Unfall in Leszno: Adieu, Bronco!

Unfall in Leszno
Adieu, Bronco!

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.06.2026
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Adieu, Bronco!
Foto: Patrick Holland-Moritz

"Riecht irgendwie komisch …" Diesen Satz hörte man an der Flightline beim Hahnweide-Oldtimertreffen immer wieder, wenn die OV-10 an den Besuchern vorbeirollte. Das verwundert nicht, sind die Nasen der Besucher solcher Airshows doch an das Aroma verbrannten Flugbenzins gewöhnt, und so ein Dieseltriebwerk – chemisch ist Kerosin dem schnöden Tankstellen-Sprit für die gemeine Vertreterkutsche (Stichwort Hilti-Passat!) recht ähnlich – entfaltet eine deutlich intensivere Note, die auch länger im Riechkolben hängen bleibt. Auch die Ohren müssen sich bei der Bronco umstellen, denn hier gibt es sonores Brummen und Wimmern anstatt tiefem Geboller. Alles in allem passen diese Sinneseindrücke perfekt zu dem, was die Augen als Erstes erfassen: ein ungewöhnliches Flugzeug, dessen Konstrukteure einmal mehr nach dem Grundsatz "Form follows function" gearbeitet haben.

Patrick Holland-Moritz

Genau die Bronco, die beim Hahnweide-Oldtimertreffen 2025 für Staunen sorgte, ist am 19. Juni im polnischen Leszno verunglückt. Dem Portal Aviation Safety Network zufolge ereignete sich der Unfall während der Proben für die Antidotum Airshow, die an diesem Wochenende am Flughafen Leszno-Strzyzewice (EPLS) stattfand. Die Bronco landete demnach aus noch ungeklärten Gründen mit eingefahrenem Fahrwerk und erlitt dabei erhebliche Schäden. Der Pilot wurde verschiedenen Quellen zufolge sicherheitshalber ins Krankenhaus gebracht.

Aufklärer und Forward Air Controller

Die Bronco entstand Mitte der 1960er Jahre aus der Erkenntnis, dass den Bird Dogs und Skymasters, beide aus zivilen Cessna-Mustern entwickelte Aufklärungs- und Unterstützungsflugzeuge, im Koreakrieg ihre Grenzen aufgezeigt wurden. Stattdessen verlangte die Truppe nach einem leichten bewaffneten Muster, das sich für Aufklärung, Aufstandsbekämpfung, Luftnahunterstützung und Transporteinsätze eignen und dabei Vorteile von Hubschraubern und Flugzeugen bieten sollte. Eine Geschwindigkeit von bis zu 560 km/h war ebenso gefordert wie eine stark belastbare Zelle für Manöver unter hohen g-Lasten sowie Kurzstart- und -Landefähigkeit.

Der Erstflug der Bronco – der Name steht für ein bockendes Pferd und wurde dem Flugzeug von Crews verpasst, die es übertrieben hatten und von den mitunter kapriziösen Reaktionen der OV-10 überrascht worden waren – erfolgte im Juli 1965. Bis 1976 wurden gut 350 Exemplare produziert und von den USA und verschiedenen anderen Armeen, auch der Bundeswehr, eingesetzt. Die letzten Broncos flogen bis 2025 für die philippinische Luftwaffe.

Crash-Bronco flog einst für die Luftwaffe

Die F-AZKM, die in Leszno verunglückte, stand bei der Bundeswehr als Zielschleppflugzeug im Dienst und trug seinerzeit zur Erhöhung der Geschwindigkeit ein zusätzliches Turbojet-Triebwerk auf dem Rumpfrücken. Nach seiner Ausmusterung kam das Flugzeug über eine Städtepartnerschaft ins französische Montelimar zur Sammlung des European Fighter Museum, von wo aus es seit 1997 immer wieder zu Airshows aufbrach, zumeist pilotiert von Jean-Luc "Chuck" Beyrie.

Patrick Holland-Moritz

"Was die Display-Flüge angeht, ist sie sehr einfach zu fliegen, da sie überaus wendig ist", sagte Beyrie einst dem Onlineportal European Airshows. "Man sollte sich aber auf schräge und horizontale Flugmanöver beschränken, denn sobald man einen klassischen Loop in der Vertikalen fliegt, verliert die Bronco viel Energie, die man aufgrund des Flügelprofils nur schwer wieder zurückgewinnt." Allzu harte Manöver verbieten sich Beyrie und seine Crew heute, denn die OV-10 ist ihrer Meinung nach inzwischen Teil des Luftfahrt-Kulturerbes, das man schonend behandeln sollte. Dass die Vorführung trotzdem spektakulär aussieht, klingt und riecht, da dürften die Hahnweide-Besucher zustimmen. 

Fazit