Neuer LBA-Präsident: Aufbruchstimmung in Braunschweig

Neuer LBA-Präsident
Aufbruchstimmung in Braunschweig

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.08.2026
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Aufbruchstimmung in Braunschweig
Foto: Lars Reinhold

Alexander Schotts Inauguration hätte eine behördliche Randnotiz sein können. Ein Empfang, wie er jede Woche irgendwo in einem Amt stattfindet, wenn ein neuer Chef seinen Posten antritt. Auch wenn es beim Führungswechsel in einer Bundesoberbehörde etwas größer zugehen mag – im Wesentlichen laufen solche Ereignisse stets nach dem gleichen Schema ab: Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, Grußworte, PR-Fotos, Häppchen, Meldung in den Medien – Erledigt.

Allerdings: Wenn eine Behörde so massiv in der öffentlichen Kritik steht wie es beim Luftfahrt-Bundesamt in den letzten Monaten der Fall war, dann sind die Erwartungen an den Neuen an der Spitze riesig – und entsprechende Bedeutung und Aufmerksamkeit bekommt sein erster, öffentlicher Auftritt.

Und tatsächlich: Die gut 30 Minuten, in denen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger den neuen LBA-Präsidenten knackig anmoderierte und Alexander Schott seinen verbalen Einstand gab, waren die vielleicht wichtigsten der jüngeren Geschichte der Luftfahrtverwaltung in Deutschland. Denn sie klangen nach Aufbruch und dürften vor allem jene Hoffnungsvoll stimmen, die im Laufe der Jahre in die Mühlen des für die Flugmedizin zuständigen Referats L6 geraten sind.

Flugmedizin als Baustelle Nummer eins

Obwohl die Flugmedizin nur eine von vielen Aufgaben ist, die am Hauptsitz des LBA in Braunschweig und den Außenstellen der Behörde bearbeitet werden, fand ausschließlich dieser Bereich in den Reden des Bundesverkehrsministers und des neuen LBA-Präsidenten explizit Erwähnung.

"Alexander Schott bringt genau das mit, was das Luftfahrt-Bundesamt jetzt braucht: juristische Erfahrung, technisches Verständnis, Innovationskraft und einen klaren Blick für Sicherheit", sagte Steffen Bilger, der nur wenige Tage vor Alexander Schott seinen Dienst an der Spitze des Bundesverkehrsministeriums angetreten hatte. "Gemeinsam wollen wir das LBA moderner, digitaler und leistungsfähiger machen. Gerade beim Thema Flugmedizin müssen wir schneller werden. Dafür braucht es gute Strukturen, verlässliche Verfahren und die richtigen Köpfe."

Tobias Koch

Mit Luther-Zitat in die große Aufgabe

Alexander Schott stellte in seiner Rede heraus, dass er sein Amt in einer herausfordernden Zeit voller Veränderungen antrete und dass es ihm darum gehe, das zu bewahren, was trägt und den Mut zu haben, dort zu besser zu werden, wo man besser werden müsse gemäß dem Motto "Wenn du aufhörst, besser sein zu wollen, hast du aufgehört, gut zu sein".

Dieses Martin Luther zugeschriebene Zitat begleite ihn seit seiner Zeit beim Bundesnachrichtendienst, erklärt Schott, und ergänzt, dass das, was gestern noch gut war, morgen schon nicht mehr ausreichen kann. Nicht, weil es selbst schlecht geworden wäre, sondern weil sich Technologien und Wettbewerbsbedingungen ändern – und weil andere besser werden. Die Innovation laufe voraus, die Regulierung müsse damit Schritt halten und die Verwaltung in der Lage sein, beides zusammenzubringen.

Defence Conference Air Defence Summit 2023
CPM/Schürmann

Leistungsfähige Luftfahrt brauche eine leistungsfähige Luftfahrtverwaltung, nur so lasse sich die Ambition der Bundesregierung, Deutschland als führende, sprich wettbewerbsfähige, technologisch starke, souveräne, resiliente und nachhaltige Luftfahrtnation zu positionieren.

Ich begreife das Luftfahrt-Bundesamt als Herzkammer der Luftfahrt in Deutschland.

Allerdings: "Nicht alle Herausforderungen des Hauses entstehen durch neue Technologie, manche liegen in gewachsenen Verfahren und Prozessen", räumte Schott ein. "Besonders deutlich erleben wir das gerade in der Luftfahrtmedizin. Ich kenne die Sorgen der Betroffenen und die Kritik an den Bearbeitungszeiten, den Abläufen und der Kommunikation. Viele konstruktive Zuschriften helfen mir, den Sachverhalt zu verstehen." Nach wenigen Tagen werde er allerdings kein schnelles Urteil über Ursachen und Verantwortlichkeiten fällen, stellte er klar. Er wolle verstehen, sich ein belastbares Lagebild verschaffen und dort handeln, wo sich Handlungsbedarf zeige. "Meine Untersuchung in dieser Situation läuft."

Ich schaue hin. Ich frage dort nach, wo ich den Eindruck gewinne, dass etwas nicht passt. Und dann packen wir an.

Lars Reinhold

Einen weiteren Schwerpunkt legte Schott auf die notwendige Digitalisierung. Prozesse, Wartezeiten, Schnittstellen, Medienbrüche, all das gelte es anzugehen. "Digitalisierung heißt für mich nicht, einen schlechten analogen Prozess elektronisch abzubilden. Wir müssen Abläufe vom Ergebnis her neu denken – mit Blick auf unsere Kunden und Partner ebenso wie aus Sicht unserer Kolleginnen und Kollegen."

Er werde, so Schott weiter, den Anspruch seitens des Bundesverkehrsministeriums, das LBA in eine Vorzeigebehörde zu verwandeln, gerne annehmen. Dazu gehöre auch, eine Kultur zu fördern, in der jeder einzelne Mitarbeiter bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, weil seine Vorgesetzten diese Verantwortung mittragen.

Luftfahrt auf dem zweiten Bildungsweg

Abschließend verwies Alexander Schott mit einem Augenzwinkern auf seine bis in die Kindheit zurückreichende Begeisterung für die Luftfahrt, die er als "Plane Spotter" in der Einflugschneise von Brüssel/Zaventem verbrachte, aber nicht mit der Kamera, sondern im Gras liegend mit Blick nach oben. Auch später, als Fallschirmjäger und Jumpseat-Junkie bei der Bundeswehr habe er Luftfahrt gelebt, und jetzt komme er, "quasi auf dem zweiten Bildungsweg", wieder bei der Luftfahrt an – "mit bis heute nicht ganz gestillter Leidenschaft".

Fazit