Kunstflug-Glossar: Von Aresti bis Zwetschgoid

Kunstflug-Glossar
Von Aresti bis Zwetschgoid

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.09.2026
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Von Aresti bis Zwetschgoid
Foto: Marcus King

0,0

Eine 0,0 bekommt ein Pilot, wenn die Summer aller Fehler in einer Figur so groß ist, dass sie in ihrer Grundform zwar noch zu erkennen ist, aber massiv vom Idealbild abweicht. Im Gegensatz zu einer einzelnen HZ (siehe unten) bleibt die 0,0 stehen und wirkt sich erheblich auf die Gesamtpunktzahl für die Figur aus, wohingegen eine einzelne HZ an die Durchschnittswertung angeglichen wird.

Aresti

Der Begriff Aresti bezieht sich auf Graf José Luis de Aresti Aguirre, einem spanischen CIVA-delegierten, auf dessen Voschlag die zulässigen Kunstflugfiguren ab 1961 in einheitlicher Schreibweise in einem Katalog festgeschrieben wurden. Daher auch der Begriff "Aresti-Symbol".

Box

Box ist die Kurzbezeichnung für die Kunstflugbox, sprich den Raum, in dem das Kunstflugprogramm geflogen wird. Dabei handelt es sich um einen Würfel mit einer Kantenlänge von 1000 Metern, der sich von 200 Meter AGL bis 1200 Meter AGL erstreckt. Am Boden ist die Box mit großen weißen Tüchern markiert, anhand derer sich die Piloten orientieren.

Lars Reinhold

CIVA

Abkürzung für Commission Internationale de Voltige Aerienne, die Kunstflug-Kommission des Welt-Luftsportverbandes FAI.

HMD

Abkürzung für Heigh Measurement Device. Diese etwa zwei Fäusete große Box ist mit GPS, Baro-Sensor und Funktechnik ausgestattet und überwacht die Höhe der Segelkunstflugzeuge. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass kein Pilot sich durch Programmbeginn oberhalb von 1200 Meter AGL einen Vorteil verschafft, außerdem werden Unterschreitungen der Mindesthöhe von 200 Metern für Low-Penalties und 100 Metern für die Disqualifikation technisch überwacht und direkt an die Judgeline gemeldet.

Marcus King

HZ

Der Totenkopf jeder Wertung. HZ steht für Hard Zero und wird verwendet, wenn eine Figur falsch, gar nicht oder in die falsche Richtung geflogen wurde. Wertet ein einzelner Judge oder die Minderheit der Schiedsrichter eine Figur HZ, beispielsweise weil sie einen Stopp in einer Zeitenrolle nicht gesehen haben, werden die HZ angeglichen, heißt mit dem Durchschnittswert der von den anderen Schiedsrichtern vergebenen Figurnote gewertet. Nur wenn am Ende eine CHZ, sprich durch den Chief Judge bestätige confirmed HZ steht, wird die Figur komplett genullt (siehe auch Wertung).

Klassen

Wettbewerbskunsflug wird in mehreren Klassen ausgetragen, um Sportlern mit verschiedener Erfahrungsstufen und Fähigkeiten die Möglichkeit zu geben, sich mit ähnlich starken Piloten zu vergleichen.

  • Sportsman: Einsteigerklasse, in der zumeist einfache Figuren, die die Piloten aus der Kunstflugausbildung kennen, sowie Kombinationen daraus geflogen werden. Zum Einsatz kommen hier zumeist Schul-Doppelsitzer wie ASK 21, Perkoz oder DG-1000, aber auch Einsitzer wie DG-303 Acro, Pilatus B4 oder PIK-20D. Bezüglich der Geschwindigkeiten bewegen sich die Piloten hier zwischen null im Turn und bis zu 250 km/h vor Aufwärtslinien, die Lastvielfache liegen zwischen +5,5 und -3,5 g.
  • Advanced: Die "Mittelklasse" fliegt deutlich anspruchsvollere Programme, in denen im Gegensatz zur Sportsman auch Tailslide-Figuren und komplexere Kombinationen vorkommen als in der Sportsman und bewegt ihre Flugzeuge bis an die technischen Grenzen. Geschwindigkeiten zwischen 0 und 285 sowie Lastvielfache zwischen +7 und -5 g kommen durchaus vor. Muster hier sind vor allem MDM-1 Fox, SZD-59 Acro, Pilatus B4 oder Swift S-1.
  • Unlimited: In der Königsklasse wird der gesamte Figurenkatalog einschließlich gerissener und gestoßener Rollen sowie Rollenkreise geflogen. Der Anteil an Negativ-Sequenzen ist zudem deutlich höher als in der Advanced. Konkurrenzfähig ist hier eigentlich nur der Swift S-1, dessen Limits von +10 und -7,5 g zwar nicht ständig ausgereizt, aber mitunter doch angekratzt werden. MDM-1 Fox und SZD-59 Acor sind ebenfalls für die meisten Unlimited-Figuren zugelassen.

Low

Das Kunstflugprogramm muss spätestens in 200 Metern über Grund beendet sein. Fliegt ein Pilot tiefer, kassiert er 70 Strafpunkte, ein sogenanntes Low. Turnt er noch unter 100 Meter AGL, wird er für den Durchgang Disqualifiziert.

