AirTaxi Express: Online-Kampagne gegen Sportfluggruppe Nordholz

AirTaxi Express
Online-Kampagne gegen Sportfluggruppe Nordholz

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.09.2026
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Online-Kampagne gegen Sportfluggruppe Nordholz
Foto: Lars Reinhold / Chat GPT

Der Post von AirTaxi Express auf Facebook dürfte sich für jene, die in Nordholz ehrenamtlich Flugsport möglich machen, wie ein Schlag ins Gesicht angefühlt haben. "Die Sportfluggruppe Nordholz/Cuxhaven verweigert AirTaxi Express die Landung auf dem Flugplatz." So weit, so sachlich. Doch dann poltert das Unternehmen richtig los: "So können wichtige Versorgungs- und medizinische Flüge zwischen Helgoland und Cuxhaven nicht stattfinden, weil ein paar Hobbyflieger wichtige Infrastruktur gern der öffentlichen Nutzung entziehen."

Wumms. Das sitzt. Ein gemeinnütziger Luftsportverein als Verhinderer, als Institution, die nicht etwa etwas für die Gesellschaft tut, sondern ihr etwas wegnimmt. Und es geht noch weiter. "Auch aus der Bevölkerung stößt die Entscheidung des Vereins, eigene Spaßflüge durchzuführen, während wichtige kommerzielle Versorgungsflüge geblockt werden auf Unverständnis." Oha, anscheinend standen die Anrainer des Flugplatzes schon mit Mistgabeln und Fackeln am Tor und wollten den Vorstand lynchen, weil AirTaxi Express nicht fliegen durfte. Dabei ist das Unternehmen doch so ein Heilsbringer, wie der Rest des Textes nahelegt: "Selbstverständlich setzt sich die AirTaxi Express AG für offene, der Allgemeinheit dienende Flugplätze ein. Die Privatisierung von Flugplätzen für eine kleine Bevölkerungsschicht zu Spaßzwecken, während diese für wichtige Versorgungsflüge geschlossen werden, kann kein Zukunftsmodell sein."

Starker Tobak. Aber was war passiert?

Screenshot Facebook

Klar begründete Ablehnung der PPR-Anfrage

Werner Spleet, Vorsitzender SFG Nordholz, merkt man im Gespräch an, dass ihn das Thema inzwischen nervt. "Das Unternehmen hat mehrfach PPR-Anfragen gestellt, an einem Tag einmal, an einem anderen Tag gleich dreimal und sehr deutlich gemacht, wer sie sind und was sie wollen. Wir haben die Anfrage abgelehnt, weil der gesamte Flugbetrieb bei uns ehrenamtlich gemacht wird und wir es nicht darstellen können, auf Zuruf einen Betriebsleiter zu stellen, wenn AirTaxi Express den braucht."

Ein weiterer Hintergrund der Nordholzer Entscheidung sind die aus Sicht des Vereins mit den Operations verbundenen potenziellen Risiken. Kommerzielle Flüge mit Luftsportgeräten, dann noch knapp 60 Kilometer übers Meer bis nach Helgoland, damit wolle man nichts zu tun haben. "Wenn im Zusammenhang mit diesen Flügen doch etwas passiert, dann stehen die Ermittlungsbehörden garantiert auch bei uns auf der Matte. Und das wollen wir einfach nicht."

Hausrecht bei der SFG Nordholz

Grundsätzlich ist festzuhalten: Nordholz-Spieka ist ein kleiner Sonderlandeplatz, der unmittelbar neben dem großen Fliegerhorst Nordholz liegt. Betreiber ist die Sportfluggruppe Nordholz, und demnach liegt es allein im Ermessen des Vereins, wer dort starten und landen darf. Dass man sich darüber ärgert, den Platz nicht wie geplant nutzen zu können, mag aus Sicht von AirTaxi Express vielleicht sogar noch verständlich sein. Dann allerdings die eingangs zitierten großen Geschütze aufzufahren, das passt ins Bild eines Unternehmens, das seit einiger Zeit in den Sozialen Medien eine Kommunikationsstrategie fährt, die zwischen geradezu clownesker Albernheit, aufgesetzter Coolness und pampiger bis aggressiver Reaktion auf kritische Anmerkungen zum Geschäftsmodell mäandriert.

