Die Nachfrage nach nachhaltig hergestelltem Flugkraftstoff übersteigt die verfügbaren Mengen bei weitem – oft ist der klimafreundliche Treibstoff erst gar nicht verfügbar und falls er es ist, ist er erheblich teurer als fossiles Kerosin. Damit sich das schrittweise ändert, haben Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke in Schwedt den Bewilligungsbescheid für das Projekt "Brandenburg eSAF" überreicht. Die Bundesregierung und das Bundesland stellen für das Projekt Fördermittel in Höhe von insgesamt 350 Millionen Euro bereit. Auf dem Gelände der PCK-Raffinerie möchten die Unternehmen ENERTRAG und ZAFFRA Deutschlands größte Anlage zur Produktion nachhaltiger Flugkraftstoffe (Electric Sustainable Aviation Fuels – eSAF) bauen. Darüber berichten die Unternehmen in einer Pressemitteilung.
Die Anlage, die von dem auf erneuerbare Energien spezialisierten Unternehmen ENERTRAG und dem eSAF-Spezialisten ZAFFRA – einem Joint Venture zwischen dem dänischen Clean-Energy-Technologieunternehmen Topsoe und dem südafrikanischen Chemie- und Energiekonzern Sasol – entwickelt wurde, entspricht einer Gesamtinvestition von mehr als 500 Millionen Euro, heißt es. Die Produktion aus Schwedt soll etwa 25 Prozent der nationalen eSAF-Beimischungsverpflichtung abdecken. Hintergrund ist die EU-Verordnung "ReFuelEU Aviation", die Airlines und größere Flottenbetreiber dazu verpflichtet, eine über die Jahre steigende Beimischungsquote an nachhaltig hergestelltem Kraftstoff zu tanken.
Ab 2030 soll Brandenburg eSAF jährlich mehr als 30.000 Tonnen eSAF in der PCK-Raffinerie produzieren. Die Anlage, so der Plan, nutzt grünen Wasserstoff, der durch Elektrolyse mit Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt wird, in Kombination mit biogenem CO₂. Diese Ausgangsstoffe werden durch den Fischer-Tropsch-Synthese-Prozess in eSAF umgewandelt. Der gewonnene Kraftstoff sorgt im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin für eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus um mehr als 90 Prozent und ist für den Einsatz in bestehenden Flugzeugen ASTM-zertifiziert. Die Anlage soll zu den fortschrittlichsten PtL-Projekten (Power to Liquid) in Europa gehören.
Die Förderung in Höhe von 350 Millionen Euro verteilt sich auf die Bundesregierung (245 Millionen Euro) und das Land Brandenburg (104 Millionen Euro). Die Anlage soll am Standort Schwedt rund 150 Arbeitsplätze schaffen und bis zu 1500 während der Bauphase.
Das sagen die Beteiligten
"Jetzt kommt es darauf an, die Energieversorgung bei PCK und in der Region dauerhaft zu stabilisieren, das Wachstumspotenzial gezielt zu stärken und neue Investitionen anzukurbeln. Das von uns geförderte Projekt Brandenburg eSAF ist ein zentraler Pfeiler dieser Bemühungen: Es verbindet industrielle Stärke mit Innovation, erschließt neue Wertschöpfungsketten und schafft langfristige Perspektiven für Beschäftigung, Wohlstand und Energiesicherheit", sagte Ministerin Reiche.
Dr. Gunar Hering, Vorstandsvorsitzender von ENERTRAG, ergänzte: "Brandenburg eSAF bringt zusammen, was zusammengehört: erneuerbare Energie aus der Region, die industrielle Tradition von Schwedt und ein klares politisches Bekenntnis von Bund und Land. Das Ergebnis ist ein Kraftstoff, der den Luftverkehr klimaneutral macht und qualifizierte Arbeitsplätze in der Uckermark sichert."
"Mit der heutigen Förderzusage sendet Deutschland ein klares Signal: Nachhaltige Flugkraftstoffe im industriellen Maßstab haben einen festen Zeitplan und einen konkreten Standort. ZAFFRA stellt die Technologie bereit, ENERTRAG die erneuerbare Energie und Schwedt die Infrastruktur. Gemeinsam schaffen wir hier eine Blaupause für die europäische eSAF-Industrie", erklärte Jan Toschka, CEO von ZAFFRA.





