Tim Tolubajew, Tim Hübler und Felix Spehr sind aktive Piloten im Fliegerclub Leipzig-Taucha, gehen von hier aus regelmäßig mit Jantar und LS1 auf Strecke. Doch wenn die Vögel am Abend eingestallt sind und die Sonne hinterm Horizont verschwindet, dann wird die Kfz-Werkstatt zum Labor für ihre außergewöhnlichen Tüfteleien.
Nur eine Reparatur...
Jüngstes Projekt der beiden ist ein Rückholfahrzeug, das die beiden als "Ölmobil" bezeichnen. Ausgangspunkt dafür war die Reparatur eines seit Jahrzehnten in Taucha als Flugzeugschlepper eingesetzten Kleintraktors vom Typ DFZ 322. Dieses Gefährt, getauft auf den Namen "Mücke", tuckerte einmal angeschleppt den ganzen Tag vor sich hin, zog gelandete Segler von der Piste wieder zum Start und genehmigte sich dabei vielleicht zwei große Tassen Diesel.

Die Mücke hatte einen Motorschaden. Aus der Reparatur wurde ein zusätzliches Bauprojekt.
"Der Motor der Mücke war kaputt, und wir haben im Internet gleich zwei davon aufgetrieben", erzählt Tim Tolubajew. Der erste kam bei der Reparatur des betagten Schleppers zum Einsatz, der andere war Basis des Bastelprojekts. Wobei der Begriff "Basteln" ja eher an filigrane Arbeiten denken lässt, die mit dem aus Vierkant-Stahlprofilen geschweißten Rahmen des Ölmobils nur bedingt was zu tun haben. Hier trifft es der Begriff Heavy Metal eher.
Organae vom Verwerter
"Die Vorderachse samt Lenkrad stammt vom Trabant 601, die Hinterachse inklusive Alufelgen von einem BMW E46. Teils sind wir beim Autoverwerter fündig geworden, teils bei Schraubern im Bekanntenkreis." Alles dazwischen wurde kreativ zusammenimprovisiert. Die Pedalerie – sprich Gas und Bremse – waren einst in einem Twin Astir verbaut, die Ansaugrohre, auf denen fette offene Luftfilter thronen, wurden kurzerhand ebenfalls aus Vierkantrohr zusammengebraten. "Da sieht man unsere ersten Schweißversuche", sagt Tim, deutet auf die groben Nähte und muss lachen. "Das würde heute sicher schöner aussehen, aber es funktioniert."

Rechts neben dem Sitz ist das Hydrauliksystem für den Antrieb verbaut.
Das Herz des Ölmobils ist indes der Antriebsstrang. Denn der Zweizylinder-Dieselmotor mit seinen 15 PS treibt die Achsen nicht direkt über ein Getriebe an. "An den Motor ist eine Ölpumpe angeflanscht, die wiederum über ein Leitungssystem und mehrere Ventile einen Hydraulikmotor in Bewegung setzt, also ein hydrostatischer Antrieb. Es gibt keine Kupplung, die Verschleißen kann, denn auf einem Flugplatz wird alles, was verschleißanfällig ist, eher früher als später kaputt gehen", konstatiert Tim. Das System arbeitet mit einem Öldruck von maximal 170 bar, die Teile werden ähnlich auch in Baggern verbaut.
Das Fahrgefühl: interessant
Das Fahrgefühl? Sagen wir mal interessant. Nach dem Anlassen des Motors wird mit einem Hebel rechts neben dem Fahrersitz eingekuppelt, sprich der Ölfluss von der Pumpe zum Achsantrieb aktiviert, woraufhin sich das Ölmobil sanft in Bewegung setzt und mit Gas- und Bremse gesteuert werden kann. Mittels eines zweiten Hebels kann auch einen "Gang" hochgeschaltet werden, indem eine zusätzliche Pumpe für doppelten Hydraulikölfluss sorgt. Nach etwas Eingewöhnung kommt der Fahrer damit problemlos klar.
Flugzeuge werden klassisch mit einem festen angebrachten Seil gezogen, das in einer Maulkupplung hängt. Zusätzlich ist unter dem Heck eine ebenfalls hydraulisch angetriebene Seilwinde montiert, die bis zu sieben Kilonewton Kraft aufbringt.

Der Gerät im Einsatz am Flugplatz Taucha.
Der Spaß beim Bauen
"Klar stand beim Bauen auch der Spaß im Vordergrund. Allerdings ging es uns primär darum, ein zuverlässiges Fahrzeug für den Flugbetrieb zu konstruieren", sagt Tim. Das scheint auch gelungen, wenngleich die Technik ab und zu noch noch muckt und die Jungs hier und da optimieren, umbauen und nachbessern. Aber das Grundkonzept mit dem hydrostatischen Antrieb funktioniert. Und so versieht das Ölmobil sersieht seinen Dienst wie einst die Mücke. Nur dass der Motor jetzt nicht mehr den ganzen Tag tuckert. Denn im Gegensatz zur Urahnin hat das Ölmobil einen Anlasser. Der meistens auch Funktioniert.





