Nachruf: Abschied von Roland Bosch

AERO Friedrichshafen
Abschied von Roland Bosch

Nachruf
ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.05.2026
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Krimer hin!

Denke ich an Roland Bosch, kommt mir sofort dieser Satz in den Sinn. Der Satz, mit dem er Ideen, die wir uns als aerokurier ausgedacht hatten, zu deren Umsetzung wir aber die Unterstützung der Messe brauchten, regelmäßig möglich machte. Und da Roland – genauso wie ich – immer viel zu tun und zu kommunizieren hatte, verzichtete er hin und wieder darauf, alle Buchstaben eines Wortes auszusprechen. Kriegen wir hin! – viel zu lang. Krimer hin. Reicht.

Ein Partner auf Augenhöhe

Ich habe Roland Bosch im Vorfeld der AERO 2016 kennengelernt, meiner ersten Messe als Verantwortlicher beim aerokurier. Ich war komplett neu – und ehrlicher Weise komplett lost. Ich kann mich nicht mehr detailliert an die Situation erinnern, in der wir das Interview führten, das dann im AERO SPECIAL in der April-Ausgabe erschien, aber eins weiß ich sicher: Es war keine Situation, in der ein alter Hase sich anschickt, einem Novizen die Welt zu erklären. Das war nicht Rolands Stil. Roland war Kommunikator durch und durch. Zuhören, argumentieren, Lösungen finden. Das mochte ich von Anfang an.

Diese erste Begegnung war Auftakt für eine ganau zehn Jahre währende Zusammenarbeit. Eine Kooperation, die der Messe geschuldet nicht permanent, aber punktuell intensiv vonstatten ging. Ein Meeting in Stuttgart im Herbst, um die Details der Medienpartnerschaft fürs nächste Jahr zu besprechen, ein Besuch in Friedrichshafen, um im Interview fürs SPECIAL alle Informationen zur aktuellen AERO aufzubereiten, so war es gelebte Praxis.

Wiedersehen unter Freunden

Insbesondere meine Besuche in Friedrichshafen waren stets wie ein Wiedersehen unter Freunden. Hemdsärmlig erzählte Roland, welche Probleme er dieses Mal zu umschiffen hatte, um die AERO zum Erfolg zu bringen, stets im Wissen, dass der Journalist gegenüber Anekdoten von relevanten Informationen zu unterscheiden wusste. Nur selten bat Roland um Änderungen im geschriebenen Wort, er meinte das, was er gesagt hatte. Nur manchmal etwas weniger direkt. Und das war ok.

Als es hieß, Roland würde Ende 2026 seinen finalen Abschied vom Messe-Geschäft nehmen, war für uns klar, dass wir als aerokurier dazu etwas besonderes beitragen wollten. So fiel der Entschluss, ihn mit einem Innovation Award für sein Lebenswerk zu danken und ihm ein persönliches aerokurier-Cover mit Fotos aus seiner Zeit als AERO-Macher zu gestalten. Seine Rührung bei der Preisverleihung am Mittwochabend zeigte, wie sehr wir damit einen Nerv getroffen hatten.

Philipp Prinzing

Auch die Verabschiedung durch das Messe-Team und einige langjährige Wegbegleiter am Freitagabend während der AERO machte die Wertschätzung für Roland deutlich. Hier bekam er seinen aerokurier-Titel noch einmal gerahmt überreicht. Dass die witzig gemeinte Headline "Der Pate tritt ab" nur wenige Tage später eine tragische Komponente bekommen würde, war nicht annähernd abzusehen.

aerokurier

Gehofft und doch verloren

Noch Anfang März traf ich Roland für ein letztes Interview in Friedrichshafen, in dem es darum gehen sollte, wie sich das Messegeschäft und die Allgemeine Luftfahrt über die vielen Jahre, die er dabei war, gewandelt hat. Ich kam mit dem Motorsegler, er holte mich vom Flughafen ab und wir plauderten über das, was er sich nach dem Ende seiner beruflichen Laufbahn vorgenommen hatte. Vor allem Reisen und Zeit für die Hobbies, das sollte im Fokus stehen.

Die Information über seinen Schlaganfall erreichte mich am vergangenen Samstag während einer Dienstreise in Polen, einen Tag später telefonierte ich mit Tobias Bretzel und bat ihn, Roland und seiner Familie die besten Genesungswünsche des gesamten aerokurier-Teams zu übermitteln. Schon zu diesem Zeitpunkt war die Prognose nicht gut.

Die Nachricht von seinem Tod trifft mich und meine Kollegen dennoch. Jeder von uns hatte seine Begegnungen mit Roland gehabt, und ich kann mich nicht daran erinnern, dass irgendjemand mal ein schlechtes Wort über ihn verloren hätte. Viele Nachrufe sind geschönt, in diesem Fall ist das unnötig.

Roland, du wirst uns fehlen. Deinen Angehörigen viel Kraft in dieser schweren Zeit.