Ein Mann – ein Flugzeug: so könnte man die Bedeutung von Russel W. Meyer Jr. für den Flugzeughersteller Cessna auf den Punkt bringen. Wobei es korrekter heißen müsste "Ein Mann – eine Flugzeugfamilie". Denn sein Name ist vor allem mit der Citation-Reihe verbunden, den Business Jets aus dem Hause Cessna, das heute zum Mischkonzern Textron gehört.
Anfänge in der Militärfliegerei
Meyer wurde am 19. Juli 1932 in Davenport, Iowa, geboren und erwarb 1954 einen Bachelorabschluss an der Yale University sowie 1961 einen Doktor der Rechtswissenschaften an der Harvard Law School. Von 1955 bis 1958 diente er als Jetpilot in der US-Luftwaffe und anschließend bis 1961 bei der Reserve des US-Marine Corps.
Nach seiner Armeezeit arbeitete Meyer als Anwalt im Bereich Luftfahrtrecht und wurde 1966 Präsident und CEO der Grumman American Aviation Corporation. Das Unternehmen leitete er bis 1974.

Der Citation-Macher: Für alle Jets der Serie besaß der passionierte Pilote Russ Meyer das passende Rating.
Seit 1974 bei Cessna am Steuer
Im Juni 1974 trat Russel W. Meyer als Executive Vice President in die Cessna Aircraft Company ein und wurde 1975 zum Chairman und CEO gewählt. Von da an lenkte er fast drei Jahrzehnte lang die Geschicke von Cessna und gilt als Vater der Cessna Citation-Jet-Reihe, die während seiner Amtszeit entwickelt und in den Markt eingeführt wurde. Unter Meyers Führung lieferte das Unternehmen fast 5000 Citation-Jets aus – insgesamt waren es in dieser Zeit unvorstellbare 67.000 Flugzeuge. Überdies spielte er eine Schlüsselrolle bei der Stabilisierung der Branche durch den General Aviation Revitalization Act von 1994 und erhielt höchste Auszeichnungen der Luftfahrt, darunter zwei Collier Trophies, die Wright Brothers Memorial Trophy und die Aufnahme in die National Aviation Hall of Fame.

Beste Kontakte nach ganz oben: Meyer mit dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton in der Cessna-Fertigung.
2003 trat Russel W. Meyer als Chairman bei Cessna zurück, blieb dem Unternehmen aber als Ehrenvorsitzender eng verbunden.
17.000 Flugstunden und alle Ratings
Sein ganzes Leben lang war Meyer begeisterter Pilot. Er verfügte über eine Berufspilotenlizenz mit Instrumentenflugberechtigung und absolvierte mehr als 17.000 Flugstunden. Wie sehr er sich mit seinen Flugzeugen identifizierte, lässt die Tatsache erkennen, dass er zum Zeitpunkt seines Ausscheidens über die Musterberechtigung für jedes jemals produzierte Cessna Citation-Modell verfügte.
Nicht nur Pilot, sondern auch Mensch
Russel W. Meyer Jr. glaubte daran, die Luftfahrt nutzen zu können, um Menschen zu helfen. Er gründete die Special Olympics Airlift, die seit 40 Jahren Athleten zu den Spielen transportiert, und unterstützte die Entwicklung von Arbeitskräften, indem er das Wichita's 21st Street Training Program ins Leben rief, um benachteiligten Einwohnern Karrierechancen zu bieten. Seine Leidenschaft für die Jugendförderung erstreckte sich überdies auf viele wichtige Wohltätigkeitsorganisationen und -projekte, heißt es im Nachruf von Textron Aviation.

Ein volksnaher Typ: Russ Mesyer im Austausch mit "ganz normalen Leuten".
"Russ war ein bemerkenswerter Mensch und eine der angesehensten Führungspersönlichkeiten, die ich je gekannt habe", ließ sich Ron Draper, Präsident und CEO von Textron Aviation, zitieren. "Ich schätzte Russ nicht nur wegen seines außergewöhnlichen Geschäftssinns, sondern auch wegen seiner Integrität, Bescheidenheit und aufrichtigen Fürsorge, die er Menschen in jeder Phase seines Lebens entgegenbrachte. Er führte mit Überzeugung, Mitgefühl und der unerschütterlichen Überzeugung, dass Führung die Verantwortung mit sich bringt, etwas zu dienen, das größer ist als man selbst. Im Namen des gesamten Teams von Textron Aviation spreche ich Russ' Familie, Freunden und allen, die das Privileg hatten, ihn zu kennen und mit ihm zusammenzuarbeiten, mein tiefstes Beileid aus. Es war mir eine große Ehre, Russ als Kollegen, Mentor und Freund gekannt zu haben."