Carsten Steger, Wikipedia, CC BY-SA 4.0

Schaut man sich die Website an, wird schnell klar, dass die SFG Nordholz ein klassischer Luftsportverein ist, der Segel- und Motorflug anbietet, in beiden Sparten ausbildet und für rund 300 Mitglieder, davon 120 aktive, fliegerische Heimat bedeutet. Ende August dieses Jahres richtete der Club das Landesjugendvergleichsfliegen aus. Das alles passt nicht wirklich zum Bild der elitären Vereinigung, die für besserverdienende Flugspaß sicherstellt und dafür einen Flugplatz der öffentlichen Nutzung entzieht, wie AirTaxi Express auf Facebook behauptete.

Der ganze Post liest sich bei Kenntnis des Sachverhalts wie eine Verleumdungskampagne, denn das Unternehmen verbreitet wieder besseren Wissens unwahre Behauptungen über den Verein.

Ausweichende Antworten auf kritische Fragen

Im Rahmen der Recherche hat der aerokurier AirTaxi Express zum zwischenzeitlich gelöschten Beitrag befragt. Wir wollten wissen, warum die Firma unbedingt in Spieka landen wollte und nicht den zivilen Teil des benachbarten Fliegerhorstes nutzt. Daraufhin wurde lediglich mitgeteilt, man habe kein Interesse mehr an einem Betrieb ab Nordholz-Spieka. Ansonsten gab man sich wortkarg.

Gerne hätten wir gewusst, warum AirTaxi Express auf die zulässige Ablehnung der PPR-Anfrage durch den Flugplatzbetreiber eine derartige Kampagne gegen einen gemeinnützigen Luftsportverein fährt, welche angeblichen medizinischen- und Versorgungsflüge dadurch ausfallen und ob AirTaxi Express Umfragen bei den Anwohnern des Flugplatzes durchgeführt hat, um zu dem Ergebnis zu kommen, dass die Bevölkerung mit Unverständnis auf das Handeln des Vereins reagiert.

Es gab keine Antworten. CEO Peter Knappertsbusch erklärte in einer zweiten Mail allerdings, dass man viele Anfragen von Medien erhalte, das LBA AirTaxi Express aber gebeten habe, während des aktuell laufenden AOC-Genehmigungsverfahrens keine proaktive Pressearbeit zu betreiben. Man respektiere den Wunsch des Vereines, dort nicht zu landen. Inzwischen habe AirTaxi Express andere Landemöglichkeiten in der Region, allerdings sei man von den Unterstützern und Verantwortlichen gebeten worden, sich dazu nicht öffentlich zu äußern, da man Repressalien von etablierten Anbietern fürchte.

Schließlich, so Knappertsbusch, sei der Ton der Kommunikation des Vereinsvorstands AirTaxi Express gegenüber äußerst harsch gewesen, worauf man entsprechend geantwortet habe. Verfolgt man die Statements, die AirTaxi Express im Internet publiziert, mag es kaum verwundern, wenn ein Vorstand einer solchen Anfrage eher resolut begegnet. Dies rechtfertigt aber keinesfalls die Verbreitung unwahrer Behauptungen über die SFG Nordholz.

AirTaxi Express

Die SFG bleibt hart, das LBA wundert sich

"Die Art der Kommunikation, wie sie AirTaxi Express in diesem Fall betrieben hat, ist nicht unsere Art", sagt der SFG-Vorsitzende Werner Spleet mit norddeutschem Stoizismus. Und damit ist die Sache für ihn erledigt.

