in Kooperation mit
Dossier zum Lilium Jet
Hoffnungsträger oder Hochstapler?
Lilium Montage: Harald Hornig

Lilium und Co.

Fördermittel für Lufttaxis

Wenngleich ein Großteil der Flugtaxi-Projekte privat finanziert ist, fließen auch erheblich öffentliche Mittel in die Erforschung der Urban Air Mobility. Ob das Geld gut angelegt ist, hängt vom jeweiligen Vorhaben ab.

Neben den technischen Parametern, die begründete Zweifel an der Realisierung des Lilium-Projekts aufkommen lassen, drängen sich zudem Fragen auf, die vor allem das wirtschaftliche Konzept der Lufttaxi-Idee betreffen. Dies gilt natürlich ebenso für andere Start-ups, die solche Fluggeräte entwickeln. Unklar ist unter anderem, welche Marktperspektiven Projekte wie Lilium jenseits der landläufigen Folklore vom futuristischen Alleskönner tatsächlich haben. Ob innerstädtische Verbindungen oder Flüge zwischen den Metropolen angeboten werden sollen, ist je nach Projekt unterschiedlich. Im Fall Lilium ist die Rede von einer Reichweite bis zu 300 Kilometer, was für kurze bis mittlere Städteverbindungen spricht. Ob hier wirklich ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis in Konkurrenz zum Schienenverkehr möglich ist, wurde von Lilium bislang nicht belegt. Auf der Internetseite des Start-ups sind dazu vor allem blumige Aussagen zu finden. Beispiel: „Wir sind bestrebt, die Möglichkeiten unserer Technologie zu entdecken und auszubauen und sicherzustellen, dass wir als Kraft für das Gute handeln.“

Doch die selbst gesetzten Ansprüche sind hoch. So soll sich das Angebot nicht in erster Linie an vermögende Kunden richten, sondern ein Verkehrsmittel für alle sein. Zugleich verspricht man eine viermal schnellere Beförderung gegenüber konventionellen Transportmitteln, und das zu wettbewerbsfähigen Preisen: „Wir wollen klarstellen: Mit Lilium zu reisen ist nicht nur etwas für die Reichen. Wir alle verdienen einen besseren Weg, um von A nach B zu gelangen, als den heutigen überlasteten Verkehr. Das ist es, was wir geschaffen haben“, betont Lilium im Netz. Weiter heißt es dort: „Durch die Kombination des bemerkenswert effizienten Lilium Jet mit digitaler Disposition und intelligentem Betrieb werden wir Beförderungen realisieren, die viermal schneller sind als mit dem Taxi, aber dennoch wettbewerbsfähig im Preis.“ Konkrete Zahlen: Fehlanzeige.

Unspezifische Aussagen versus tragfähiges Konzept

Ob derart unspezifische Aussagen ein tragfähiges wirtschaftliches Konzept ersetzen können, ist fraglich. Die Förderung solcher Projekte aus öffentlichen Kassen kann man in diesem Fall zumindest kritisch sehen. Zweifellos ist die Unterstützung innovativer Unternehmensgründer eine wichtige Aufgabe des Staates. Es drängt sich aber mitunter der Eindruck auf, dass der Business-Plan eines Existenzgründers im Vergleich höheren Standards genügen muss als der Antrag auf Fördermittel bei manchen Luftfahrtprojekten. Lilium wird unter anderem vom bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert. Die Unterstützung im Rahmen des ESA-BIC-Programms beläuft sich auf 50 000 Euro. Weitaus höhere Summen werden aber für die breite Förderung elektrischer und autonomer Luftfahrtprojekte allgemein bereitgestellt. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg fördert beispielsweise mit dem Projekt „E-Fliegen“ den Aufbau einer Testumgebung für elektrisches, energieeffizientes und autonomes Fliegen mit einer Summe von 1,3 Millionen Euro. Die Förderung innovativer Start-ups im Bereich Luftfahrt ist außerdem Teil des Programms „Innova-tionsgutscheine Hightech“. Seit 2014 wurden mit dem Förderprogramm ungefähr 350 junge Hochtechnologieunternehmen unterstützt, was einem Fördervolumen von rund 7,5 Millionen Euro entspricht.

Förderung für mehrere Projekte

Auch das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) stellte über sein Luftfahrtforschungsprogramm rund 5,6 Millionen Euro bereit. Gefördert wurden bislang mehrere Lufttaxi-Projekte, unter anderem City Airbus und Siemens-Elektromotoren für Luftfahrzeuge. Die Firma e-volo GmbH bekam im Zeitraum von April 2012 bis März 2015 im Rahmen des Zentralen Innova-tionsprogramms Mittelstand (ZIM) einen Zuschuss in Höhe von 91 326 Euro. Mit der Zuwendung wurde die Entwicklung des Volocopters unterstützt.

Natürlich kann nicht jede einzelne Förderung aus staatlicher Hand zu einem wirtschaftlichen und technologischen Durchbruch des betreffenden Unternehmens führen. Auch das Scheitern einer Idee muss erlaubt sein. Möglicherweise schaffen aber Subventionen nach dem Gießkannen-Prinzip für technisch und konzeptionell wenig ausgereifte Technologien unter Umständen auch falsche Anreize.