Zwei französische Unternehmen planen zusammen eine neue Initiative zur Herstellung klimafreundlicher Kraftstoffe. Das Projekt H4 Marseille Fos von Hy2gen France und das Startup Rhône Décarbonation haben dazu eine strategische Partnerschaft vereinbart. Das gaben beide Unternehmen nun in einer Pressemitteilung bekannt. Langfristig wollen die Partner durch ihre Kooperation klimafreundliches e-SAF herstellen, dessen biogener CO₂-Bedarf durch CCU (Carbon Capture and Utilization) aus der Luft entnommen werden soll. In der Mitteilung ist die Rede von 50 Prozent des Bedarfs für die e-SAF-Produktion, der auf diese Weise gewonnen werden soll. Das Verfahren gilt derzeit noch als sehr energieintensiv und daher kaum wirtschaftlich tragbar.
CO₂ für die Herstellung von Methan
Die Kooperation ist laut den Initiatoren die ersten strukturierte CCU-Wertschöpfungskette in Frankreich. Dabei soll lokal bezogenes CO₂ für die Kraftstoffproduktion verwendet werden. H4 Marseille Fos benötigt CO₂ es für die Herstellung von Methan, das anschließend zu e-SAF weiterverarbeitet wird. Nach Angaben der Projektleitung von Rhône Décarbonation soll das CO₂ direkt an der Quelle entlang des Rhône-Korridors erfasst und zu den industriellen Abnehmern transportiert werden. Im Zementwerk von Vicat in Montalieu-Vercieu sollen dann jährlich 1,2 Millionen Tonnen CO₂ mit bewährten Abscheidetechnologien zur Verfügung gestellt und über Pipelines zu H4 Marseille Fos transportiert werden.
75.000 Tonnen e-SAF pro Jahr
Das gesicherte biogene CO₂ werde die e-SAF-Produktion von H4 Marseille Fos ab dem geplanten Produktionsstart im Jahr 2032 versorgen, so der Hersteller. "Die Dekarbonisierung der Luftfahrt made in Europe bei H4 Marseille Fos zählt zu den am weitesten fortgeschrittenen e-SAF-Projekten Europas", betont das Unternehmen in der Pressemitteilung. Ab 2032 werde die Anlage jährlich 75.000 Tonnen e-SAF mittels Methanol-to-Jet-Technologie produzieren und die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu fossilem Kerosin um bis zu 84 Prozent senken – das entspricht laut H4 Marseille Fos einer jährlichen Einsparung von rund 240.000 Tonnen CO₂- Äquivalent.
Energie-Resilienz für ganz Europa
Die Initiative soll einen wesentlichen Beitrag zum europäischen Ziel leisten, bis 2040 einen e-SAF-Anteil von zehn Prozent an den Flugkraftstoffen zu erreichen, wie es die ReFuelEU-Aviation- Verordnung vorsieht. Die Partnerschaft strebt dabei eine industrielle Wertschöpfungskette für Südfrankreich an, die mehr Energie-Resilienz für ganz Europa sicherstellen soll, insbesondere angesichts der jüngsten geopolitischen Unsicherheiten und teilweise instabiler Energiemärkte. Die Unabhängigkeit von fossilen Energieimporten habe erheblich an Bedeutung gewonnen, so die Mitteilung der Unternehmen: "Im Sinne der europäischen Bemühungen um mehr Energie-Resilienz schafft H4 Marseille Fos eine flexible, lokal verankerte Produktionskette für nachhaltige Flugkraftstoffe." Ziel von Hy2gen sei es außerdem, Kraftstoff zu produzieren, der die EU-Nachhaltigkeitsvorgaben für Kraftstofflieferanten erfüllt.
Das synthetisch hergestellte e-SAF wird auf die europäischen Quoten angerechnet, sofern der Wasserstoff bis 2040 aus erneuerbarer Energie und kohlenstoffarmem Strom stammt und der Kohlenstoff aus einer nachhaltigen, biogenen Quelle gewonnen wird. H4 Marseille Fos versichert in der Mitteilung, dass das nun gesicherte biogene CO₂ dieses Kriterium erfülle.
Energie für wettbewerbsintensive Standorte
Die Methanol-to-Jet-Technologie ermögliche es zudem, e-Methanol per Schiff anzuliefern und vor Ort zu e-SAF weiterzuverarbeiten, heißt von Seiten der Unternehmen. Der Standort könne somit langfristig als europäischer Import-Hub für e-Methanol dienen – etwa aus Regionen mit besonders wettbewerbsfähigen Produktionskosten.
Extrem hohe Kosten bei Herstellung von e-SAF
Die wirtschlich tragbare Herstellung von e-SAF durch CCU bleibt dennoch eine große Herausforderung, die bislang ohne staatliche Subventionen kaum zu stemmen ist. Studien, die unter anderem das deutsche Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat, gehen von vielfach höheren Produktionskosten aus als durch fossile Energieträger derzeit möglich.





