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Hans Obermeier im Interview

Die Branche ist wie eine Familie

Hans Obermeier ist Geschäftsführer von Beechcraft Augsburg, die in Augsburg Air Service umfirmiert wurde, und seit 40 Jahren in der Firma. Er kennt die Luftfahrt aus Sicht der Technik, des Vertriebs, des Flugbetriebs und des Cockpits.

Seit 40 Jahren bist du in ein und derselben Firma, nämlich der heutigen Augsburg Air Service GmbH. Denkt man da nicht ab und zu an den Ruhestand?

Die jüngere Generation wird schon an die Aufgaben herangeführt. Solange es die Gesundheit zulässt und die Aufgaben Spaß machen, mache ich weiter. Ich bin schon übers Rentenalter hinaus, aber am Ruhestand wird gearbeitet. Wichtig ist, dass der Betrieb gut läuft.

Erinnerst du dich an den ersten Arbeitstag in der Firma?

Ja. Es war der 15. Januar 1975. Ich kam vom Bayerischen Flugdienst in München-Riem und wurde als Werkstattleiter in Augsburg eingestellt. Damals hieß die Firma noch Denzel, und wir hatten zwölf Mitarbeiter. 

Warst du damals schon Pilot?

Ich hatte aus Interesse 1972 nebenbei in München-Riem meinen PPL gemacht. Der Berufspilotenschein CPL II kam 1983 hinzu, ein Jahr später die Instrumentenflugberechtigung. Ich fliege alle Propellermuster, die Beech hergestellt hat, bis zur Beech 1900 und die Premier I. Zusätzlich erwarb ich noch die Verkehrspilotenlizenz ATPL.  Ich bin Class Rating Instructor, Type Rating Instructor und Type Rating Examiner. Seit August 2014 bin ich auch noch als Instrument Rating Instructor aktiv.

Wann wurdest du Geschäftsführer der Beechcraft Vertrieb und Service GmbH?

Das war 1987. 1985 hatte Hans Schneider die Firma übernommen und in Beechcraft Vertrieb und Service GmbH umfirmiert. Da war ich Leiter der Qualitätssicherung und Prüfer Klasse 1. Ich kam ja von der Technik und bin dann ins kalte Wasser gesprungen. Ich habe einen Betriebsleiter-Lehrgang absolviert, und nach einem Jahr wurde mir die Verantwortung allein übertragen.

Hast du damit die Prüfertätigkeiten aufgegeben?

Nein, auch wenn der Tätigkeitsschwerpunkt dann auf dem Flugzeugverkauf lag. Das war für mich Neuland. 

Hans Obermeier ist in vielen Cockpits zu Hause. Er ist unter anderem Prüfer für verschiedene Muster. Foto und Copyright: Herzog

Wie viele Flugzeuge hast du bisher verkauft?

Ich habe sie selbst nicht gezählt. Aber es dürften über 200 gewesen sein. Mein erster Verkauf war gleich eine Beech 1900. Es gab sehr schöne Erfahrungen, da könnte man ganze Bücher darüber schreiben. 

Ich habe immer versucht, eine sinnvolle Balance zu erreichen: Der Kunde soll vom Kauf profitieren, aber man muss auch Geld verdienen. Ich habe heute noch Kontakt zu vielen Kunden, auch wenn sie kein Flugzeug mehr betreiben. Ich durfte manche Kunden sogar mehrfach beim Kauf und Verkauf ihrer Flugzeuge betreuen.

Wie hat sich der Flugzeugverkauf über die Jahre verändert?

Es gab immer Zyklen. Früher war man mehr auf Deutschland konzentriert, heute ist das Geschäft international. Es ist eine andere Art des Verkaufs geworden. Der Markt ist heute viel transparenter, und der Zeitfaktor spielt für die Kunden heute eine viel größere Rolle bei der Beschaffung eines Flugzeugs. Kleine und mittelständische Unternehmen sind heute trotz günstiger Airline-Tarife nach wie vor auf ein eigenes Flugzeug angewiesen – vor allem, wenn ihre Zielorte abseits von großen Flughäfen liegen.  

Gibt es angesichts der vielen Aufgaben auch ein Privatleben?

Ja, es gibt ein privates Leben. Das Familienleben darf nicht zu kurz kommen, aber das ist nichts für die Öffentlichkeit. Ich habe Hobby und Beruf zusammenführen dürfen. Zehn Stunden täglich in der Firma sind normal. Das wird akzeptiert und toleriert. Skifahren muss auch sein. Das begeistert mich immer wieder. Das Mountainbiken kommt leider ein wenig zu kurz. 

Fasziniert dich die Branche immer noch?

In der Branche wird eine stetige Weiterbildung gefordert. Wenn man etwas mit Freude macht, dann fällt es auch leichter, und Ziele sind auch erreichbar. Die Luftfahrt ist wie eine große Familie, das unterscheidet uns von anderen Branchen. Man kennt sich, man tauscht sich aus. Ich habe in der Vergangenheit immer Kontakt gehalten, auch zu den Mitbewerbern.

Heute ist alles internationaler, da ist man weltweit aktiv. Wir haben Kunden weit über den europäischen Raum hinaus. Wenn man jahrelang miteinander zu tun hat, dann entwickelt sich eine andere Beziehung, da entstehen auch Freundschaften. 

Hast du ein Erfolgsrezept?

Ich bin in der Oberpfalz aufgewachsen. Wir waren vier Buben. Das, was man schaffen wollte, musste man sich selbst erarbeiten. Man muss immer nach vorne schauen. Was hinter einem liegt, kann man nicht mehr ändern. Das Wichtigste ist die Gesundheit.

Augsburg Air Service

Foto und Copyright: Augsburg Air Service

Die Augsburg Air Service GmbH gehört seit Mai 2014 als eigenständige Tochtergesellschaft zur Atlas Air Service AG mit Hauptsitz in Ganderkesee. Die Firma wurde als Wolfgang Denzel GmbH gegründet und 1985 von Hans Schneider übernommen, der sie zur Beechcraft Vertrieb und Service GmbH umwandelte. 

Neben dem Vertrieb von Flugzeugen der Marken Beechcraft und Hawker waren Wartungsdienstleistungen für alle Flugzeuge schon immer ein Markenzeichen des Unternehmens. Unter anderem ist der Betrieb auch berechtigt, das Gesamtrettungssystem CAPS für Cirrus-Flugzeuge zu warten und zu überholen. Das Unternehmen unterhält Europas größtes Beechcraft-Ersatzteillager. Es ist nach EASA Part-145, EASA Part-M (CAMO) und EASA Part-21 zugelassen und FAA Repair Station. Zusätzlich ist die Firma von verschiedenen weiteren Ländern als Maintenance-Betrieb zertifiziert. Heute beschäftigt sie rund 80 fest angestellte Mitarbeiter.

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