Mit diesem Missverständnis muss ich aufräumen. Luftrechtlich ist "Flugplatz" der Oberbegriff für alle zugelassenen Gelände mit Flugbetrieb. Darunter fallen Flughäfen, Verkehrslandeplätze und Sonderlandeplätze sowie Segelfluggelände. Augsburg war luftrechtlich noch nie ein Flughafen, sondern wurde am 22. Juni 1968 als "Verkehrslandeplatz Augsburg-Mühlhausen" gegründet. Nur nach außen hin wurde historisch der Begriff "Flughafen" genutzt. Richtig ist, dass wir früher Linienbetrieb hatten, unter anderem mit Augsburg Airways als Lufthansa-Partner. Nach deren Abzug und der Planinsolvenz 2005 haben wir uns strategisch auf die Nische der Business Aviation, den Werkverkehr und Charterflüge spezialisiert. Dieses neue Geschäftsmodell funktioniert hervorragend. Für den Geschäftsreiseverkehr hat uns diese Fokussierung keineswegs geschadet. Schade ist lediglich für die Bürger der Region, dass es kein klassisches Linienangebot mehr ab Augsburg gibt. Aber an kleineren, flexiblen Bedarfsflugkonzepten arbeiten wir bereits.
Wir punkten mit einer familiären Atmosphäre, extrem kurzen Wegen, hoher Flexibilität und maximaler Effizienz für unsere Kunden. An einem großen Hub wie München ist man als Business- oder Werkflieger oft nur eine Nummer im System. Bei uns kennt man sich persönlich. Wenn es Probleme gibt, greift man zum Hörer und findet sofort direkte Ansprechpartner. Ein riesiger Vorteil sind zudem unsere alternativen Sicherheitsmaßnahmen. Wir führen keine klassischen Passagier- und Gepäckkontrollen durch, sondern stellen über ein strenges Ausweis- und Lizenzwesen sicher, dass nur autorisiertes Personal das Gelände betritt. Das spart den Crews und Passagieren enorm viel Zeit. Man kommt an, geht zum Flugzeug und fliegt los. Das ist Effizienz pur.
Ja, absolut. Die Nachfrage in diesem Sektor steigt sukzessive. Unser Masterplan sieht deshalb auch den Ausbau von Hangarkapazitäten vor. Aktuell macht der Geschäftsreise- und Werkverkehr bereits etwa 40 bis 50 Prozent unserer gesamten Flugbewegungen aus. Wichtig ist mir dabei die Differenzierung: Wir reden hier nicht primär von wohlhabenden Privatleuten, die im gemieteten Großkabinen-Jet umherfliegen – das ist bei uns eine absolute Ausnahme. Neben den regelmäßig bei uns operierenden Charterkunden mit kleineren bis großen Business Jets sind unsere Bestandskunden am Flugplatz vor allem mittelständische Unternehmer, die mit eigenem Gerät, oft auch mit einmotorigen Kolbenluftfahrzeugen wie einer Cessna 182, hocheffizient ihre Termine wahrnehmen.
Ein ganz wesentlicher Stützpfeiler ist der Werksverkehr. Wir haben einen etablierten Werks-Shuttle mit Airbus Helicopters, der weiter ausgebaut werden soll. Für Konzerne ist diese Form der Regional Air Mobility mit Flugzeugen in der Größenordnung von 30 bis 40 Sitzplätzen – wie bei der Dornier 328 – ein ideales und extrem verlässliches Transportmittel. Darüber hinaus haben wir zehn Flugschulen am Platz, darunter zwei Hubschrauberschulen, was uns eine hohe Ausbildungsqualität sichert. Ein weiteres großes Zukunftsthema ist der Bedarfsflugverkehr mit kleinerem Gerät. Ein spannender Akteur ist hier das Unternehmen FlyVini, das aktuell mit einer neunsitzigen Cessna Caravan feste sowie nachfrageorientierte Strecken bedient. Nutzerinnen und Nutzer können ihren Verbindungswunsch eingeben. Ein KI-gestützter Algorithmus prüft, ob ausreichend Nachfrage vorhanden ist und ob passende Kapazitäten verfügbar sind, um daraus ein konkretes Flugangebot zu machen. Das ist ein moderner, flexibler Ansatz für den Regionalverkehr, an dem wir uns als Partner aktiv beteiligen.
