Comeback der Dornier Do 24 ATT - Flugboot-Unikat fliegt wieder

Erster Flug nach 11 Jahren am Boden
Die Dornier Do 24 ATT ist wieder auferstanden

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.09.2026
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Es gibt Momente, da traut man den eigenen Augen nicht. Und doch sind sie real.

Am Dienstag, dem 29. September, um kurz nach halb drei Uhr am Nachmittag, ist so ein Moment. In der Einflugschneise des Flughafens Friedrichshafen taucht plötzlich die Silhouette der Dornier Do 24 ATT auf – jenes einzigartigen Amphibienflugzeugs, das nach einem Landeunfall 2015 auf dem Wolfgangsee und anschließender Überführung die letzten elf Jahre in Friedrichshafen am Boden verbrachte.

Selbst Kenner reiben sich da verwundert die Augen – wie kann das denn sein?

"Auf diesen Tag haben wir vier Jahre lang hingearbeitet", berichtet Johannes Pradler, Copilot auf der Do 24 ATT, später – nach einem zweiten Testflug – freudestrahlend am Flughafenzaun. Zusammen mit Pilot und Eigner Iren Dornier, der das Flugzeug vor gut 20 Jahren schon einmal aus einem Museum an den Himmel holte, hat er die jahrelang vor sich hin schlummernde, silbergraue Schönheit wieder auf Vordermann gebracht. "Wir haben beide unsere ganze Freizeit für dieses Projekt geopfert", erzählt Johannes weiter.

Dass es das wert war, liegt auf der Hand. Die beiden kurzen Testflüge am 29. September sind die vorläufige Krönung aller Mühen.

Dornier Do 24 ATT beim Testflug am 29. September 2026 in Friedrichshafen
Patrick Zwerger

Das Fahrwerk macht noch Zicken

Die Erleichterung ist den beiden Flug-Enthusiasten anzumerken, als sie abends nach getaner Arbeit den Flughafen verlassen. Ihre Do 24 ATT, Spitzname "Latina", haben sie gerade wieder zurück auf ihren Parkplatz am Dornier Museum rangiert, jetzt wird auf den Erfolg erstmal zusammen angestoßen.

"Ganz zufrieden sind wir noch nicht", schränkt Iren Dornier augenzwinkernd ein. Das Fahrwerk ließ sich nicht ganz einfahren, deswegen geriet der zweite Testflug kürzer als geplant – vermutlich Luft im System. "Aber das kriegen wir schon hin, ansonsten ist sie ganz brav geflogen."

Dornier Do 24 ATT beim Testflug am 29. September 2026 in Friedrichshafen
Patrick Zwerger

Testflüge sind nur ein Zwischenziel

Fliegen, das soll die Do 24 ATT in Zukunft wieder regelmäßig, die Ausritte am Dienstag sollen keine einmalige Sache bleiben. Vielmehr planen Johannes Pradler und Iren Dornier, das Flugboot in Zukunft auch im Rahmen von Flugshows und anderen Veranstaltungen in die Luft zu bringen. "Aber jetzt lasst uns erst Mal ein paar Testflüge machen, und dann sehen wir weiter", beschwichtigt Johannes.

Dornier Do 24 ATT beim Testflug am 29. September 2026 in Friedrichshafen
Patrick Zwerger

Wiederaufbau im Verborgenen

Dass die Do 24 ATT überhaupt wieder aufsteigt, damit hatten wohl, außerhalb der kleinen Projektgruppe natürlich, die wenigsten gerechnet. Noch nicht einmal in sonst gut informierten Kreisen der Klassikerszene war das ein Thema.

Dass die Turboprop-Dreimot in der jüngeren Vergangenheit ab und zu Motorläufe absolvierte, konnte man als regelmäßiger Besucher am Flughafen und im Dornier Museum zwar mitbekommen. Auch die zahlreichen Restaurierungsarbeiten und dass die Do 24 neu lackiert wurde, nahm man zur Kenntnis. Aber das mit dem Lack ist jetzt auch schon wieder ein paar Jahre her und auch nicht-flugfähige Museumsstücke werden optisch auf Vordermann gebracht, um sie möglichst vorzeigbar zu machen.

Dornier Do 24 ATT beim Testflug am 29. September 2026 in Friedrichshafen
Patrick Zwerger

Kennung als Hommage an die Do X

Dazu hatte Iren Dornier noch 2021, bei der offiziellen Übergabe der Do an das Museum, betont, wie schwierig es inzwischen rechtlich sei, ein solches Flugzeug wieder für den Flugbetrieb zuzulassen.

Vermutlich nicht ohne Grund ist die Do 24 ATT für ihre Wiederauferstehung in Malawi registriert: 7Q-DOX prangt jetzt als Kennzeichen am Heck. Eine klare Hommage an das Verkehrsflugschiff Do X – die große, ältere Schwester der Do 24.

Beide Muster sind Schöpfungen von Flugzeugkonstrukteur und Firmengründer Claude Dornier, Iren Dorniers Großvater. Dessen Erbe wird mit der Reaktivierung der Do 24 ATT am Bodensee wieder ein Stück lebendiger.

Und allein das ist schon eine gute Nachricht.

Die Dornier Do 24 ATTGebaut wurde die Do 24 mit Werknummer 5345 im Jahr 1943. Sie flog kurz für die deustche Luftwaffe, ging dann aber nach Spanien, wo sie von Port de Pollença auf Mallorca aus für Rettungseinsätze diente.
1971 kaufte Dornier die Maschine zurück, um sie auf dem Firmengelände in Immenstaad auszustellen. Zehn Jahre später fiel die Entscheidung zum Umbau der Do 24 zur Do 24 ATT (amphibischer Technologie-Träger). Nur Rumpf und Leitwerk blieben unangetastet. Die drei Bramo-Sternmotoren wichen drei P&W Canada Turboprop-Aggregaten, die Tragflächen wurden durch neue Muster mit abgeschrägten Enden ersetzt, deren Rahmen in einem neuartigen Fertigungsverfahren aus dem Vollen gefräst wurden.
1983 erfolgte der Erstflug. Nach nur 150 Stunden Erprobung kam die Do 24 in das Deutsche Museum in Schleißheim, bevor sie vom heutigen Besitzer Iren Dornier erworben und restauriert wurde. 2004 hob die Do 24 wieder ab und war in der Folgezeit häufig in der Luft zu sehen.
2015 erlitt das Flugzeug bei einer Landung auf dem Wolfgangsee in Österreich einen Unfall und wurde beschädigt.
Seit der Überführung über Salzburg nach Friedrichshafen parkte sie auf dem Vorfeld des Bodensee-Airports und schließlich auf dem Gelände des angrenzenden Dornier Museums.