30 Jahre Forschung für eine emissionsfreie Zukunft

Universität Stuttgart feiert Jubiläum
30 Jahre Forschung für eine emissionsfreie Zukunft

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.07.2026
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30 Jahre Forschung für eine emissionsfreie Zukunft

Wer sich vor 30 Jahren mit der Elektrifizierung der Luftfahrt beschäftigte, wurde in der Regel ausgelacht oder ignoriert. Heute zeichnet sich ab, dass diese Forschung mit dem fortschreitenden Klimawandel enorm an Bedeutung gewonnen hat. Und dabei lohnt sich ein Blick nach Stuttgart. Denn dort war die Forschung ihrer Zeit bereits vor 30 Jahren weit voraus. Im Mittelpunkt stand schon damals die Entwicklung elektrisch angetriebener Flugzeuge. 2026 feiert die Universität Stuttgart nun das 30-jährige Jubiläum dieser Forschung.

Erstflug der solar-elektrischen Icaré 2 bereits 1996

Unter der Leitung von Professor Rudolf Voit-Nitschmann entstand bereits in den ersten Forschungsjahren eine Reihe visionärer Flugzeugprojekte, die den internationalen Fortschritt auf dem Gebiet des elektrischen Fliegens entscheidend mitprägten. Der Anfang dieser Entwicklung reicht zurück in die frühen 1990er Jahre. Damals begann am Institut für Flugzeugbau der Universität Stuttgart die Arbeit an einem ambitionierten Projekt mit dem Namen Icaré 2. Das Flugzeug war als solar-elektrischer Motorsegler konzipiert und sollte beweisen, dass bemannter Flug auch ohne fossile Energieträger möglich ist. Am 1. Juli 1996 absolvierte das Flugzeug seinen Erstflug und setzte damit weltweit ein Zeichen für emissionsfreie Luftfahrt.

Mit dem Icaré 2 bewiesen die Stuttgarter Ingenieure erstmals, dass elektrische Energie nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch als ernstzunehmende Alternative für die Luftfahrt genutzt werden kann. Was damals wie ein futuristisches Experiment wirkte, gilt heute als Grundstein moderner nachhaltiger Flugzeugentwicklung.

Neue Konzepte zur Energiespeicherung

In den folgenden Jahren entwickelten die Stuttgarter immer neue Ideen. Dazu gehörten auch neue Konzepte zur Energiespeicherung und alternative Antriebssysteme. Daraus entstand Mitte der 2000er Jahre das Projekt Hydrogenius, ein Flugzeugkonzept mit wasserstoffbasierter Brennstoffzellentechnologie. Das Projekt gewann 2006 den renommierten Berblinger-Wettbewerb der Stadt Ulm.

Internationaler Erfolg mit dem e-Genius

Der erste große internationale Erfolg gelang mit dem e-Genius. Der zweisitzige Elektro-Motorsegler wurde um den elektrischen Antrieb herum aus Faserverbundwerkstoff völlig neu entwickelt. Am 25. Mai 2011 hob der e-Genius erstmals erfolgreich ab. Bei einem Testflug legte er 341 Kilometer in zwei Stunden zurück, mit einem Energieeinsatz im Gegenwert von lediglich vier Litern Benzin. Damit zeigte der e-Genius erstmals, dass elektrische Flugzeuge nicht nur experimentelle Demonstratoren sein müssen, sondern reale Leistungsfähigkeit besitzen können.

Es folgten weitere internationale Erfolge: Bei der von der NASA unterstützten Green Flight Challenge in Kalifornien gewann der e-Genius 2011 gleich mehrere Auszeichnungen, darunter einen Preis für besonders geräuscharmen und energieeffizienten Flug. Die Universität Stuttgart rückte damit endgültig in die Spitzengruppe weltweiter Forschungsstandorte für elektrische Luftfahrt auf.

Professor Andreas Strohmayer setzte ab 2026 die Arbeit von Professor Voit-Nitschmann fort, unter anderem mit Rekordflügen über die Alpen und mehreren Hybridversionen, sowohl mit kleinem externen Range-Extender als auch als Voll-Hybrid mit interner Generator-Einheit. 2022 gelang mit einer Hybridversion des e-Genius ein Nonstop-Flug über mehr als 2000 Kilometer, seit 2024 dient die Version als fliegendes Forschungslabor für elektrische Antriebskonzepte.

30 Jahre Forschung für emissionsfreies Fliegen

Drei Jahrzehnte Elektroflugforschung an der Universität Stuttgart zeigen eindrucksvoll, wie visionäre Forschung langfristig technologische Realität schafft. Lange bevor Nachhaltigkeit zum globalen Leitmotiv wurde, arbeiteten Forscherinnen und Forscher in Stuttgart bereits an Lösungen für eine klimafreundliche Luftfahrt.