Beim LBA indes gibt man sich auf Nachfrage bezüglich der Aussagen von AirTaxi-CEO Knappertsbusch überrascht. "Es gibt seitens des LBA für die Durchführung der Pressearbeit des genannten Unternehmens bzw. allgemein im Rahmen von Genehmigungsverfahren überhaupt keine Vorgaben", informierte LBA-Sprecherin Cornelia Cramer. "Die Unternehmen entscheiden darüber grundsätzlich in eigener Verantwortung." Möglich sei, dass die zuständigen Sachbearbeiter ein Unternehmen zur Zurückhaltung bezüglich der Vermarktung ihrer Angebote anhielten, bevor das AOC erteilt sei. Auf diese Weise wolle man vor allem zusätzliche Anfragen von Dritten zum Stand des Verfahrens vermeiden. "Aber zur Pressearbeit an sich – dazu machen wir keine Vorgaben", so Cramer.

Regelungslücke ermöglicht Geschäftsmodell

Immer wieder wird in einschlägigen Foren das Auftreten von AirTaxi Express als Dienstleister, der seine Flüge als günstige Alternative zu Auto, Bahn und Luftfahrtunternehmen mit Flotten zertifizierter Flugzeuge anbietet, kritisiert. Fakt ist aber, dass es juristisch wenig Zweifel daran gibt, dass das Geschäftsmodell an sich legal ist.

Bereits 2018 hatte der Münchner Jurist Frank Peter Dörner die Eckdaten zum kommerziellen Betrieb mit Luftsportgeräten in einem Dossier veröffentlicht. Sein Fazit: "Tatsächlich sind die Hürden und Voraussetzungen zum gewerblichen Betrieb von Ultraleichtflugzeugen sehr gering. Kein AOC! Kein CPL! Kein Klasse-1-Medical! Kein CAT-Betrieb! Keine CAMO! Aber Pflicht zum Abschluss einer Passagierhaftpflichtversicherung für die Beförderung von Passagieren und ggf. die Beachtung von Flugzeiten, Flugdienstzeiten und Ruhezeiten."

AirTaxi Express bemüht sich darum, sich öffentlich den Anstrich einer kleinen Airline zu geben. Auf der Website kann man eine "Flugreise planen", Start- und Zielflughafen auswählen und ein Datum eingeben. Füllt man die Maske aus, spuckt das System potenzielle Verbindungen, Flugdauern und einen Preis aus. Unter dem Reiter "Vorteile" erfährt man, dass man mit Kleinflugzeugen von AirTaxi Express mit Berufspiloten sicher und schnell zu seinem Ziel fliegt. Offeriert werden Tages- und Wochenendausflüge, Urlaubsreisen und Rundflüge. Sogar die Möglichkeit, zu Geschäftsterminen zu fliegen, wird beworben: "Statt viele Stunden im Auto zu sitzen kommen Sie entspannt zu Ihrem Meeting. Unser Pilot wartet auf Sie und fliegt Sie nach Ihrem Meeting wieder nach Hause", heißt es.

Pichlmaier

Showstopper in den AGB

Wer das Fliegen nur vom jährlichen Urlaubstrip mit Kranich, Condor oder der goldenen Harfe kennt, der sieht hier vielleicht ein Schnäppchen. Eingeweihte indes wissen um die Einschränkungen, denen das Angebot unterworfen ist: So lange mit ULs geflogen wird, bedeutet das ausschließlich VFR Tag. Damit ist jedwede langfristige Planbarkeit Makulatur. AirTaxi Express weist darauf immerhin in §4 und §5 seiner AGB hin. Hier heißt es, dass alle angeforderten Flüge der Verfügbarkeit und den Wetterbedingungen unterliegen und die Entscheidung, ob ein Flug durchgeführt werden kann, der AirTaxi Express AG oder den von ihr beauftragten Piloten obliegt. Man bearbeite Anfragen innerhalb von 24 Stunden, der Kunde erhalte je nach Verfügbarkeit von Piloten und Flugzeugen Rückmeldung, ob und unter welchen Bedingungen der Flug durchgeführt werden kann.

