Sanierungsstau: Haus der Luftsportjugend braucht Hilfe

Haus der Luftsportjugend
Hilferuf aus Laucha

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.07.2026
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Wenn bei rund 350 Metern das Seil aus der Kupplung klickt, bietet sich dem Segelflieger das Panorama der Weite vor dem Dorndorfer Plateu. Felder, kleine Waldstücken und Ortschaften, so weit das Auge blicken kann. Unter den Flächen die Unstrut, direkt an der Hangkante das trotz seines seit langem auf Lost-Place-Niveau rangierenden Zustandes noch immer beeindruckende Gebäude der ehemaligen Reichssegelflugschule. Und dahinter die einst für die Zivilverteidigung der DDR errichteten Gebäude, die heute das Haus der Luftsportjugend, kurz HdLSJ, beherbergen.

Jahrelang von der Substanz gelebt

Dass es viel zu tun gibt, das weiß man vor Ort nicht erst seit gestern, und jedem Besucher offenbart sich der Investitionsbedarf bei einem Rundgang, auch wenn er sich noch so sehr am Zonen-Charme der Anlage erfreuen mag. Über viele Jahre hat das Team des HdLSJ aus wenig Substanz das Maximum herausgeholt, hat hier Flugbetrieb organisiert, Flugschüler, Fluglehrer und technische Personal ausgebildet, Bildungszeitangebote gemacht und Vereinen die Möglichkeit für Fluglager gegeben. 400 Flugbetriebsteilnehmer zählt man in Laucha im Schnitt pro Jahr, die rund 8000 Windenstarts plus 2000 F-Schlepps bzw. TMG-Flüge absolvieren.

In der Nebensaison von Ende November bis Anfang März hieß es für die wenigen hauptamtlichen Mitarbeiter, autodidaktisch umzuschulen auf die Gewerke, die es braucht, um all das instand zu halten: sprich Maurer, Betonbauer, Elektriker, Gas-Wasser-Installateure oder Tischler. Dass hier Fluglehrer mit dem Kernbohrgerät Wände bearbeiten, um Rohrleitungen neu zu verlegen, oder Maurerkelle und Farbroller schwingen, das gehörte einfach dazu. So hat man die insgesamt sechs Gebäude – drei mit Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste, den fast 100 Jahre alten Speisesaal sowie das Verwaltungs- und Werkstattgebäude und eine Garagenkomplex über die Jahre gerettet.

Keine Provisorien mehr

"Wir sind jetzt aber an einem Punkt angekommen, an dem Improvisation nichts mehr bringt", sagt Martin Löhne, Ausbildungsleiter und einige Jahre im Vorstand des Vereins Haus der Luftsportjugend. Ausgangspunkt des Erkenntnisprozesses war eine Brandschutzschau im Jahr 2024, bei der insbesondere die in die Jahre gekommene Elektroinstallation beanstandet wurde. "Es hieß, es sei zwar alles sicher, aber perspektivisch nicht mehr prüffähig", so Löhne. Was gemeint ist, offenbart sich bei einem Rundgang. Sicherungs- und Verteilerkästen aus den 70er Jahren, genauso alte Leitungen, vielfach noch klassische Schraubsicherungen. "Es muss einfach komplett erneuert werden, das geht bis hin zum Hausanschluss."

Lars Reinhold

Allerdings, daraus macht Martin Löhne keinen Hehl, wird es bei der Elektroinstallation nicht bleiben. Die Rohrleitungen für Wasser und Heizung sind genauso alt wie die Kabel in den Wänden, immer wieder kommt es zu Lecks. Die Heizungsanlage war schon in die Jahre gekommen, als sie in Laucha installiert wurde, denn eigentlich waren die ZV-Gebäude nur als Übergangslösung gedacht. "Ursprünglich sollte die ehemalig Reichssegelflugschule unser Domizil werden, aber das wäre überhaupt nicht zu finanzieren gewesen. So haben wir mit der Übergangslösung 30 Jahre gelebt."