Da gibt es tatsächlich ein spezifisch bayerisches Hemmnis bei den alternativen Sicherheitsmaßnahmen. In Bayern gilt für diese vereinfachten Verfahren eine restriktive Begrenzung auf maximal neun Passagiersitzplätze im Einzelticketverkauf sowie eine Gewichtsgrenze von 5,7 Tonnen MTOM. Eine Cessna Caravan fällt da noch drunter. Wenn ein Betreiber aber ein hochmodernes und absolut marktübliches Flugzeug wie eine Pilatus PC-24 mit neun zahlenden Fluggästen einsetzen möchte, liegt deren maximale Abflugmasse bereits bei über acht Tonnen. Nach bayerischer Auslegung dürfen wir diesen Flug dann nicht mehr über unsere schnellen alternativen Sicherheitswege abwickeln, sondern müssten das volle bürokratische Luftsicherheits-Screening auffahren. Das ist ein massiver Wettbewerbsnachteil für die bayerischen Verkehrslandeplätze. Wir arbeiten unter anderem über unsere Interessengemeinschaft der regionalen Flugplätze (IDRF) intensiv daran, hier eine praxisgerechte Erleichterung zu erwirken. Generell würde ich mir von der EASA eine stärkere Differenzierung und Entbürokratisierung zwischen großen Verkehrsflughäfen und dezentralen Infrastrukturen wie der unseren wünschen.
In zehn Jahren werden wir bei der Elektrifizierung des Luftverkehrs einen großen Schritt weiter sein. Im Segment der Point-to-Point-Verbindungen mit 9 bis 19 Sitzen halte ich voll- oder hybridelektrische Antriebe für absolut realistisch. Auch für den Schulungsbetrieb mit schnellen Batteriewechselsystemen bietet sich das an. Wir sind bereits Teil der ersten bayerischen Elektroflugstrecke, um genau dafür jetzt die Infrastruktur aufzubauen. Bei größeren Business Jets, die sich nicht so einfach elektrifizieren lassen, wird der verstärkte Einsatz von Sustainable Aviation Fuels (SAF) beziehungsweise E-Fuels der entscheidende Hebel für die Nachhaltigkeit sein. Was Drohnen und eVTOLs (Flugtaxis) angeht, bin ich für den deutschen Markt etwas zurückhaltender. Uns fehlen die Megacitys, in denen man zwingend die dritte Dimension zur Verkehrsberuhigung braucht. Aber für die regionale Vernetzung im urbanen Raum werden sie eine ergänzende Rolle spielen.
Ja, wir betreiben kein Greenwashing. Aufgrund unserer geografischen Lage auf der Grenze zwischen der Stadt Augsburg und dem Landkreis Aichach-Friedberg haben wir zwar die Besonderheit, von zwei verschiedenen Energieversorgern beliefert zu werden, beziehen aber von beiden zu 100 Prozent zertifizierten Ökostrom. Unser Ziel ist es, spätestens bis 2035 komplett klimaneutral zu sein und uns autark mit selbst erzeugter Energie zu versorgen. Bereits Ende dieses Jahres werden wir durch den Ausbau eigener Photovoltaikanlagen in der Lage sein, rund 70 bis 75 Prozent unseres Strombedarfs selbst vor Ort zu produzieren.

Geschäftsführer Maximilian Hartwig steht Rede und Antwort rund um den Flugplatz Augsburg.
Definitiv unsere hervorragende Gastronomie, die wir seit zwei Jahren wieder am Platz haben. Mit dem Restaurant "Triebwerk" (auch unter "Südtiroler Speckstube" bekannt) haben wir einen fantastischen Pächter gewonnen. Für uns Piloten ist ein Flugplatzrestaurant ja nicht nur ein Ort zum Essen, sondern ein sozialer Treffpunkt, der die Community zusammenschweißt. Das spricht sich in der Szene schnell herum; wir merken das zum Beispiel an den vielen Crews aus der Schweiz, die genau deswegen wieder verstärkt zu uns fliegen. Zudem bietet Augsburg als kontrollierter Platz ideale Bedingungen für Schul- und Übungsflüge. Und nicht zuletzt ist die Stadt Augsburg mit ihrem wunderschönen Umland in nur zehn Minuten mit dem Taxi oder Uber erreichbar. Wir achten bei unseren Entgelten und Abstellgebühren bewusst auf ein faires, verträgliches Maß, damit der Ausflug bezahlbar bleibt.
Die wichtigste Säule ist das fortlaufende Commitment und die Unterstützung unserer Gesellschafterin, der Stadt Augsburg, die den Flugplatz zu 100 Prozent hält. Größere infrastrukturelle Investitionen wie das aktuell im Bau befindliche neue Feuerwehrgerätehaus samt Energiezentrale lassen sich ohne diesen Rückhalt nicht realisieren. Zudem planen wir den Bau eines großen neuen Hangars, um neben zusätzlichen Unterstellkapazitäten einen weiteren Base- und Line-Maintenance-Betrieb anzusiedeln. Neben unserem starken Partner Augsburg Air Service (AAS) wollen wir uns so im süddeutschen Raum als führender Wartungsstandort etablieren. Wenn wir unsere Hausaufgaben bei der Infrastruktur und Betriebsprozessen machen, die Bundespolitik sich auch weiterhin zum Luftverkehrsstandort Deutschland bekennt und der Luftverkehr trotz geopolitischer Volatilitäten stabil bleibt, sehe ich der Zukunft des Standorts Augsburg extrem positiv entgegen, sodass wir unser Potenzial voll ausschöpfen können.





