einigen Jahren, denn persönlicher Austausch hat eine größere Bedeutung als die gefühlte weltpolitische Lage. Messe bietet die Chance, im Austausch zu bleiben und die Kommunikation, nicht nur die transatlantische, sondern auch die in Richtung Asien, von Angesicht zu Angesicht zu führen und Vertrauen aufzubauen. Das ist wichtig in einer Zeit, in der wir nicht wissen, was in der nächsten Woche passiert, welche neuen Zölle und welche Reaktionen darauf kommen.

Die Business Aviation steht mehr als jede andere Sparte der GA im Bezug zu den USA, allerdings rüstet ihr hier mit Belegung der Halle A1 sowie größerem Static Display und Business Aviation Dome ordentlich auf. Ist das doch der Angriff auf die EBACE, den du im Vorjahr so nicht bezeichnen wolltest? – In der Pressmitteilung wird immerhin von "strategischer Vergrößerung" gesprochen… Warum läuft es hier so gut?

Es ist genau das: eine strategische Weiterentwicklung. Wir glauben an den Bereich, und das zeigen wir auch. Der Dome war im vergangenen Jahr eigentlich schon zu klein für das Interesse der Branche, aber wir vergrößern ihn nicht nur, wir verschieben ihn in diesem Jahr auch weiter nach Westen, um mehr Platz auf dem Static Display für zusätzliche Fluggeräte zu schaffen. Zudem ist die Halle A1 auch zum größten Teil mit Business Aviation belegt. Wir wollen den Herstellern und Operators eine Art eigene Plattform bieten, auf der sie sich in der Branche vernetzen können, aber gleichzeitig die Möglichkeit haben, sich im Rahmen der ganzen AERO auch als Teil der Allgemeinen Luftfahrt zu präsentieren. Die Ressourcen sind bei allen begrenzt, und so wollen wir die Messe sein, die alle Bedürfnisse abdeckt.

Katrn Sdun
Wie sieht es in den anderen Segmenten aus?

Dazu eins vorab: Die AERO Drones gibt es in diesem Jahr nicht mehr, denn wir haben gemerkt, dass dieses Thema aus zweierlei Gründen nicht mehr so nachgefragt ist. Erstens haben die Behörden sich über die Jahre ausgetauscht und viel Material beschafft, zweitens möchte man aufgrund der veränderten Sicherheitslage bestimmte Themen nicht mehr derart öffentlich diskutieren. Der Fokus liegt künftig eher auf Verzahnung von Verkehren, Integration von UAS in den unteren Luftraum, Logistik, Cargo und Richtung EVTOL. Diese Themen finden sich jetzt in Halle A7, wo wir auch eine neue Innovation Stage mit eigenem Programm haben. Hier ist für Donnerstag ein Fachtag vorgesehen, wo sich neue Technologien wie Wasserstoff, elektrisches Fliegen etc. auch in der Tiefe der Vorträge wiederfinden sollen.
Die anderen Hallen folgen weitgehend der Belegung der Vorjahre, A3 und A4 General Aviation, A5 Zulieferer, Verbände, Pavilions und Organisationen, und A6 mit Fokus auf Avionik, Zubehör, Flugsimulation und Technik. In den Hallen B1 bis B4 stehen traditionell ULs im Fokus und in der B5 findet sich die Helikopterszene. Wichtig ist uns dabei, dass wir auch die Selbstbauszene mit Akteuren wie der OUV oder Apfelkuchenflugzeugbau etc. zeigen. Das ist das, wo die AERO herkommt, das gehört dazu und da sind wir stolz drauf!

Aero 2022
Bildrechte: Messe Friedrichshafe
Einige Jahre standen Nachhaltigkeit und Klimaschutz weit oben auf der Liste öffentlich relevanter Themen, das flaut gerade massiv ab. Die AERO hat mit dem Sustainable Aviation Trail und dem Hydrogen & Battery Summit hier Pflöcke eingeschlagen. Muss an denen gesägt werden oder haben die weiter ihre Berechtigung? Wie ist da der Zulauf?

