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Airbus E-Fan gegen Cri-Cri

Elektro-Rennen über dem Kanal

E-Flugzeuge nähern sich der Alltagstauglichkeit. Anfang Juli 2015 flogen gleich zwei Elektroflugzeuge über den Ärmelkanal. Ein drittes wurde durch die Intervention des Motorenherstellers quasi in letzter Minute gestoppt.

Am 10. Juli 2015 fand ein Krimi mit industriepolitischer Dimension sein Ende. Das Elektroflugzeug E-Fan der Airbus-Tochter Voltair landete nach erfolgreicher Kanalüberquerung auf dem Flugplatz Calais. Der Flug hatte 36 Minuten gedauert und wurde vom Testpiloten Didier Esteyne durchgeführt. Esteyne war in Lydd in England gestartet und hatte eine 74 Kilometer lange Flugstrecke für seinen Flug gewählt. In Calais wurde er nach der Landung von Jean Botti, dem Chief Technology Officer der Airbus Group, und einer großen Zahl von Journalisten begrüßt.

Airbus wollte mit dem Flug auch einen historischen Bogen zum Luftfahrtpionier Louis Blériot spannen, der vor 106 Jahren als erster Mensch den Ärmelkanal in einem Flugzeug, einer Blériot XI, bezwungen hatte.

Im Vorfeld des Fluges, den die Airbus Group schon Wochen vorher angekündigt hatte, gab es einigen Wirbel, denn der slowenische Flugzeughersteller Pipistrel wollte nach der Ankündigung von Airbus bereits am 7. Juli zu einer Kanalüberquerung starten. Sowohl der Airbus E-Fan als auch Pipistrel nutzen als Antrieb für ihre Elektroflugzeuge Motoren von der Siemens AG.

Pilot Didier Esteyne (links) und Jean Botti, CTO der Airbus Group, nach der erfolgreichen Kanalüberquerung. Foto und Copyright: Airbus

Als der deutsche Konzern von dem Vorhaben Pipistrels erfuhr, untersagte er nach Angaben von Pipistrel-Chef Ivo Boscarol am 5. Juli den Slowenen den Flug, da der Motor in der Pipistrel für Flüge über Wasser weder ausgelegt noch getestet sei. „Wir bedauern die Absage von Siemens sehr, die den Flug verhindert hat“, sagte Boscarol, denn nach seiner Aussage hatten die französischen Behörden die Kanalüberquerung bereits genehmigt.

Wo zwei sich streiten, freut sich in der Regel der Dritte. Dies war auch hier der Fall, denn der französische Pilot Hugues Duval startete am Abend des 9. Juli in Kent in seinem einsitzigen Selbstbau-Flugzeug Electravia Cri-Cri und flog als erster Pilot in einem Elektroflugzeug über den Ärmelkanal.

Der E-Fan der Airbus Group war damit zwar nicht das erste Elektroflugzeug, das die Kanalüberquerung geschafft hat, aber der E-Fan ist das erste zweimotorige Elektroflugzeug, das diese Strecke bewältigt hat.

Die Cri-Cri kam dem E-Fan bei der Kanalüberquerung einen Tag zuvor. Foto und Copyright: electravia

Als Energiespeicher kommen beim E-Fan Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz, die nach Airbus-Angaben über 60 Prozent mehr Kapazität verfügen als noch zu Beginn des Programms. Der E-Fan wiegt rund 600 Kilogramm und erreichte bei seinem Flug eine maximale Höhe von 1000 Metern.

Airbus hat sich entschlossen, den E-Fan in deutlich modifizierter Form in Serie zu bauen. Als Partner für die Konstruktion, die Zulassung und das Erstellen der Handbücher hat der Konzern den Flugzeughersteller Daher gewonnen. In Pau in Südwestfrankreich entsteht derzeit ein eigenes Werk für die Produktion des Flugzeugs, das zunächst vor allem als Trainingsflugzeug in der Ausbildung von Airlinepiloten eingesetzt werden soll.

aerokurier Ausgabe 09/2015

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