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Motorflug

Kunstflugzeug ohne Kompromisse: XtremeAir XA41/42

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Ist Leidenschaft im Spiel, bleibt kein Raum für Kompromisse: Die Vision von XtremeAir war es, mit einem Kunstflugzeug neue Maßstäbe zu setzen. Leicht, robust und schön sollte es sein, ein Flugzeug, das sowohl den Piloten im Cockpit als auch die Zuschauer am Boden verzaubern würde. Mit ihrer wahnwitzigen Rollrate wird die XA42 dem Firmenmotto „no limits“ durchaus gerecht. Werkspilot Bastien Le Roux nimmt den aerokurier mit auf eine Entdeckungstour durch die Produktionsstätte in Magdeburg-Cochstedt.

Dass Bastien Le Roux noch immer in Richtung Kamera grinst, ist für den Otto-Normal-Piloten kaum nachvollziehbar. Einen Wimpernschlag zuvor hat er die XA42 mit 570 Grad pro Sekunde um ihre Längsachse rotieren lassen – da kann selbst kunstflugerprobten Gestalten schon bei der Vorstellung schwindelig werden. Der aus Frankreich stammende Werkspilot und Ingenieur von XtremeAir kennt das schnittige Kunstflugzeug bis ins kleinste Detail und weiß, wie er es handhaben muss.

Start und Landung setzen Spornrad-erfahrung voraus. Erreicht die D-ETXA eine Geschwindigkeit von 30 Knoten, wird das mächtige Seitenruder stark genug umströmt, um die Maschine auf Kurs zu halten, und durch leichtes Nachdrücken des Knüppels hebt sich der Sporn. Bei 75 Knoten rotiert sie, und mit 90 Knoten geht es schließlich in den Steigflug. Für das Kunstflugzeug ist eine Seitenwindkomponente von bis zu 25 Knoten nachgewiesen – was jedoch eine entsprechende Erfahrung seitens des Piloten voraussetzt.

Ein 315 PS starker Lycoming AEIO-580-B1A treibt die XA42 an. Aufgrund der geringen Masse des Flugzeugs reicht die Leistung der sechs Zylinder vollkommen aus, um auch mit der deutlich stärker motorisierten Konkurrenz mitzuhalten. Je nach Klasse und Beladung variiert das Lastvielfache bis zu unlimitierten Kunstflugmanövern mit +/- 10 g. Aber nicht nur im Kunstflug hinterlässt das Flugzeug einen bleibenden Eindruck: Im Reiseflug reicht der Tankinhalt für Distanzen von rund 1000 nautischen Meilen. Bei 45 Prozent Leistung – das macht in 4000 Fuß Höhe 167 Knoten True Airspeed – genehmigt sich der Sechsender 37 Liter Avgas pro Stunde. Das Leergewicht liegt bei 630 Kilogramm, und das maximale Abflug-gewicht wurde auf 999 Kilogramm limitiert – der günstigeren Landegebühr wegen.

Im Cockpit wird serienmäßig das SAI-340 mit integriertem Angle of Attack Indicator verbaut, eine Ausstattung, die den Kunstflug äußerst angenehm gestaltet. Damit gehören die ständig auslaufenden mechanischen Kreisel der Vergangenheit an. Das SAI-340 ist ein 4-in-1-Instrument; es macht Angaben zu Geschwindigkeit, Höhe, Lage und Schiebezustand, verfügt über eine eigene Notstromversorgung und lässt sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesen. In dieser Kombination eignet sich der sportliche Flieger auch für Upset-Recovery-Trainings für Linien- und Privatpiloten.

Kundenwünschen kommt man beispielsweise mit individueller Lackierung, Lederausstattung oder besonderen Avionikoptionen nach. Stolz sind die Designer auch darauf, dass die XA42 in nur zwei Stunden für den Transport zerlegt oder wieder aufgerüstet werden kann. Das spart Zeit und macht die Maschine insbesondere für Wettbewerbspiloten interessant.

Innovativste Herstellungstechnologien

Die Historie des Flugzeugs beginnt mit der Sbach 3000, die von einer kleinen Gruppe ehrgeiziger Ingenieure und Piloten in nur viereinhalb Monaten entwickelt wurde. Die Urkonstruktion geht auf Philipp Steinbach, Albert Mylius und Bernhard Hinz zurück. Steinbach, der einst für Walter Extra arbeitete, verwirklichte mit dem Design seine Erfahrungen als erfolgreicher Wettbewerbskunstflieger. Um die ambitionierte Idee zu realisieren, überzeugte er Investor Harro Moewes von dem Projekt. Dem erfahrenen Geschäftsmann Moewes ist es zu verdanken, dass das Flugzeug als XA41 in vielen Ländern zugelassen wurde. Der Zweisitzer XA42 ist die logische Weiterentwicklung.

