Segelkunstflug-WM Fayence: Team Germany räumt ab

Segelkunstflug-WM Fayence
Team Germany fliegt zum Erfolg

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.09.2026
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Am Ende waren es knapp 79 Punkte. 79 Punkte, die den zweitplatzierten Michael Spitzer vom neuen und verdienten Unlimited-Segelkunstflugweltmeister Oliver Adamy aus Tschechien trennten. Wie knapp das wirklich ist, wird klar, wenn man sich die Gesamtpunktzahl der beiden Konkurrenten anschaut: 10.834,16 zu 10.755,49. Ein Hauch. Eine Linie, die vielleicht nicht optimal geflogen war und wenige Grad von der Idealform abwich. Solche Dinge sind es, die die Besten der Besten im Segelkunstflug voneinander trennen. Und hier reiht sich auch der Pole Maciej Pospieszynski ein, der nach seinem WM-Titel 2024 in Oschatz als Favorit in die Provence gekommen war und am Ende die Bronzemedaille in der Unlimited-Klasse mit nach Hause nahm.

Öffnet man den Blick ein wenig, dann darf man festhalten, dass die Weltspitze nach Rang 3 noch lange nicht aufhört. Bis Rang zwölf flogen alle Piloten in der Gesamtwertung Ergebnisse von mehr als 71 Prozent – darunter auch die Deutschen Steffen Engel, Martin Pohl und Wolfgang Schieck, die in der Endabrechnung die Plätze 8, 9 und 11 belegten.

Marcus King

Unlimited-Medaillen im Einzel und in der Teamwertung

Wolfgang Schieck war es, der Siegeszug des deutschen Teams eröffnete. In der Kür holte er souverän Rang 1 vor seinem Teamkollegen Michael Spitzer, außerdem sicherte er sich die Silbermedaille in der Freien Unbekannten. Michael Spitzer dagegen flog in der Wertung der vier unbekannten Programme die Silbermedaille ein und stand in der Endabrechnung gemeinsam mit Steffen Engel in der Teamwertung auf dem zweiten Absatz des Podestes.

Oliver Adamy indes bewies einmal mehr, dass es im Segelkunstflug weniger auf einzelne Spitzenergebnisse ankommt als vielmehr darauf, sich über alle Wertungsflüge hinweg keinen Schnitzer zu leisten. In der Known und und der ersten Unbekannten landete der erst 21-Jährige jeweils auf dem fünften Platz, in Free Unknown und Unknown 2 reichte es zu Platz 3. Erst in Programm 5, der dritten Unbekannten, flog er allen anderen davon, was in Verbindung mit Rang 4 im letzten Flug genügend Punkte für den Gesamtsieg einbrachte.

Marcus King

Totaler Triumph in der Aufsteigerklasse Advanced

Eine phänomenale Leistung zeigten die deutschen Piloten in der Advanced-Klasse. Während sie in der Kür noch anderen den Vortritt lassen mussten – Gold ging an den Rumänen Raul Petrovan, Silber an Lokalmatador Alexandre Lebland und Bronze an den Tschechen Adam Pilc – eröffnete Nick Weiss mit seinem Sieg in er ersten Unbekannten eine regelrechte Edelmetall-Orgie. In der Freien Unbekannten zog Tobias Ohlig nach und holte Bronze, Stefan Zistler verpasste das Podium hier nur knapp. Programm 4, die dritte Unbekannte, gewann erneut Nick Weiss, der Tobias Ohlig und Richard Münzberger auf die Plätze verwies. Die dritte Unbekannte rockte wiederum Stefan Zistler, der sich gegen Richard Münzberger und Manuel Höllmann durchsetzen konnte. Tobias Ohlig kam hier auf Rang vier, Nick Weiss auf Rang 7. Im letzten Programm, der vierten Unbekannten, holte sich Manuel Höllmann den Sieg vor Tobias Ohlig, Richard Münzberger, Nick Weiss und Stefan Zistler.

In der Endabrechnung gewann Tobias Ohlig den Weltmeistertitel in der Advanced mit knapp 62 Punkten Vorsprung vor Nick Weiss und Stefan Zistler. Richard Münzberger folgte auf Rang vier, und Manuel Höllmann machte als achter bei seiner ersten Weltmeisterschaft den Erfolg des deutschen Teams perfekt. In der kombinierten Wertung für die unbekannten Programme war es ebenfalls ein Vierfach-Erfolg, hier Gewann Tobias Ohlig vor Nick Weiss, Richard Münzberger und Stefan Zistler. Ohlig, Zistler und Weiss holten zudem Gold in der Advanced-Teamwertung vor Rumänien und Polen, schließlich wurde Nick Weiss der Titel des besten Junioren verliehen.

