in Kooperation mit
Patrick Holland-Moritz

AERO

Messe rüstet sich gegen Corona

Das Corona-Virus ist das dominierende Thema dieser Tage, erste Fälle in Europa schüren Angst. Unter Piloten kommt die Frage auf, ob man die AERO im April guten Gewissens besuchen kann. Messe-Organisator Roland Bosch und Fliegerarzt Benjamin Schaum nehmen Stellung.

Manche Messe bekommt die Auswirkungen der Corona-Welle unmittelbar zu spüren: asiatische Aussteller sagen ihre Teilnahme bei der ITB ab, die Messe Hannover misst die Temperatur von Besuchern und die Mobilfunk-Messe MWC 2020, die jetzt hätte stattfinden sollen, wurde nach dem Rückzug wichtiger Player komplett abgesagt.

Auch mancher Pilot fragt sich, ob es angesichts der aktuellen Situation eine gute Idee ist, vom 1. bis 4. April die AERO Friedrichshafen zu besuchen. Unter anderem auf Facebook wird über Risiken diskutiert, die Meinungen reichen von „An Grippe sterben mehr Leute, ich gehe hin!“ bis zu „Mir ist das zu heiß, ich lass es.“.

AERO 2015
Bildrechte: Messe Friedrichshafe
AERO-Chef Roland Bosch will die Messe über die Bühne bringen - es sei denn, die Behörden drängen zur Absage.

Die Diskussion ist auch den den AERO-Veranstaltern von der Messe Friedrichshafen nicht verborgen geblieben. Projektleiter Roland Bosch, der seit 1988 in die Organisation der Leitmesse für die Allgemeine Luftfahrt involviert ist, stellt aber klar, dass eine Absage aktuell nicht zur Diskussion stehe. „Wir stehen mit den Behörden in permanentem Austausch. Und wir haben für uns die Linie ausgegeben, dass die AERO nur dann abgesagt würde, wenn wir die Absage vonseiten der Behörden auferlegt bekämen.“

Allerdings nehme man das Thema bei der Messe Friedrichshafen sehr ernst. „Wir sensibilisieren die Besucher mittels Hinweisschildern über hygienische Verhaltensregeln und stellen zusätzliche Spender für die Desinfektion der Hände auf. Außerdem halten wir die Leute auch an, dass Sie sich während der Messe die Hände möglichst nicht schütteln. Unser Motto: 'Shaking hands? Better give a smile!'“ Weiterhin würden die ohnehin sehr intensiven Reinigungsintervalle der Toilettenanlagen sowie der Türgriffe und der glatten Oberflächen wie Handläufe an den Treppen verdoppelt. „Wir wollen bestmöglich unseren Beitrag leisten“, so Bosch.

Fachleute raten zur Besonnenheit

Von Panikmache hält auch Benjamin Schaum nichts. Er praktiziert als Fliegerarzt in Gelnhausen und rät, den Ball flachzuhalten. „Ja, das Corona-Virus ist ein Risiko, aber meiner Meinung nach ist es noch zu früh, um eine Entscheidung gegen die AERO zu treffen.“ Man müsse abwarten, so Schaum, wie sich die Welle in den nächsten Tagen und Wochen entwickle. „Nehmen die Fälle ab, kann man zur Tagesordnung übergehen, nehmen sie zu, muss man seine Entscheidungen gegebenenfalls anpassen.“

Patrick Holland-Moritz
Fliegerarzt Benjamin Schaum will die AERO besuchen - zumindest nach aktuellem Stand der Dinge.

Die AERO sei eine Messe mit internationaler Beteiligung, daher seien die Bedenken nicht völlig von der Hand zu weisen, sagt Schaum. „Gerade im Bereich Ultraleicht kommen ja viele Hersteller aus Italien, wo es jetzt die ersten größeren Ausbrüche gibt. Das muss man beobachten und schauen, wie sich die Lage dort enwickelt.“ Die zusätzlichen Hygienemaßnahmen der Messe hält der Mediziner generell für sinnvoll, gibt aber auch zu bedenken, dass es sich bei Corona um eine Tröpfcheninfektion handle. „Wenn hinter dir jemand niest, bringt es dann nur bedingt etwas, sich die Hände zu desinfizieren.“

Kein Besucherrekord in diesem Jahr

Was die Besucherzahlen angeht, befürchtet Roland Bosch durchaus Auswirkungen der Krankheit auf die Messe. „Selbstverständlich werden wir extrem ängstlichen Naturen die Angst vor einer Ansteckung, egal welcher Art nicht nehmen können. Wir rechnen daher auch mit keinem neuen Besucherrekord in diesem Jahr“, räumt Bosch ein und setzt nach, dass ihn persönlich das Thema schon seit Anfang Januar betrifft. „Mein Sohn studiert in China. Er ist zwar derzeit außer Landes, aber immer noch in Asien.“

Die Messe-Organisatoren und die Besucher sind also gut beraten, die Entwicklung der Corona-Verbreitung zu verfolgen und dann ihre Entscheidung zu treffen. „Nach aktuellem Stand werde ich die AERO besuchen“, bricht Fliegerarzt Schaum eine Lanze für Friedrichshafen. „Angst ist fehl am Platze, vielmehr sind rationale Entscheidungen anhand der Sachlage gefragt.“