Interview mit Klaus Fey: Seit 50 Jahren Fluglehrer

Interview
Klaus Fey: Seit 50 Jahren Fluglehrer

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.06.2026
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Hut ab! 50 Jahre als Fluglehrer sind eine stolze Leistung. Erzähl doch mal, wie deine Geschichte angefangen hat.

Erst mal: Für mich ist das gar nichts so Besonderes. Ich möchte mich nicht für etwas feiern lassen, das mir immer noch ganz viel Spaß bereitet. Aber jetzt zu deiner Frage: 1968 habe ich einen ganzseitigen Bericht mit tollen Bildern über den Aero-Club Trier im "Trierischen Volksfreund", der Lokalzeitung, gelesen. Das hat mich sofort fasziniert, und ich bin mit meinem Vater nach Trier-Euren gefahren, einem riesigen Platz: Die Franzosen hatten dort eine Hubschrauber-Garnison und die Bundeswehr Fahrzeuge stationiert. Es gab eine 1200 Meter lange Bahn für den Motorflug und eine noch längere Graspiste für den Segelflug mit Winde. Drei Vereine waren dort. Ich bin als 16-Jähriger beim Aero- Club Trier eingetreten und saß schon bald als Schüler im Segelflugzeug.

Ein paar Jahre später bist du dann selbst Lehrer geworden.

Richtig, das nahm 1975 seinen Lauf. Es gab drei Lehrer im Verein, zwei von denen waren als ehemalige Luftwaffenflieger schon älter. Wer das künftig weitermachen könnte, war die Frage, und einer der Lehrer hatte mich angesprochen, ob ich mir eine Ausbildung zum Fluglehrer vorstellen könnte. Ich fühlte mich eigentlich noch nicht erfahren genug, aber die Voraussetzungen hatte ich: 100 Stunden nach Lizenzerhalt, 250 Starts und die Silber-C. Nur der 100-Kilometer-Überlandflug fehlte mir noch, aber den habe ich nachgeholt. So kam ich als 23-Jähriger nach Bad Sobernheim, wo schon damals der Luftsportverband Rheinland-Pfalz zu Hause war. Gerade mal zwei Wochen dauerte unser Lehrgang, bei dem wir gar nicht so viel geflogen sind, denn das Wetter war nicht sonderlich gut. Lehrgangsleiter war übrigens Willi Gilges, der damals als Koryphäe im Segelflug galt. Später bin ich dann noch Motorsegler-Lehrer geworden, was damals aber keine große Sache war.

Wie war dein erster Flug als Lehrer?

Daran erinnere mich noch ganz genau. Der 13-jährige Peter Bettendorf kam über seinen Vater in den Verein. Mit psychologischem Gutachten, Sondergenehmigung der Bezirksregierung und reichlich Bleiballast durfte "Pittchen" am 14. März 1976 seinen ersten Schulflug absolvieren. Hinten im Bergfalken saß ich, ohne praktische Erfahrung als Lehrer und mindestens so nervös wie der Junge vor mir. Unsere Wege haben sich später zwar getrennt, aber wir haben uns nie aus den Augen verloren. Peter ist dann zur Bundeswehr, wurde Phantom-Pilot und später auch Lehrer auf anderen Jets. Seit seiner Pensionierung im Jahr 2003 ist er als Kapitän einer Global 6000 weltweit unterwegs. Er hat 11.000 Stunden, ich zumindest 11.000 Starts. So kam es, dass wir uns am 15. März fast auf den Tag genau 50 Jahre später in Bad Neuenahr zum Jubiläumsflug getroffen haben. Es hat uns beiden total Spaß gemacht, beim Kreisen in der Thermik mit der ASK 21 in alten Zeiten zu schwelgen.

Gibt es noch weitere Schüler, an die du dich erinnerst?

Klar. Da gab es zum Beispiel Keith, Sohn eines Pan-Am-Piloten. Nach weniger als 20 Starts war er reif für den Alleinflug. Der hatte es einfach im Blut und ist durch seinen Vater mit der Fliegerei aufgewachsen. Aber so etwas ist die Ausnahme.

Lass uns zurück nach Trier-Euren blicken. Wie ging es damals weiter?