Katrin Sdun

Weiterhin ist hier zu lesen, dass die Flüge je nach Kompetenz des Piloten und der Flugzeugausstattung nach VFR bei Tag durchgeführt werden und der Einsatzradius auf den Kontinent Europa beschränkt ist. Flüge können laut AGB mit Zwischenlandungen durchgeführt werden und unvorhergesehene Ereignisse, die außerhalb des Einflussbereiches der AirTaxi Express AG liegen – beispielsweise Flughafenschließungen, Wetter u.a. – obliegen nicht der Verantwortung des Anbieters.

Damit bleibt vom Angebot des flexiblen und schnellen Verkehrsmittels nur noch eine Schönwetteroption übrig, die zudem den Beschränkungen der UL-Klasse, sprich maximal einem Passagier und beschränkter Gepäckkapazität, unterworfen ist.

DAeC mahnt zur Vorsicht

Das Vorgehen der AirTaxi Express AG gegen die SFG Nordholz hat auch den Deutschen Aero Club auf den Plan gerufen. "Die Art und Weise, wie das Unternehmen den Fall auf Facebook dargestellt hat, macht mich wütend", sagte DAeC-Präsident Claus Cordes im Gespräch mit dem aerokurier. Cordes ärgert sich vor allem darüber, wie hier der "Luftsport öffentlich an die Wand genagelt" wurde, ohne zu erwähnen, dass der Verein in Nordholz-Spieka Herr des Flugbetriebs ist und ganz einfach das Recht hat, PPR zu verweigern. "Das ist bewusste Täuschung der Öffentlichkeit", so Cordes. Dem DAeC-Präsidenten stößt auch auf, wie sich die Piloten von AirTaxi Express inszenieren. "Wie viel Gold soll ich mir als A380-Kapitän mit mehr als 28.000 Flugstunden auf die Schulter klatschen, wenn die sich mit Pilotenhemd und goldenen Streifen ins UL hocken?" Insgesamt sei ihm der ganze Auftritt zu krawallig und aggressiv.

Als passioniertem Segel- und UL-Flieger – Cordes hat in einer Junkers A50 einen Rundflug über 14.000 Kilometer quer durch Europa unternommen – kann man dem DAeC-Präsidenten sicher kein UL-Bashing unterstellen. Allerdings weist er darauf hin, dass die Regularien, die die Lücke für den kommerziellen Betrieb bieten, in der sich AirTaxi Express bewegt, teils noch aus einer Zeit stammen, als man bezüglich UL wirklich von motorisierten Luftsportgeräten und fliegenden Partyzelten sprechen musste nicht von hochgezüchteten Rennern, wie sie heute Gang und Gäbe sind.

via Claus Cordes

"Ich habe wirklich Sorge, dass im Zuge der Operations, wie sie AirTaxi Express anbietet, die Regulierungsbehörden aktiv werden und daraus Bedingungen resultieren, die wir alle nicht wollen", sagt Cordes. Die UL-Sparte sei aus gutem Grund in nationaler Zuständigkeit belassen worden: um das Fliegen einfacher zu machen, als es im EASA-Rahmen mit seinem komplexen Regelwerk und vor allem im Bereich der kommerziellen Operations möglich ist.

Luftsportvereinen Rät Cordes, zumindest vorsichtig zu sein, wenn eine Anfrage von AirTaxi Express kommt. "Natürlich können die Clubs mit der Firma zusammenarbeiten, wenn sie die Kapazitäten haben. Aber wenn etwas nicht klappt, was ist dann? Dann besteht die Gefahr, dass man direkt am digitalen Pranger landet, genauso, wie die SFG Nordholz."

Fazit