Praxistest PowerFLARM Flex: Der Kollisionswarner zum Mitnehmen

Praxistest PowerFLARM Flex
Kollisionswarner zum Mitnehmen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.06.2026
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Kollisionswarner zum Mitnehmen
Foto: Lars Reinhold

Eine persönliche Meinung vorweg: In ein Kleinflugzeug gehört ein FLARM. Punkt. Keine Diskussion. Ich weiß nicht, wie viele Unfallberichte über Kollisionen im Laufe der Jahre im aerokurier erschienen sind, in denen das Versagen des Prinzips "See and Avoid" zu Toten, Verletzten und beschädigten oder zerstörten Flugzeugen geführt hat. Jeder dieser Zwischenfälle ist einer zu viel. Und es ist mir schleierhaft, warum Piloten auf dieses mit je nach Generation und Ausführung 700 bis 1800 Euro durchaus bezahlbare Helferlein freiwillig verzichten, obwohl es im Fall der Fälle Leben retten kann.

Ich habe die Entwicklung des FLARM ab 2010 aus der Pilotenperspektive verfolgt, für mich festgestellt, dass mir die Verkehrsdarstellung als LED-Kompassrose mehr zusagt als Butterfly-Displays, habe über nervige Updates und abgeknickte Zahnstocher- und defekte GPS-Antennen geflucht. Aber ich habe auch genug Situationen erlebt, in denen mich das FLARM vor GFK-Hackschnitzeln oder einem unfreiwilligen Rettungsschirm-Test bewahrt hat. Daher auch die eingangs geschilderte dogmatische Meinung.

Maximale Flexibilität

Was ich indes nachvollziehen kann, ist die Tatsache, dass nicht jeder Eigner eines Gelegenheitsflugzeugs, sei es ein selten bewegter Oldtimer oder ein Sportgerät, das nur für Acro-Einlagen in die Luft geht, satt Geld für mehrere Kollisionswarner ausgeben will. Aber genau dafür hat FLARM mit dem PowerFLARM Flex die passende Lösung.

Das Flex ist ein portables FLARM, in dem die Antennen für FLARM- und ADSB-Empfang sowie GPS, eine Kompassrose und ein Display integriert sind. Dank Lithium-Ionen-Akku im Format 18650, der via USB geladen werden kann, ist keinerlei feste Verkabelung mehr notwendig; die RJ-45-Schnittstelle bietet dennoch die Möglichkeit, das Gerät in eine bestehende Avionik-Infrastruktur einzubinden und beispielsweise mit Streckenflugrechnern zu koppeln. Der Kontakt zu Navigations-Apps auf Tablets und Smartphones ist via WiFi oder Bluetooth möglich.

Montage via Ram-Mount

Was die Montage im Cockpit angeht, hat der Flex-Nutzer verschiedene Möglichkeiten. Auf der Unterseite sind zwei M4-Gewindehülsen im Abstand von 4,8 Zentimeter integriert, sodass dort Adapterplatten gängiger Halterungssysteme wie RAM-Mount angebracht werden können. Auch eine Handy-Spinne an einer Mount genügt, um das Flex zu befestigen. Es mit Klett auf das Panel zu pappen, geht freilich ebenso, aber wer einmal die Erfahrung gemacht hat, dass insbesondere an heißen Tagen die textile Verbindung mitunter stärker ist als der Kleber, nimmt davon lieber Abstand, zumal das Gerät direkt hinter der Scheibe sehr heiß werden kann.

Lars Reinhold

Ist das Flex befestigt, braucht es nur einen langen Druck auf den sehr hochwertigen Drehknopf, und die Box erwacht zum Leben. Auf dem 3,2 mal 1,6 Zentimeter messenden Display erscheint eine Kompassrose mit etwas mehr als 180 Grad. Dieser als Traffic View bezeichnete Modus zeigt den Verkehr im Sektor vor und zu den Seiten des Flugzeugs bis etwa zur Acht- bzw. Vier-Uhr-Position an. Das nächste Ziel wird im Display vergrößert dargestellt, zudem eine Höhendifferenz angegeben. Außerdem erscheint dieser Kontakt in der LED-Kompassrose links neben dem Display. Die Anzeigereichweite lässt sich durch Drehen am Knopf von 1 bis 64 Kilometer einstellen – im Motorflug dürften zwei bis vier Kilometer die sinnvolle Wahl sein.

Mit einem kurzen Druck auf den Knopf wechselt die Anzeige in den Detailmodus. Hier kann mit dem Drehregler ein Ziel angewählt werden, woraufhin das Display zusätzliche Informationen wie Höhenwinkel, Geschwindigkeit, Höhendifferenz und Geschwindigkeit des Verkehrs anzeigt.

Lars Reinhold

Alarmmodus bei Gefahr

Kommt es zu einem potenziellen Kollisionskurs mit einem der erfassten Ziele, wechselt die Anzeige automatisch in den Alarmmodus. Der Konfliktverkehr wird in der Kompassrose zunächst gelb angezeigt, zusätzlich erscheint er im Display in derselben Farbe. Die LED blinkt, und ein Warnton weist den Piloten auf die Gefahr hin. Bleibt der Kollisionskurs bestehen, wechselt die Farbdarstellung bei Unterschreiten von einem Kilometer Distanz auf Rot und das Tonintervall wird kürzer. Nähern sich beispielsweise zwei Flugzeuge mit je 130 km/h frontal einander an, bleiben fürs Erkennen und Ausweichen noch knappe 14 Sekunden.

Wichtig ist, dass man das FLARM in den Scan der Instrumente miteinbezieht, allein auf die akustische Warnung des Piezo-Summers sollte man sich nicht verlassen, denn die ist im lauten Cockpit schnell überhört. Eine Anbindung ans Headset funktioniert laut Hersteller über Apps wie SkyDemon, auch eine Stand-alone-Lösung über das verbaute Bluetooth Low Energy sei denkbar, technisch aber noch nicht umsetzbar. Zu haben ist das Gerät für rund 1640 Euro.

Fazit