Mit einem Post auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social sorgt der US-Präsident mal wieder für Furore. Trumps Zorn richtet sich diesmal gegen den kanadischen Flugzeughersteller Bombardier im Speziellen und gegen alle in Kanada gebauten Flugzeuge im Allgemeinen. Donald Trump droht mit dem Entzug aller FAA-Zulassungen für Flugzeuge "made in Canada", was ein sofortiges Grounding bedeuten würde. Je nach Lesart des Posts kann man davon ausgehen, dass dieser Schritt bereits vollzogen worden sein könnte. Vieles bleibt nebulös, wie so oft, wenn sich Trump äußert.
Wörtlich heißt es in dem Beitrag vom 30. Januar:
"Aufgrund der Tatsache, dass Kanada die Zertifizierung der Gulfstream 500, 600, 700 und 800, eines der größten und technologisch fortschrittlichsten Flugzeuge, das jemals gebaut wurde, verweigert hat, entziehen wir hiermit den Bombardier Global Express und allen in Kanada hergestellten Flugzeugen die Zertifizierung, bis Gulfstream, ein großartiges amerikanisches Unternehmen, vollständig zertifiziert ist, wie es schon vor vielen Jahren hätte geschehen sollen. Darüber hinaus verbietet Kanada durch genau dieses Zertifizierungsverfahren effektiv den Verkauf von Gulfstream-Produkten in Kanada. Sollte diese Situation aus irgendeinem Grund nicht umgehend korrigiert werden, werde ich Kanada einen Zoll von 50 % auf alle Flugzeuge auferlegen, die in die Vereinigten Staaten von Amerika verkauft werden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit in dieser Angelegenheit!"

Donald Trump äußert sich auf Truth Social.
Weshalb die Luftfahrtbehörde Transport Canada einige Gulfstream-Jets bislang nicht zertifiziert hat, ist unklar. Im Rückblick verlief die Zertifizierung der G700 holprig: Im April 2022 gab Gulfstreams Muttergesellschaft General Dynamics bekannt, dass sich die Zulassung in den USA verzögern könnte, da die FAA eine besonders gründliche Prüfung der Flugsteuersoftware angeordnet hatte. Auslöser waren mutmaßlich die damaligen Probleme mit der Boeing 737. Schließlich wurden die Zulassungen in den USA und Europa im Jahr 2024 erteilt, rund zwei Jahre später als geplant.
Deeskalierende Worte von Bombardier
Seitens Bombardier, dem unmittelbaren Mitbewerber von Gulfstream, gibt es erste Reaktionen. In einem Statement an die Mitarbeiter schreibt CEO und President Éric Martel: "Der Präsident der Vereinigten Staaten hat in den sozialen Medien über unser Unternehmen und in Kanada hergestellte Flugzeuge gepostet. Ich verstehe, dass solche öffentlichen Äußerungen Fragen und Unsicherheit hervorrufen, und ich möchte Ihnen versichern, dass wir eng mit der kanadischen Regierung sowie mit Kollegen in den USA zusammenarbeiten, um die Situation zu klären."
Martel verweist auf die Bedeutung von Bombardier für die US-amerikanische Wirtschaft: "Wir beschäftigen mehr als 3000 Mitarbeiter in neun großen US-Werken und sichern durch ein Netzwerk von 2800 Zulieferern Tausende weiterer amerikanischer Arbeitsplätze." Zugleich bekräftigt Martel die Absicht von Bombardier, weiterhin in den USA zu investieren. Das Statement auf der Website von Bombardier deckt sich mit seiner Aussage: "Tausende in Kanada gebaute Privat- und Ziviljets fliegen täglich in den USA. Wir hoffen, dass diese Angelegenheit schnell geklärt wird, um erhebliche Auswirkungen auf den Flugverkehr und die Fluggäste zu vermeiden." Flugzeuge, Werke und Techniker seien vollständig nach FAA-Standards zertifiziert und weltweit anerkannt. Die Luftfahrtbehörden FAA und Transport Canada sowie Gulfstream haben sich indes noch nicht geäußert.