Doch seit dem Urentwurf hat sich viel getan. Das Kunstflugzeug ist agiler geworden – die zu Beginn erwähnte Rollrate von 570 Grad spricht für sich –, und das Cockpit zeichnet sich durch modernes Design aus. Am Boden lässt sich die XA42 aufgrund der geänderten Fahrwerkskonstruktion besser steuern: Das Spornrad wird bei gezogenem Knüppel automatisch verriegelt, und auch die Radbremsen – nun auf beiden Plätzen – tragen zur besseren Manövrierbarkeit bei.

Jüngst brachte das Unternehmen die zweisitzige XA42 mit einem Single Canopy auf den Markt. Gewichtsersparnis und weniger Luftwiderstand bei gleichzeitigem Einsitzerfeeling und verbesserter Referenzlage für den Piloten sind die Vorteile. Die Haube kann mit wenigen Handgriffen gegen die Doppelsitzerhaube getauscht werden. Bastien Le Roux hat mit der Single-XA42 jüngst die Offenen Meisterschaften in Frankreich gewonnen, bei der Deutschen Meisterschaft erflog er außer Konkurrenz die meisten Punkte.

Die Leistungen kommen nicht von ungefähr, setzt XtremeAir doch auf innovativste Herstellungstechnologien. Im Gegensatz zur herkömmlichen Gemischtbauweise wird die Coch-stedter Maschine komplett in selbsttragender Kohlefaser-Verbundbauweise als Monocoque gefertigt. Der Werkstoff zeichnet sich vor allem durch geringes Gewicht bei gleichzeitiger extremer Festigkeit aus. Der komplette Rumpf wiegt im Rohbau 58 Kilogramm bei weitgehender Ermüdungsfreiheit und wesentlich höherer Stabilität gegenüber geschweißten Stahlrohren. Der dafür notwendige hohe Qualitätsstandard wird durch speziell geschultes Personal und modernste Produktionstechnik gewährleistet. Zwei Jahre Erfahrung im Umgang mit nichttragenden Teilen wird von einem Mitarbeiter verlangt, ehe er tragende Komponenten fertigen darf.

Die Leidenschaft für das Fliegen ist in Cochstedt deutlich spürbar. Die 45 Mitarbeiter der Firma, die heute zu einem chinesischen Konsortium gehört, sind ein eingespieltes und motiviertes Team; viele von ihnen sind mit dem Produkt groß geworden – auch COO Steffen Zweigle, der sich bereits als Student für das Design begeisterte. Dementsprechend sieht auch das Ergebnis aus: perfekte Verarbeitung vom kleinsten Bauteil bis zum edlen High-End-Finish.

Die Vorzüge des Flugzeugs machen sich im Vertrieb bemerkbar: Laut XtremeAir verkauft sich die XA42 vorwiegend über Erfolge bei Wettbewerben und entsprechende Mundpropaganda. Aktuell laufen Verhandlungen mit Formationsteams, die ihre Flugzeuge gegen eine neue, leistungsstärkere Generation austauschen wollen. Das Flying Bulls Aerobatics Team oder das Red Bull Matadors Aerobatic Team fliegen bereits die Rakete aus Cochstedt. Doch Qualität hat ihren Preis: 349 000 Euro kostet die Basisversion ab Werk. Die EASA, die FAA, Südafrika und China haben die XA42 bereits zertifiziert.

Daten: XA41/42

XtremeAir XA41/42

Leistung

VNE: 225 kts
VS: 52 kts
VX: 78 kts
VY: 90 kts
VNO: 185 kts
VA: 174 kts
VS: 52 kts
Dienstgipfelhöhe: 15 000 ft

Dimensionen

Länge:6670 mm
Radstand:4425 mm
Spannweite: 7500 mm
Flügelfläche: 11,25 m2

Limitierungen

Leergewicht: 630 kg
MTOW: Acro II: 999 kg; Acro III: 850 kg
Positive Belastungsgrenze: Acro II: + 4,4 g;  Acro III: + 10 g
Negative Belastungsgrenze: Acro II: - 2 g; Acro III: - 10 g

aerokurier Ausgabe 05/2017

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