Es ist ein klassisches Bild in Lokal- und Regionalzeitungen: Ein Segelflieger steht einsam auf einem Feld, daneben eine Figur mit weißem Hut und im Hintergrund Löschfahrzeuge und Rettungsdienst. Dazu nicht selten eine reißerische Überschrift. "Notlandung führt zu Feuerwehr-Großeinsatz" zum Beispiel.
Die immer wieder praktizierte mediale Dramatisierung einer schnöden Außenlandung ist das eine. Daran kann man sich genüsslich abarbeiten, den Schreibern und Fotografen sträfliche Unkenntnis vorwerfen und Kommentare in soziale Medien kübeln. Ändern wird es sich kaum, wenn man nicht von selbst anfängt, aufzuklären, beispielsweise durch einen Besuch in der Lokalredaktion am Anfang der Saison. Bestenfalls kombiniert mit einer Einladung zum Mitflug zwecks Berichterstattung.
Weit wichtiger aber ist, sich zu fragen, was man als Pilot tun kann, damit die Armada in rot – die zumeist von unbeteiligten Dritten alarmiert wird, die einen Flugzeugabsturz beobachtet zu haben glauben – gar nicht erst am Feldrand auftaucht. Kommunikation ist hier, wie so oft, das Stichwort. Aber wen kontaktiert man, um unnötige Feuerwehreinsätze zu vermeiden?

Nicht selten helfen die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr dabei, das Flugzeug an den Rand des feldes zu schieben, von wo aus es einfacher verladen werden kann.
Klare Empfehlung des Leitstellen-Fachverbandes
Stephan Bandlow, 1. stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes Leitstellen und Fachdienstleiter bei der Kooperativen Regionalleitstelle West in Elmshorn, hat auf diese Frage eine klare Antwort. Und die mag manchen Piloten überraschen.
"Nach jeder Außenlandung sollte unverzüglich der Notruf 112 gewählt werden", sagt der Fachmann mit vielen Jahren Berufspraxis auf aerokurier-Anfrage. "Auch wenn es sich luftfahrtrechtlich um einen völlig regulären Vorgang handelt, ist eine Außenlandung für unbeteiligte Dritte in der Regel nicht von einem Flugunfall zu unterscheiden. Genau an dieser Stelle entfaltet das Notrufsystem seine zentrale Stärke."
Nach jeder Außenlandung sollte unverzüglich der Notruf 112 gewählt werden!
Über die 112 werde der Anruf unmittelbar zur örtlich zuständigen integrierten Leitstelle geführt. Dort erfolge eine strukturierte und standardisierte Notrufabfrage, mit der innerhalb kürzester Zeit geklärt werden kann, ob eine Notlage vorliegt oder sicher ausgeschlossen werden kann. Diese frühzeitige Einordnung sei entscheidend, um unnötige Einsatzmaßnahmen zu vermeiden.

Anhand der ihnen zur Verfügung stehenden Informationen entscheiden die Disponenten in der Leitstelle, welche Einsatzkräfte sie ausrücken lassen.
"Liegt die Information ,Außenlandung – kein Unfall´ frühzeitig vor, kann die Leitstelle den Kräfteansatz lagegerecht steuern. Das bedeutet konkret: Entweder wird der Einsatz deutlich reduziert oder ausschließlich an die Polizei übergeben und damit ganz auf eine Alarmierung von Feuerwehr und/oder Rettungsdienst verzichtet. Ohne diese Vorabinformation wird ein gemeldeter ,Flugzeugabsturz´ aus nachvollziehbaren Gründen regelmäßig mit einem vorgeplanten und in der Regel größeren Kräfteansatz disponiert."
Die Möglichkeit genauer Standortbestimmung
Ein weiterer wesentlicher Vorteil des Notrufs über 112 sei laut Bandlow die Möglichkeit der technischen Standortbestimmung. "Sollte die genaue Position der Landestelle vom Piloten nicht sicher benannt werden können, kann über das System der sogenannten ,Advanced Mobile Location´, kurz AML, eine präzise Ortung erfolgen. Gerade bei Außenlandungen in unübersichtlichem Gelände ist dies ein erheblicher Sicherheitsgewinn."
Den mitunter praktizierten Weg, die nächstgelegene Polizeidienststelle zu informieren, um den Notruf nicht zu blockieren, sei nachvollziehbar, jedoch aus systemischer Sicht nicht optimal. "Es fehlt dort die standardisierte Notrufabfrage sowie die unmittelbare einsatztaktische Bewertung. Zudem können durch Weiterleitungen Zeitverluste entstehen, und die Information erreicht die Leitstelle nicht immer in der notwendigen Qualität."
Für eine schnelle und belastbare Lageeinschätzung empfiehlt Bandlow Pilotinnen und Piloten, beim Notruf folgende Informationen zu übermitteln:
- Hinweis: "Außenlandung Segelflugzeug – kein Unfall"
- Zustand: unverletzt / keine Gefährdung
- möglichst genaue Position (ggf. erfolgt hier sonst die Ortung)
- Beschreibung der Lage vor Ort
- Rückrufnummer
Keine Kosten für die Piloten
Regelmäßig steht bei Außenlandungen auch die Frage im Raum, wer für einen dadurch verursachten unnötigen Feuerwehreinsatz aufkommen muss. Hier gibt Bandlow Entwarnung: "Wird ein Einsatz durch Dritte ausgelöst, die eine Außenlandung als vermeintlichen Absturz melden, entstehen dem Piloten in der Regel keine Kosten. Gerade bei ,Flugzeugabsturz´-Meldungen wird man regelmäßig mindestens von einer Anscheinsgefahr ausgehen, häufig sogar zunächst operativ wie bei einer realen Gefahr disponieren, Stichwort: Worst-Case-Prinzip der Gefahrenabwehr." Anders könne dies im Einzelfall bei vermeidbaren oder fahrlässig ausgelösten Einsätzen bewertet werden.

Die Notlandung von Hanno Fischer († 25. November 2024) mit seiner RW-3 Multoplane infolge von Motorproblemen im Sommer 2017 ging glimpflich aus. Die Polizei nahm den Fall auf, protokollierte aber nur einen "geringen Sachschaden".
Unabhängig davon trägt die frühzeitige Meldung über die 112 maßgeblich dazu bei, unnötige Einsatzmaßnahmen und damit verbundene Kosten gar nicht erst entstehen zu lassen.
Zusammenfassend gelte laut Bandlow, dass die unverzügliche Meldung über den Notruf 112 auch bei einer regelgerechten Außenlandung der richtige erste Schritt sei. Nur so könne die Lage unmittelbar bewertet, ein Notfall ausgeschlossen und der Kräfteansatz zielgerichtet reduziert oder ganz zurückgehalten werden.





