Ein Gespenst geht um in der Luftfahrtgeschichte: der Nurflügler. Seit das Reichsluftfahrtministerium im Zweiten Weltkriegs die Horten H IX als Wunderwaffe bauen ließ, ist der Nurflügler ein Mythos. Allerdings ist er das in der zivilen Luftfahrtgeschichte bis heute auch geblieben. Am Flugplatz Eisenach-Kindel soll nun aber ein neuer Versuch gewagt werden, das Konzept in die Luft und auf den Flugzeugmarkt zu bringen.
Ultraleichte Horten HX-2 bereits 2019 vorgestellt
Der Flugzeugbauer Horten Aircraft will mit dem neuen Nurflügler-Projekt durchstarten. Nachdem die ultraleichte Horten HX-2 der Eisenacher bereits auf der AERO 2019 für Aufsehen sorgte, war es in den folgenden Jahren still geworden um das Projekt. Nun will das Unternehmen auf Basis der HX-2 die Horten NG2 (Next Generation) bauen und wirbt auf seiner Homepage um Investoren für das Projekt.
Neues FAA-Regelwerk soll helfen
Ein neues Regelwerk der US-Luftfahrtbehörde FAA, das sogenannte MOSAIC (Modernization of Special Airworthiness Certification), gibt dem Nurflügler-Projekt Auftrieb. Die FAA will mit MOSAIC die Bauvorschriften deregulieren und somit Innovationen fördern. Die Horten NG2 mit höherem MTOW als die HX-2 kann durch das neue Regelwerk auch mit Einziehfahrwerk zugelassen werden. Horten Aircraft verspricht einen Nurflügler, der mit dem Rotax 916iS "unvergleichliche Effizienz" bietet. Außerdem soll das Flugzeug "mit den eleganten, futuristischen Linien des Nurflügel-Designs" ein "Blickfang" auf dem Vorfeld werden. In der Luft soll "ihre schlichte Eleganz noch beeindruckender" werden. Der Hersteller verspricht außerdem auch beim Interieur ein "echtes Premium-Erlebnis".
Nachteile: lange Startstrecke, eingeschränkte Sicht
Doch das Konzept bringt auch Nachteile mit sich: In der Regel brauchen Nurflügler eine längere Startrollstrecke als vergleichbare Flugzeuge mit konventionellem Design, was besonders auf kleineren GA-Plätzen und unbefestigten Pisten zum Problem werden könnte. Darüber hinaus ist die Sicht auf die Landschaft unter dem Nurflügler-Cockpit deutlich eingeschränkter als bei einem konventionellen Tiefdecker. Besonders für Genussflieger dürfte das ein nicht unwesentlicher Nachteil sein. Dass das Projekt aus Eisenach trotzdem seine Anhänger findet, ist durchaus möglich. Dass es den Flugzeugmarkt aufmischen wird, vermutlich eher nicht.