Im Gegenteil, diese Pflöcke werden noch tiefer eingeschlagen! Bosch GA Technology supported den Hydrogen & Battery Summit, diese Veranstaltung wurde vom Programm her sogar noch ausgebaut. Innovation gehört zur Luftfahrt-DNA, und nur weil sich die politische Wetterlage ändert, machen die Hersteller nicht ad hoc kehrt. Allerdings: Die Szene erwartet, dass die Unternehmen jetzt auch liefern. Die Zeit, in der man allein mit Renderings, Animationen und Mockups punkten konnte, ist vorbei.

In diesem Jahr wird mit der Pre-Owned-Aircraft Area auch der Gebrauchtmarkt mehr in den Fokus genommen. Was hat es damit auf sich?

Wir wollen damit auf dem erweiterten Static Display einen neuen Bereich für Seller und Broker schaffen damit dort Flugzeuge zum Verkauf angeboten werden können. Der Fokus liegt dabei auf den Segmenten Turboprop, Light Jet und SEP.

Während Privatpiloten mit der Slotregelung und den happigen Gebühren der Spaß an der Anreise mit dem eigenen Flugzeug weiterhin vergällt wird, soll es in diesem Jahr Charterverbindungen zur AERO geben. Wie ist da der Stand? Von wo aus kann man kommerziell zur AERO fliegen?

Zunächst: Natürlich würde ich es als AERO-Projektleiter auch sehr begrüßen, wenn das Regelkorsett zu Gunsten von mehr Slots gelockert werden könnte! Die aktuellen Slotregelungen am Verkehrsflughafen FN und die momentane Buchungsweise haben sich allerdings in den letzten beiden Jahren gefestigt und bewährt. Thema Kosten: hier stellt der Aufwand, den alle Beteiligten durch die Veranstaltung haben ein wesentlicher Kostentreiber dar, weshalb man die Gebühren nicht mit denen an einem regulären Tag außerhalb der Messezeiten vergleichen kann. An dieser Stelle verweise ich auch immer deutlich darauf, dass es auch noch unseren "AERO-UL-Flugplatz" Markdorf sowie die Flugplätze Mengen, Leutkirch und Konstanz als Alternativen gibt. Alle sind mit Shuttlebussen direkt an das Messegelände angebunden. Zu den Linienverbindungen: Die sind gefixt, sodass man mit Air Uniqon aus Berlin, Hamburg und Düsseldorf anreisen kann. Eine Charterverbindung aus London ist noch in der Schwebe, gleiches gilt für Flüge aus Belgien und Schweden.

Anika Holtermüller
Auch in diesem Jahr soll es am Samstag wieder eine Airshow geben. Lange war das kein Thema – jetzt wieder fester Bestandteil der AERO? Was gibt es zu sehen?

Hier haben wir auch ausgebaut und der Airshow ein bisschen mehr Zeit am Messe-Samstag eingeräumt, um den Besuch auch für Luftfahrtfans und Familien noch lohnenswerter zu machen. Es wird eine Mischung aus bekannten und neuen Acts geben, wobei die Niebergalls und Toni Eichhorn wieder dabei sind, aber auch einige neue Namen. Ergänzt wird das ganze um einen moderierten Zeppelinstart. Highlight ist aber ganz sicher der Auftritt der Bo 105 der Flying Bulls.

Messe Friedrichshafen
Übliche Frage zum Abschluss: Welche drei Highlights empfiehlt Tobias Bretzel den AERO-Besuchern für 2026?

Pole Position bei den Empfehlungen sind unsere erstmals angebotenen geführten Touren über die AERO. Hier bekommen die Teilnehmer in acht bis zehn Stopps an bestimmten Ständen konzentrierte Informationen zu spezifischen Themen wie E-Flight, Future of Propulsion Systems oder Messeneuheiten. Dann sollte man sich den Bereich der Business Aviation anschauen, ein bisschen Träumen darf man ja auch als Segel- oder Motorflieger. Schließlich darf man auf keinen Fall die Airshow verpassen. Kunstflug mit der Bo 105 – mehr Leidenschaft fürs Fliegen geht nicht.