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Drei Tage, drei Inseln: Fliegerurlaub an der Nordsee

Drei Tage, drei Inseln Fliegerurlaub an der Nordsee

Geburtstag feiern im Jahr 2020? Das kann ein eher schwieriges Unterfangen werden. aerokurier-Leser Jonas Becker hatte jedoch eine Idee: Warum nicht mit dem Flugzeug an die Nordsee? Eine Geschichte über ein unvergessliches Fliegerwochenende.

Der 22. Geburtstag naht – doch Corona war schon vorher da. Klar, groß Feiern ist in dem Fall eher nicht drin. Aber irgendwas wird man doch im kleinen Rahmen machen können?! Etwas, das wenig Kontakt mit anderen beinhaltet und doch etwas Besonderes ist. So wuchs die Idee, im kleinen Kreis per Flugzeug die Nordseeküste unsicher zu machen. Zusammen mit sechs Freunden vom Flugplatz Oerlinghausen, allesamt beim Segelfliegen kennengelernt, formten sich konkrete Pläne. Denn: Auch wenn die Ostfriesichen Inseln von Oerlinghausen in etwa einer Stunde zu erreichen sind, so ist es dennoch immer ein Highlight, sie aus der Luft zu sehen.

Déjà-vu, diesmal mit mehr PS

Wir waren vor zwei Jahren schonmal mit drei Falken auf Langeoog, doch dieses Jahr sollte es ein Upgrade zu den "Geschwindigkeitswundern” geben. Mit einer DR400 und einer historischen Cessna 172 aus dem Jahr 1959 ging es an einem sonnigen Freitagmorgen los. Wir waren insgesamt sieben junge Piloten auf dem Weg nach Wilhelmshaven.

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Sieben Freunde auf Norderney: Gruppenfoto nach der Landung auf der zweitgrößten ostfriesischen Insel.

Besuch bei den Offshore-Fliegern

Wilhelmshaven? Richtig, dort hatten wir uns ein Ferienhaus gemietet, um bei schlechtem Wetter auch ohne Flugzeug sicher ans Ziel zu kommen. Pünktlich um 12 Uhr mittags angekommen, erwartete uns auch schon das erste Highlight: eine Führung bei Wiking Helicopters. Neben einem Einblick in den Hangar inklusive Sitzprobe in einer H145 erhielten wir auch interessante Einblicke in die Arbeitsabläufe einer etwas anderen Fluggesellschaft, deren Ziele vornehmlich in Offshore-Windparks liegen.

Windige Landung

Nach dem Essen in Wilhelmshaven waren wir dann alle gespannt auf unser Ferienhaus. Im nahgelegenen Varel erwartete uns ein Bauernhaus, in dem wir zu siebt reichlich Platz hatten. Nach einem genüsslichen Frühstück am nächsten Morgen ging es auf die östlichste der sieben Inseln, Wangerooge. Es war recht windig an diesem Samstag und so hatten die Piloten bei der Landung einiges zu tun. Das windige Wetter sollte uns aber nicht davon abhalten, auf unserem Weg die Nordsee zu bestaunen und uns vom uns zu Füßen liegenden Panorama verzaubern zu lassen.

Frisbee in Wangerooge, essen in Varel

Nach einem leckeren Stopp im Cafe Pudding ging es an den Strand. Einer von uns traute sich sogar in die Wellen, auch wenn die Wassertemperatur nur bedingt dazu einlud, während sich die anderen bei stürmischem Westwind mit Frisbee und Ball vergnügten. Wir wollten jedoch nicht allzu spät wieder in Wilhelmshaven ankommen. Deshalb traten wir den kurzen Rückweg gegen 17 Uhr an und ließen den Tag nach dem Abendessen in Varel gemütlich ausklingen.

Heimweg mit Inselhüpfern

Am Sonntag mussten wir dann unsere wenigen Sachen wieder aus dem Haus räumen und die Flieger beladen. Vollbepackt und mit ausreichend Sprit für den Weg nach Hause ging es morgens gen Westen, auf die Insel Norderney. Der Flug führte uns über den alten Militärflugplatz Jever und entlang des Fliegerhorsts Wittmund, wo die Eurofighter des Taktischen Luftwaffengeschwaders 71 stationiert sind.

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Soeben auf Wangerooge gelandet: Erstmal zum Frisbeespielen an den Strand.

Fußmarsch statt Fahrrad

Angekommen auf der zweitgrößten der ostfriesischen Inseln, ging es nach dem Verzurren der Flugzeuge direkt ins Strandrestaurant. Auch wenn der Ausflug in die Stadt ausfallen musste, da alle Fahrräder weit und breit an diesem Tag bereits verliehen waren, tat dies der Stimmung keinen Abbruch. Beim langen Fußmarsch über die Insel zeigte sich Norderney von seiner schönsten Seite und der eigentlich stürmische Wind war zwischen den Dünen nur noch ein laues Lüftchen. Dort konnten wir uns alle stärken und typisch ostfriesisch essen. Natürlich verließen wir Norderney nicht, ohne einmal den Strand bestaunt zu haben und den Containerschiffen vor der deutschen Küste hinterherzuschauen.

Juist muss mit!

Da uns zwei Inseln an drei Tagen nicht reichten und Juist nur einen Katzensprung entfernt liegt, ging es am frühen Nachmittag noch kurz zu der Insel mit dem gefühlt endlosen Sandstrand. Dort angekommen, haben wir uns mit einer leckeren Pizza gestärkt. Da es schon spät war, reichte die Zeit nicht mehr, um die Insel in Gänze zu erkunden. Doch den beeindruckenden Ausblick über die Dünen ließen wir uns nicht nehmen! Mehr oder weniger allein am kilometerlangen Strand zwischen den Prielen herlaufen: Allein dafür hatte sich der Ausflug schon gelohnt!

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Letzter Blick auf Juist, bevor es wieder nach Hause geht.

Letzte Etappe

Zurück am Flugplatz von Juist folgte noch eine Stärkung im dortigen Restaurant mit Blick auf den Flugbetrieb. Einige Inselflieger aus Norden-Norddeich später machten auch wir uns dann für den Rückflug in die Heimat fertig. Noch einmal der Platzrunde folgen, den Sandstrand, die Dünen und das Meer bestaunen und dann Kurs Oerlinghausen.

Es bleibt die Erinnerung

Für unseren Rückflug zeigte sich das Wetter nochmal von seiner besten Seite und bot uns ruhige Luft und fantastische Sicht. Nach etwa 70 Minuten Flugzeit, vorbei an Emden, Dümmer und Großem Meer, tat sich schnell wieder das Weser-Bergland vor uns auf. Ein klares Zeichen dafür, so langsam mit der Anflugvorbereitung zu beginnen. Nachdem beide Flugzeuge sicher in Oerlinghausen und Bielefeld gelandet und wieder auf Hochglanz gebracht waren, trat dann auch sichtlich die Erschöpfung bei allen ein. Drei Tage an denen viel passiert ist und an die wir uns alle sehr gerne zurückerinnern werden!