Nicht nur Bombardier wäre betroffen
Nimmt man Trump beim Wort, wären neben Global- und Challenger-Jets auch weitere Luftfahrzeuge betroffen. So ist der Airbus A220 aus der CSeries von Bombardier hervorgegangen. Die Kanadier verkauften das Programm im Jahr 2018 – heute wird der Passagierjet unter der Regie von Airbus Canada auch in Mobile, Alabama, in den USA gebaut. In Mirabel, Quebec, ist Bell Textron aktiv, wo zivile Hubschrauber wie die erfolgreiche Bell 505 vom Band laufen. Es sind auch noch etliche Regionalflugzeuge von de Havilland Canada unterwegs, unter anderem die Turboprop "Dash 8". Auch der österreichische Hersteller Diamond Aircraft produziert in Kanada. Nicht zuletzt treiben Turbinen von Pratt & Whitney Canada zahlreiche Business Jets und Turboprop-Flugzeuge an.
Als ob das nicht genug wäre, schwingt der Präsident der Vereinigten Staaten obendrein seine Zollkeule. 50 Prozent Zoll auf alle in den USA verkauften Flugzeuge aus Kanada stehen im Raum. Die Frage ist allerdings: Wer soll diese kaufen, wenn sie ohnehin nicht mit US-Registrierung fliegen dürfen?
Kommentar: King Donald auf Schlingerkurs
Das Bemerkenswerte an Trumps Statement ist wieder einmal, dass es niemanden mehr überrascht. Der Präsident agiert gewohnt erratisch. "Flood the Zone with Shit", diese von seinem Ex-Berater Steve Bannon geprägte Strategie ist sein Markenzeichen. Es geht darum, mit einer hohen Schlagzahl an Themen Zorn und Verwirrung zu stiften, Dichtung und Wahrheit zu vermischen, um von anderen Problemen abzulenken, ohne dass eine klare Linie erkennbar wäre. Diesmal geht es nicht um die Entführung des venezolanischen Staatschefs Maduro, auch nicht um die Invasion von Grönland oder die tödliche Gewalt durch seine ICE-Truppen, sondern um eine bitterböse wirtschaftliche Drohung, die das Potenzial hat, die Luftfahrt-Industrie in eine globale Krise zu stürzen. Zu wichtig ist der US-amerikanische Markt, um ihn zu ignorieren.
Die Folgen eines willkürlichen Groundings (ohne Sicherheitsgründe) wären kaum absehbar und dürften auch für die US-Wirtschaft zum Eigentor werden, denn die Branche ist über Grenzen hinweg vernetzt. Bombardier baut Business Jets in Kanada, wickelt sein Wartungs- und Ersatzteilgeschäft aber ausschließlich in den USA ab. Airbus ist als europäisches Unternehmen in Kanada und den USA aktiv. In der Business Aviation gehört Bombardier zu den führenden Herstellern, zu dessen Kunden unter anderem der US-Ableger des Branchenriesen NetJets als Global-Betreiber gehört. Ohne Hubschrauber geht in dem für Trump so wichtigen Ölgeschäft ebenso wenig wie bei touristischen Rundflügen über New York und dem Grand Canyon – viele der Drehflügler werden allerdings in Kanada gebaut. Auch US-amerikanische Airlines betreiben unzählige Flugzeuge "made in Canada" – die A220 fliegt zum Beispiel bei Jetblue und Delta Air Lines. Sogar das US-Militär nutzt Bombardier-Jets aus dem von Trump so verachteten Nachbarland Kanada. Nicht zuletzt: Wie viele Geschäftsleute aus dem präsidialen Dunstkreis fliegen wohl mit Bombardier Jets? Wie so oft hat der Präsident "mal einen rausgehauen", ohne die Folgen zu bedenken.
Es stellt sich die Frage nach dem "Why, Mr President?" In der Regel arbeiten die Luftfahrtbehörden über Grenzen hinweg konstruktiv zusammen, sodass Trumps Keule kontraproduktiv ist. Ein Dialog um die Anerkennung der Gulfstream-Zulassungen dürfte eher zum Ziel führen. Unbeantwortet ist auch die Frage nach den Zuständigkeiten. Darf ein US-Präsident seine eigene Luftfahrtbehörde übertölpeln und per Dekret (oder Truth-Social-Posting) Flugzeugen die Zulassung entziehen? Verbindliche Antworten zu finden, dürfte in der neuen, von Trumps verbalen Ergüssen geprägten Welt ein schwieriges Unterfangen sein.





