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Patrick Holland-Moritz

GA in Zahlen

Viel Licht und etwas Schatten

Mehr Kolbenmotor-Flugzeugen und mehr Business Jets steht ein Minus bei den Turboprops und den Helikoptern gegenüber: So lassen sich die GAMA-Zahlen für 2019 zusammenfassen. Welchen Wert sie angesichts der Corona-Krise haben, ist offen.

Der jährliche Report der GAMA (General Aviation Manufacturers Association) ist so etwas wie das Medical für die Allgemeine Luftfahrt. Die Statistik umfasst Auslieferungen und Umsätze von und mit Flugzeugen und Helikoptern weltweit – und vermittelt diesmal ein überwiegend positives Bild über das Befinden der Branche. Im vergangenen Jahr erreichten die gesamten Auslieferungen einen Wert von 26,8 Milliarden US-Dollar, ein Anstieg gegenüber 24,3 Milliarden Dollar im Jahr 2018. Die Auslieferungen von Flugzeugen mit Kolbenmotoren verzeichneten mit 16,2 Prozent das größte Wachstum unter allen Segmenten. Business Jets verkauften sich so gut wie seit Langem nicht mehr. Ein Minus meldet die Herstellervereinigung dagegen beim Geschäft mit Turboprops und Helikoptern. "Die Zahlen für 2019 zeigen, dass die Hersteller der Allgemeinen Luftfahrt insgesamt dynamisch sind, obwohl wir im Drehflüglersektor Gegenwind haben", sagte Pete Bunce, President und CEO der GAMA.

Zugleich offenbart der Bericht Daten über die wirtschaftliche Dimension der General Aviation. 440 000 Fluggeräte der Allgemeinen Luftfahrt sind demnach weltweit registriert, vom zweisitzigen Trainer über Hubschrauber bis zum Business Jet. Spitzenreiter sind die Vereinigten Staaten mit 211 000 Fluggeräten, während Europa auf 133 000 kommt. Für die USA beziffert die GAMA die Bedeutung der Allgemeinen Luftfahrt auf 1,2 Millionen Arbeitsplätze und eine Wirtschaftskraft in Höhe von 247 Milliarden US-Dollar. Bei den Auslieferungen neuer Flugzeuge ist Nordamerika in allen Segmenten weltweit führend.

Lars Reinhold

Branchenweit gab es im vergangenen Jahr vor allem zwei Gewinner: Cirrus Aircraft und Piper Aircraft. Cirrus hat als weltgrößter Hersteller in der Allgemeinen Luftfahrt, gemessen an den Stückzahlen, erneut ein Plus erzielt. 443 ausgelieferten Flugzeugen im Jahr 2018 stehen 465 im Jahr 2019 gegenüber. Vor allem der Anfang 2019 aktualisierte Vision Jet war bei den Kunden beliebt: 81 Exemplare des Personal Jets wurden ausgeliefert, 18 mehr als im Vorjahr, was einen Anstieg von knapp 30 Prozent bedeutet. Weltweit fliegen aktuell mehr als 170 des 2016 erstmals ausgelieferten SF50 Vision Jets. Auch das Geschäft mit Kolben-Einmots läuft bestens: 384 Kunden haben sich für ein Kind der SR-Familie entschieden.

Piper Aircraft meldet einen Anstieg von 229 auf 290 Auslieferungen, also plus 27 Prozent. Zugpferde waren die Trainer PA-28 Archer und die zweimotorige Seminole. 182 Piper PA-28-181 Archer III verließen das Werk in Vero Beach, Florida – 75 mehr als im Vorjahr. Die PA-44-180 Seminole verkaufte sich 40 Mal. Piper meldet die Auslieferung von insgesamt 246 Flugzeugen mit Kolbenmotor. Einen Rückgang von 56 auf 44 verzeichnet der Hersteller bei seinen Turboprops. Die Er­klärung sei die Umstellung der Produktion auf die neue M600/SLS mit Garmin Autoland. Bis Ende des Jahres wurden 20 M500 und 24 M600 an ihre neuen Besitzer übergeben. 29 Prozent der Flugzeuge lieferte Piper in Länder außerhalb Nordamerikas aus.

In Europa spielt vor allem Diamond Aircraft in einer Liga mit den Platzhirschen aus den USA: 233 Flugzeuge wurden in Wiener Neustadt gebaut, darunter 126 einmotorige DA40. Unter den deutschen Herstellern meldet Flight Design 63 Auslieferungen. Extra Aircraft aus Dinslaken ist mit 25 Stück in der Statistik vertreten.

Die von der GAMA registrierte Schwäche bei den Turboprops bestätigt sich beim Blick auf die einzelnen Hersteller. Bei Textron beispielsweise blieben die Verkäufe der Beechcraft King Air mit 93 (2018: 94) weitgehend stabil, allerdings gingen die Stückzahlen bei der Cessna Caravan und Grand Caravan von 92 auf 83 zurück. Einen kleinen Dämpfer musste auch der französische Hersteller Daher einstecken, dessen Auslieferungen der TBM 910, 930 und 940 von 50 auf 48 zurückgingen. Die im vergangenen Jahr übernommene Quest Kodiak 100 fand 20 Abnehmer (2018: 23). Rund lief es hingegen für Pilatus. Die Schweizer verkauften 83 PC-12 und somit drei mehr als im Jahr zuvor. Im Oktober hatte Pilatus auf der NBAA-BACE das aufgewertete Modell PC-12 NGX vorgestellt.

Lars Reinhold

Ein positives Bild zeichnet sich bei den Business Jets ab, die seit der Finanzkrise um das Jahr 2008 bis heute nicht mehr zu alter Stärke zurückgefunden haben. Das Jahr 2019 brachte ein sattes Plus von 703 auf 809 ausgelieferte Flugzeuge. Spitzenreiter mit 206 Auslieferungen ist Textron Aviation mit der Citation-Familie. Einmal mehr ist die Citation Latitude mit 58 Verkäufen führend, während das im September 2019 zugelassene Cessna-Topmodell Longitude 13 Abnehmer fand. Platz zwei geht an Gulfstream mit 147 Auslieferungen, gefolgt von Bombardier mit 142. Embraer konnte sein Ergebnis von 91 Auslieferungen 2018 auf 109 im vergangenen Jahr steigern. Am beliebtesten war dort erneut der Langzeit-Bestseller Phenom 300 E mit 51 Exemplaren. Die Honda Aircraft Company meldet mit dem HondaJet ein stabiles Geschäft mit 36 Verkäufen. Bei den europäischen Herstellern lieferte Pilatus 40 PC-24, von dem nun rund 60 im Einsatz sind. Gleichauf bei den Stückzahlen ist Dassault aus Frankreich.

Auf dem Hubschraubermarkt zeichnet sich ein stark rückläufiges Bild ab. Marktführer ist Airbus Helicopters mit 300 Auslieferungen, 23 weniger als im Jahr zuvor. Platz zwei geht an Bell Helicopter (242), gefolgt von Robinson (196). Dabei erlitt Robinson einen besonders dramatischen Einbruch: Nur noch 123 R44 mit Kolbenmotor wurden verkauft gegenüber 209 im Jahr 2018. Auch das Geschäft mit R22 (19) und dem Turbinenmuster R66 (54) brach ein.

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