ForeFlight auf der Aero 2026: Wie weit reicht die Plattform für Europa?

ForeFlight auf der Aero 2026
Wie weit reicht die Plattform für Europa?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 23.04.2026
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Wie weit reicht die Plattform für Europa?
Foto: Michael Rassinger

Am Stand von ForeFlight läuft die App auf großformatigen iPads, und genau dort zeigt sie ihre Stärke. Moving Map, Routenplanung, Wetterintegration und Flugplatzinfos greifen flüssig ineinander, die kartenzentrierte Oberfläche wirkt aufgeräumt und durchdacht. Im Gespräch mit dem Softwareanbieter wird deutlich, dass Europa nicht mehr als Nebenschauplatz, sondern als gezielter Wachstumsmarkt betrachtet wird.

Was am Stand allerdings auch auffällt: Die Informationsdichte, die ForeFlight auf einem 12,9-Zoll-Display ausspielen kann, schmilzt auf kleineren Geräten spürbar zusammen. Auf einem iPhone bleibt die volle Funktionalität erhalten, der große Überblick jedoch nicht. Wer die Plattform als integriertes Planungs- und Navigationswerkzeug nutzen will, kommt um ein iPad mit Halterung im Cockpit kaum herum.

Logbuch, Karten, FLARM: Was für Europa dazugekommen ist

Zu den wichtigsten Erweiterungen für europäische Nutzer zählt das EASA-konforme Logbuch mit Recency-Tracking und FCL.050-Export. Die Currency-Übersicht bündelt Passagier-Recency, IFR Currency, Medical und Sprachkenntnisse auf einen Blick: hilfreich für die eigene Fristenverwaltung, die sonst gern in Tabellenkalkulationen oder auf Zetteln endet.

Beim Kartenmaterial lassen sich VFR-Verfahrenskarten, VFR-ICAO-Karten und AIPs als Add-on hinzubuchen. FLARM-Verkehr kann über eine separate Lizenz aus einem Sentry Plus oder SkyEcho 2 in die Kartenansicht eingebunden werden. Hinzu kommen die Debrief-Funktion mit Track-Log-Analyse, Höhenprofil und teilbaren Flugauswertungen sowie individuell anpassbare Wegpunktsymbole und alternative Flughäfen direkt in der Kartenansicht.

Drei Tarife, eine Region inklusive

ForeFlight staffelt sein Angebot in drei Jahresabos (Preise ohne MwSt.):

  • Starter (117 €/Jahr): Flugplanung, Navigation, Logbuch
  • Essential (235 €/Jahr): Zusätzlich Hazard Awareness, Profilansicht, georeferenzierte Verfahrenskarten und IFR-Grundfunktionen
  • Premium (350 €/Jahr): Forecast-Visualisierung in Profil und 3D, Weight & Balance, Performance-Berechnung für Kolbenflugzeuge, 3D-Flugplätze und Turboprop-/Jet-Planungsfunktionen

Jedes Abo enthält eine Region, etwa Europa. Jede weitere kostet 99 Euro. Genutzt werden kann die Lizenz gleichzeitig auf bis zu zwei iPads und einem iPhone oder einem iPad und zwei iPhones.

Emergency Glide Mode: Erreichbare Plätze auf einen Blick
In allen Tarifen enthalten und für Einmot-Piloten besonders relevant: der Emergency Glide Mode. Bei Aktivierung reduziert er die Kartenansicht auf das Wesentliche und zeigt ausschließlich erreichbare Landeplätze, priorisiert nach Bahnlänge, Wetter und geschätzter Ankunftshöhe über Grund. Im Ernstfall spart das die Sekunden, die sonst für das Durchblättern von Karten oder hektisches Funken draufgehen.

Dynamic Procedures: IFR-Tiefe kommt 2026

Für IFR-Piloten die wohl interessanteste Ankündigung: Dynamic Procedures soll voraussichtlich im Laufe von 2026 auch für Europa verfügbar werden. Das Feature bündelt Frequenzen, Endanflugkurs, Mindesthöhen, Segmentdaten und relevante NOTAMs in einer interaktiven Sidebar, kontextbezogen für das jeweils gewählte Verfahren. In den USA und Kanada ist die Funktion bereits im Einsatz und ab dem Essential-Tarif integriert.

Gerade im Single-Pilot-IFR könnte das ein spürbarer Zugewinn werden, weil Briefing und Verfahrensführung nicht mehr zwischen verschiedenen Kartenseiten und Dokumenten zusammengesucht werden müssen. Bis dahin bietet ForeFlight für den europäischen IFR-Betrieb georeferenzierte Verfahrenskarten, Profilansichten und erweiterte Planungsfunktionen: solide, aber noch ohne die Integrationstiefe, die Dynamic Procedures verspricht.

Apple-exklusiv: Bewusste Entscheidung, klare Einschränkung

ForeFlight läuft seit dem ersten Tag ausschließlich auf Apple-Geräten. Der Anbieter begründet das mit der standardisierten Hardware-Software-Architektur von Apple: eine Codebasis, ein Testumfeld, monatliche Updates. Funktionen wie 3D-Flugplatzansicht und Synthetic Vision nutzen Apples Grafik-Schnittstelle Metal, die eng auf die eigene Hardware abgestimmt ist. Die Fragmentierung der Android-Welt (unterschiedliche OS-Versionen, herstellerspezifische Anpassungen, variierende Hardware) mache eine gleichwertige Entwicklung aus Sicht von ForeFlight unwirtschaftlich. Für Piloten ohne Apple-Geräte bleibt ForeFlight damit keine Option.

Fazit