Unser Verein musste 1977 umziehen, nachdem der Flugplatz von der Stadt übernommen und für andere Zwecke genutzt werden sollte. Die Segelflieger hat es zuerst getroffen, und so war ich beim Aufbau des Segelfluggeländes Konz-Könen an der Saar- mündung dabei. In dieser Zeit war ich für mein Studium meistens in Bonn – das war eine ziemliche Fahrerei. Erst 1988 hatte das Pendeln ein Ende, als ich beim LSV Bad Neuenahr-Ahrweiler meine fliegerische Heimat gefunden habe.

Wo hast du noch geschult?

Ich erinnere mich gerne an die Zeit im Haus der Luftsportjugend in Hirzenhain mit Flugbetrieb in Bottenhorn, ein Segelfluggelände ein paar Kilometer weiter östlich. Jeder Gastfluglehrer hatte bei den Kursen eine feste Gruppe von sechs, sieben Schülern. Innerhalb von zweieinhalb Wochen kam jeder von uns auf rund 250 Starts. Dafür brauchte man im Verein eine ganze Saison! So bekam ich schnell die Erfahrung, die mir nach der Ausbildung in Bad Sobernheim noch fehlte. Als Lehrer konnte ich den Fortschritt der Schüler von Tag zu Tag beobachten. Viele kamen dabei auch zum ersten Alleinflug. Geflogen sind wir auf Ka 13, K 8 und Ka 6. Auch in anderen Vereinen war ich aktiv, zum Beispiel beim LSV Beuel in Bonn/Hangelar. Die Verbindung kam über ein Bonner Gymnasium zustande, wo ich als Pädagoge gearbeitet habe. Außerdem habe ich gegen Ende meines Studiums zwei Jahre lang als Jugendbildungsreferent beim Aero-Club Nordrhein-Westfalen am Flugplatz Essen/Mülheim gearbeitet. Damals bin ich kreuz und quer durch NRW gefahren, habe bei verschiedenen Vereinen geschult und etliche Fliegerlager mitgemacht.

Apropos Alleinflug: Bist du nervös, wenn einer deiner Schüler zum ersten Mal solo startet?

Als verantwortungsvoller Lehrer lasse ich einen Schüler oder eine Schülerin erst dann allein fliegen, wenn ich mir absolut sicher bin, dass er oder sie es wirklich kann. Ein zweiter Lehrer muss ja auch noch zustimmen. Wenn es so weit ist, gilt: Ich sage nichts über Funk, wenn es nicht unbedingt sein muss. Falls doch, dann spreche ich den Schüler ganz ruhig mit Vornamen an, damit keine Missverständnisse aufkommen. Um die Frage zu beantworten: Routine ist ein erster Alleinflug auch für einen Lehrer nie. Aber meine Routine hilft mir dabei, einen Schüler richtig einzuschätzen.

Welche kritischen Situationen gab es?

Die waren selten, aber es gab sie. In Erinnerung geblieben ist mir ein Seitenwindstart mit einer Grob G 109B. Der Motorflug-Umschüler war überzeugt, dass er das kann, ich habe ihm geglaubt und zu spät eingegriffen. Um es kurz zu machen: Wir haben die Bahn verlassen und sind gerade noch rechtzeitig vom Boden weggekommen, bevor Schlimmeres passieren konnte. So etwas passiert mir nie, nie wieder! Sonst hat mich aber kein Schüler in eine richtig kritische Situation gebracht. Es gab jedoch Beinahe-Kollisionen mit militärischen Jets in früheren Jahren. Da bekam auch ich es mit der Angst zu tun und wollte nicht mehr an Wochentagen schulen. Dank FLARM sind wir heute sicherer unterwegs.

Wo siehst du den Schwerpunkt, wenn es um die Sicherheit geht?

Der Windenstart war schon immer mein Steckenpferd. Das ist meine liebste Startart, aber obwohl alles tausendfach durchdacht und optimiert ist, ist die Unfallrate immer noch zu hoch. Es gibt kritische Phasen, über die man reden muss und die ich meinen Schülern theoretisch und praktisch vermittle. Ein Beispiel ist der Kavalierstart durch Aufbäumen, wenn das Flugzeug zu heftig angeschleppt wird. Wenn in diesem Moment das Seil reißt, dann … Nein, so etwas darf nicht passieren.