Die größte Akut-Baustelle – die undichten Dächer – hat der Verein durch die Verpachtung der Flächen für Solaranlagenbetreiber schon weitgehend in den Griff bekommen, denn die Pächter haben sich vor der Installation der PV-Module um die Sanierung gekümmert. Alles andere steht jetzt an. "Klar könnten wir uns zunächst der Elektrik widmen und hoffen, dass alles andere irgendwie weiter funktioniert. Aber das nächste Problem ist halt schon absehbar."

Der Bedarf: 500.000 Euro

Aus diesem Grund muss der Trägerverein umfassend sanieren, sprich Elektrik, Heizung, Wasser und zudem energetische Aufwertung, also Dämmung der Gebäude. Die finanzielle Größenordnung liegt bei rund einer halben Million Euro. Geld, das der Verein aus seinem Betrieb nicht annähernd erwirtschaften kann, und das auch der Förderverein, der das Haus der Luftsportjugend unterstützt, nicht aufbringt.

Intensive Gespräche mit der Lokalpolitik zeigen erste Wirkung, potenziell ließen sich für den Kraftakt wohl öffentliche Mittel einwerben. Dennoch bleibt ein erheblicher Eigenanteil zu stemmen. "Die bauliche Grundsubstanz ist gut, aber wir müssen modernisieren", sagt Martin Löhne und fügt schmunzelnd hinzu, dass mit der ganzen Diskussion um die Zukunft des Standortes auch kuriose Dinge ans Tageslicht gekommen seien. "Seit das Haus der Luftsportjugend hierhergekommen ist, hat es nie eine Baunutzungsänderung gegeben. Auf dem Papier sind wir immer noch eine Schule der Zivilverteidigung. Noch witziger ist es beim Gebäude, dass der Luftsportverein nutzt. Das ist in den Amtsdokumenten noch immer als Dienstsitz des Leiters der Reichssegelflugschule registriert."

Das Team hat also eine Herkulesaufgabe vor sich, um nicht nur die Bauten, sondern auch die Papierlage zu aktualisieren.

Fliegen, Urlaub machen, spenden

Um das Haus der Luftsportjugend zu unterstützen, gibt es einige Möglichkeiten. "Das Wichtigste: kommt her und fliegt bei uns, macht hier Ausbildung, Fliegerlager, Bildungsurlaub oder einfach nur Urlaub. Schon das hilft uns", sagt Löhne. Tatsächlich bieten sich in Laucha für alle Piloten vom Schüler über den Streckenjäger bis zum Segelkunstflieger alle Möglichkeiten. Gut organisierter Flug- und Schulbetrieb, eine Flotte aus zwei ASK 13, zwei ASK 21, drei LS4 und einem Falken, gastronomische Versorgung mit eigener Küche, die selbst täglich frisch kocht und dazu Übernachtungsmöglichkeiten für Camper oder direkt in den Gebäuden – wobei letztere mit Preisen zwischen 39 und 59 Euro inklusive Frühstück unverschämt günstig sind.

Lars Reinhold

Alternativ bietet die Mitgliedschaft in der Interessengemeinschaft Haus der Luftsportjugend ab einem Euro monatlich die Möglichkeit, den Betrieb in Laucha zu fördern. Schließlich freut sich das Haus der Luftsportjugend über Spenden. "Ohne die Unterstützung der Community geht es nicht", sagt Martin Löhne. "Wir leisten im Haus der Luftsportjugend gesellschaftspolitische Arbeit, die weit über die fliegerische Ausbildung hinausgeht", ergänzt Markus Neumeister, Vorsitzender des Trägervereins des HdLSJ. "Wir vermitteln nicht nur Stick-and-Rudder-Skills, sondern auch wichtige Kompetenzen für das Miteinander, denn nicht jeder junge Mensch, der hierher kommt, um das Fliegen zu lernen, bringe das von Haus aus mit."

Fazit