MDM-1 Fox

Der Fox ist ein doppelsitziges Segelkunstflugzeug, das vor allem für das Training komplizierter Unlimited-Figuren konstruiert wurde. Infolge der schlechten Verfügbarkeit von Swiften wird der Fox auch als Wettbewerbsflugzeug eingesetzt, hat hier aber gegenüber dem Swift aerodynamische Nachteile.

Marcus King

Programm

Das Programm ist die Abfolge von Kunstflugfiguren, die ein Pilot pro Durchgang fliegt. In den Wettbewerben gilt die festgelegte Reihenfolge:

  1. Known: Die Known ist das erste Programm jedes Kunstflugwettbewerbs. Sie besteht aus fünf Pflichtfiguren, die am Anfang des Jahres von der CIVA bekanntgegeben werden, die der Pilot nach bestimmten Reichhaltigkeitskriterien mit fünf anderen Figuren zu einem Kürprogramm kombiniert. Dieses kann er so oft wie er möchte vorab trainieren.
  2. Unknown 1: Die erste Unbekannte wird aus Figuren, die die Piloten vorab vorgeschlagen haben, zusammengestellt. Dabei reicht im internationalen Vergleich jede Nation einen Programmvorschlag ein, die Jury wählt dann das zu fliegende Programm aus. Um die Figuren besser zu kombinieren, sind pro Unknown maximal zwei Zusatzfiguren erlaubt, die mit fünf bis zehn Punkten in die Wertung eingehen.
  3. Free: Für die Free stellt jeder Pilot aus den vorab vorgeschlagenen Figuren ein individuelles Programm zusammen, dass er dann auch fliegen muss. Auch hier sind zwei Zusatzfiguren erlaubt.
  4. Unknown 2 bis 4: Analog zu Unknown 1.

Swift S-1

Der Swift S-1 ist ein einsitziges Segelkunstflugzeug mit 12,7 Metern Spannweiter, einer Höchstgeschwindigkeit von 287 km/h und zulässigen Lastvielfachen von +10 und -7,5 g. Er wurde Ende der 1990er Jahre als Nachfolger für den polnischen Kobuz entwickelt, der bis dato 25 Jahre lang als unbestritten bestes Segelkunstflugzeug galt. Vom Kobuz übernahm derr Swift wesentliche Auslegungsmerkmale wie die Flügel, die allerdings gekürzt wurden, sowie die klaren Linien. 30 Stück wurden gebaut.

Marcus King

SZD-59 Acro

Der Acro ist ein Kunstflug-Einsitzer, der Ende der 80er Jahre aus dem Jantar Standard 3 abgeleitet wurde. Mit zulässigen Lastvielfachen von +7/-5 g ist er für alle Figuren zugelassen, kommt aber bei anspruchsvollen Unlimited-Kombinationen an seine aerodynamischen Grenzen. Insbesondere in der Advanced ist die 59 konkurrenzfähig.

Markus Völter

Wertung

Die Wertung von Kunstflugprogrammen ist eine komplizierte Angelegenheit. Jede Figur hat einen Schwierigkeitsfaktor, der mit der vom Judge vergebenen Note zwischen 0,0 und 10,0 multipliziert wird. Dazu kommt eine Raumnote, deren Wert von 20 Punkten ebenfalls mit der Schiedsrichter-Note zwischen 0,0 und 10,0 multipliziert wird. Die Schiedsrichternoten werden gemittelt und zusätzlich einem FairPlay-Algorithmus unterzogen. Dieser sorgt dafür, dass Schiedsrichter, die per se besonders streng oder besonders sanft werten, nicht überproportional gewichtet werden. Am Ende steht eine Prozentwertung, die die erreichte Punktzahl ins Verhältnis zur maximal möglichen Punktzahl des Programms setzt.

Wettbewerb

Im Segelkunstflug gibt es analog zum Streckensegelflug verschiedene Wettbewerbe. Für Einsteiger gibt es Wochenend-Verantstaltungen, an denen ein bis drei Programme auf Doppelsitzern wie ASK 21, Perkoz oder DG-1000 geflogen werden. Dabei besteht die Option, einen Sicherheitspiloten mitzunehmen. Klassischer Aufsteigerwettbewerb ist der Salzmann-Cup, der stets am Fronleichnam-Wochenende durchgeführt und in den Klassen Sportsman, Advanced und Unlimited ausgetragen wird. Eine stufe darüber liegen Landes- und Deutsche Meisterschaften, in denen Punkte für die Rangliste vergeben werden, aus der sich wiederum die Nationalmannschaften ergeben.

Während auf nationalen Bewerben üblicherweise nur die Gesamtwertung zählt, ist das bei Weltmeisterschaften anders. Hier werden auch Einzelmedaillen vergeben für die beste Known, die beste Free und die Kombination aller geflogenen Unbekannten. Zudem gibt es eine Nationenwertung und eine Juniorenwertung.

Zwetschgoid

Damit von A bis Z in der Überschrift funktionierte, brauchte es diesen Begriff, der in Kunstflieger-Kreisen gerne für einen sehr hohen und wenig kreisförmigen Looping, der eher an eine Zwetschge erinnert, gebraucht wird.