Anfang der 2000er Jahre habe ich mich eingebracht bei der Erprobung von Kunststoffseilen und deren Ausstattung, also Sollbruchstellen-Halterungen, Vor- und Zwischenseile, Schirme und Verbindungen. Ungefähr zur gleichen Zeit brauchten wir in Bad Neuenahr eine neue Startwinde. Ich war in ganz Deutschland, in den Niederlanden und auch in England unterwegs, um mir verschiedene Modelle anzusehen. Nach einem halben Jahr Probebetrieb mit dem Prototyp hat der Verein die erste elektrische Serienwinde von Jürgen Volk gekauft. Heute, etwa 25 Jahre später, haben wir diese immer noch und betreiben sie seit zwei Jahren sogar mit eigenem PV-Strom. Ja, die Winde hat zwischendurch ordentlich Geld gekostet und muss gewissenhaft gewartet werden, aber die Entscheidung stellt niemand mehr infrage. Viele Vereine investieren Unsummen in neue Flugzeuge, um sie mit maroden Uralt-Winden zu schleppen. So wird das nichts mit Sicherheit.

Wie hat sich der Segelflug über die Jahre verändert?

Die Papierlage ist komplizierter geworden. Die EASA-Regularien haben zweifellos Vorteile, aber früher war vieles einfacher. Oft muss selbst ich online irgendwelche Bedingungen nachschauen, die früher im Klartext in der LuftPersV standen. Der digitale Ausbildungsnachweis hat ebenfalls Vor- und Nachteile. Konnte ich früher auf Papier sofort sehen, wo ein Schüler steht, muss ich mich heute erst mal in den "Vereinsflieger" einloggen. Und wehe, es gerät vor dem Alleinflug auch nur eine Seilrissübung oder so in Vergessenheit!

Das andere ist die menschliche Seite. Segelflug war früher etwas Besonderes. Heute stehen wir in Konkurrenz zu anderen Aktivitäten. Wer heute in den Verein kommt, hat oft schon Fallschirmsprünge hinter sich, Bungee Jumping oder andere Extrem-Erfahrungen gemacht. Ich will das alles gar nicht schlechtreden. Wir hatten früher tolle Gemeinschaften in Trier-Euren oder in Hirzenhain. Aber auch heute läuft es oft richtig gut. Wenn die Schüler mitdenken, anpacken und bei der Sache sind, macht das richtig Laune. In Bad Neuenahr haben wir so eine engagierte Schülergruppe. Das sind genau die Tage, an denen ich abends zufrieden nach Hause radele. Falls du das jetzt hören wolltest: Nein, früher war nicht alles besser.

Gibt es etwas, das aus deiner Sicht nicht so gut läuft?

Schade finde ich es, wenn Schüler unvermittelt aufhören. Das hat sich in all den Jahren nicht wesentlich verändert. Viele fangen an, aber nur wenige bleiben dabei. Ich gebe zu, dass ich als Lehrer manchmal ein bisschen beleidigt war. Da bringe ich einem Schüler in vielen Stunden ganz viel bei, bis er oder sie das Fliegen einigermaßen beherrscht, und dann verschwindet dieser Mensch spurlos. Das ist echt traurig, gerade im Ehrenamt.

Fliegst du auch privat?

Als junger Pilot bin ich sehr viel allein geflogen, später fast nur noch als Lehrer. Ohne die Schulung hätte ich die Fliegerei vielleicht sogar aufgegeben. Wir haben drei heute erwachsene Kinder, mit viel Eigenleistung ein Haus gebaut, und beruflich gab es stressige Zeiten, gerade in meiner Selbstständigkeit als Verleger und Herausgeber des DAeC-Magazins "LuftSport". Wenn man über längere Zeit zu wenig fliegt, wird man unsicher. So hatte ich aber immer meinen Dienstplan, der mich auch in schwierigen Zeiten regelmäßig zum Flugplatz gebracht hat. Heute genieße ich abseits der Schulung die Treffen des Vintage Glider Clubs in ganz Europa. Oldtimerfliegen macht einfach Laune!

Wie lange möchtest du noch schulen?

Ich werde gerade 74 geworden sein, wenn dieses Gespräch erscheint. Mit 75 ist Schluss! Im Alter lässt das Reaktionsvermögen nach, und man wird vergesslich, das ist mir sehr bewusst. Selbstverständliche Handgriffe können in Vergessenheit geraten, man wird langsamer und unsicher. Bisher ist keinem meiner Schüler etwas zugestoßen. Das muss auch so bleiben!