Marcus King

Sportliche Extraklasse versus Organisations-Chaos

Den herausragenden Leistungen der meisten Piloten stand eine Organisation gegenüber, die einer Weltmeisterschaft wenig bis gar nicht gerecht wurde. Was bei mangelhafter Ausstattung der Camping-Area begann zog sich über teils schlecht organisierten Flugbetrieb, eher hemdsärmlig abgehaltene Opening- und Closing-Zeremonien und technische Ausfälle durch den gesamten Wettbewerb. Der sinnbildliche Moment, der allen Teilnehmern und Helfern in Erinnerung bleiben dürfte, ereignete sich bei der Eröffnungszeremonie: Während die Hymne der Luftsportorganisation FAI aus dem qualitativ eher mäßigen Lautsprecher dröhnte, fiel die FAI-Flagge beim Hissen vom impriovisierten Mast. Und es dauerte einen Moment, bis sich jemand anschickte, sie aufzuheben.

Der französische Segelflugverband muss sich die Frage gefallen lassen, wie eine Weltmeisterschaft unter solchen Bedingungen stattfinden konnte. Mehr noch: Wie man die vor allem jungen Helfer, die nach Kräften versuchten, den Piloten ein würdiges Umfeld zu bieten, derart allein lassen konnte. Eine Segelkunstflug-WM auf diesem sportlichen Niveau hätte mehr verdient. Wie so etwas aussehen kann, hatte Oschatz 2024 gezeigt.

Lars Reinhold

Technische Neuheit: elektronische Höhenmessung

Bei der WM 2026 kam zum ersten Mal ein offizielles Höhenmessgerät zum Einsatz. Das Civa-HMD – HMD steht für Height Measurement Device – überwacht die Einhaltung der vertikalen Boxgrenzen. So ist zum einen sichergestellt, dass Piloten ihr Programm nicht oberhalb der zulässigen 1200 Meter AGL beginnen und sich so Vorteile verschaffen, zum anderen werden die unteren Grenzen von 200 Meter für das Programm sowie Low (199 bis 150 Meter) LowLow (149 bis 100 Meter) und Disqualifikation (unter 100 Meter) technisch überwacht. Bisher war das Augenmaß der Schiedsrichter hier maßgebend. Zwar gab es bereits in früheren Jahren entsprechende Geräte, diese waren aber privat initiiert und nicht immer zuverlässig.

Marcus King

Wie genau das HMD tatsächlich arbeitet, erfuhr der französische Unlimited-Pilot Benoit Madrenas, der in der zweiten Unbekannten in einer Senkrechten aufwärts zum Weibchen 70 Strafpunkte kassierte – wegen es einzigen Meters. Bei 1201 Meter löste das Gerät mit deutlich hörbarem "Beep" aus – und sorgte bei Madrenas für einen Lachflash. Das Video vom "HMD-Vorfall", das der Franzose auf Instagram Postete, verbreitete sich unter den Teilnehmern als humorvolle Warnung.

Team GER: Spirit auf dem Flugfeld, im Camp und daheim

Der Berg an Pokalen und Medaillen, mit dem die deutschen Piloten aus der Provence gen Heimat aufbrachen, ist das Ergebnis mehrerer Faktoren. Da ist zum einen konsequentes, vielfach inividuell organisiertes Training. Denn im Gegensatz zum Streckenflug, bei dem eine Kaderstruktur und zentrale Institutionen wie die Segelflugschule Oerlinghausen mit Schulleiter und Bundestrainer Karsten Kopsieker den Nachwuchs mit strategischer Ausrichtung in mehreren Maßnahmen auf Wettbewerbe vorbereiten, fehlt Ähnliches im Segelkunstflug.

Am Anfang des Erfolgs stehen hier die Fördervereine, die in Grund- und Weiterbildungslehrgängen die Fähigkeiten zum (sportlich ambitionierten) Kunstflug vermitteln und mit den Doppelsitzer-Wettbewerben zudem Events schaffen, die es Neulingen ermöglichen, mal reinzuschnuppern. Eine weitere Säule sind die Trainingslager, wie sie beispielsweise in Walldürn, in Ziegenhain oder in Kell im kleinen Kreis organisiert werden. Fliegen unter Aufsicht professioneller Trainer und Schiedsrichter – nur auf diese Weise werden Linien, Bögen und Rollen zu Figuren, werden Figuren zu Programmen, die am Ende eine internationale Jury überzeugen können.

Und schließlich gibt es in diesem Team einen Zusammenhalt, der über das gemeinsame Fliegen hinausgeht. Gemeinsames kampieren am Flugplatz, gemeinsames Essen – vielfach zubereitet von Angehörigen der Piloten, die ihren Urlaub drangeben um das Team zu unterstützen -, knackige Briefings und nicht zuletzt der eigene Whirlpool unterm Event-Shelter – das alles stärkt den Zusammenhalt und macht Eindruck auf die Konkurrenz. Und es ermöglicht die Erfolge, die das Team nun feiert.

Team Germany

Fazit