Antidotum-Airshow: Das Gegengift aus Leszno

Antidotum-Airshow
Das „Gegengift“ aus Leszno

ArtikeldatumVeröffentlicht am 03.07.2026
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Drei ANBO Jak-50 Kunstflugzeuge bei einer Flugshow, ziehen Rauchspuren am Himmel.
Foto: Patrick Hoeveler

Es faucht, es bollert, es wummert über dem Flugplatz Leszno. Die Baltic Bees, eine Formation aus vier blau und gelb lackierten Aero L-39 Albatros, zischen in präziser Formation durch den Himmel. Lim-2, Spitfire und Corsair lassen die Geschichte der Jagd-fliegerei gegen Ende bzw. kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufleben, die Saab Viggen als einer der Topstars der Airshow hingegen schlägt die Brücke zu modernen Militärflugzeugen. Die dröhnen in Form eines Airbus A400M begleitet von zwei Eurofightern und einem Tornado der Luftwaffe über den Platz und bringen die Zuschauer mit einem Luftbetankungsmanöver zum Staunen. Während Bo 105 und UH-1 die Entwicklung der Kampfhubschrauber dokumentieren, dürfen – typisch für Flugevents im ehemaligen Ostblock – auch die Legenden der Agrarfliegerei nicht fehlen, die in der sozialistischen Landwirtschaft eine zentrale Rolle spielten. Mit ihren großvolumigen Sternmotoren sorgen Kruk, Dromader und An-2 für Gänsehaut schon beim Anlassen.

Auf dem 90 Hektar großen Grasplatz, ziemlich exakt 150 Kilometer östlich von Cottbus gelegen, tummeln sich normalerweise die Segel- und Motorflieger des Aeroklubs Leszczyński. Am vorletzten Juni-Wochenende spielen sie allerdings nur eine Nebenrolle, denn mit der Antidotum Airshow fallen dutzende Flugzeuge vom Weltkriegsveteran bis zur Kampfjet-Staffel in Leszno.

Antidotum? Man mag sich über den Namen dieses Events wundern, aber lässt man sich die Hintergründe erzählen, ergibt der durchaus Sinn. Die Faszination der Luftfahrt als Gegenmittel gegen das Übel der Welt – so könnte man es kurzfassen. Aber auch die Langversion ist spannend.

Sechs Freunde und eine Idee

Die große Party entspringt der engen Freundschaft von sechs Flugbegeisterten, die im Jahr 2012 erstmals zusammen eine kleine Airshow organsierten."Nur zwei von uns sind täglich hier vor Ort, der Rest ist über Polen verstreut. Wir suchten einfach einen Grund, um mehr Zeit gemeinsam zu verbringen", sagt Mittorganisatorin Agnieszka Paszyńska und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Über die Jahre wurde das Fliegerfest in Leszno stetig größer, das Kernteam involvierte immer mehr Freunde und Familienmitglieder, von denen viele bis heute dabei sind.

Der familiäre Spirit schließt auch die Teilnehmer ein. "Viele Piloten sind so begeistert, dass sie regelmäßig wiederkommen und in der Szene Werbung für die Show machen", sagt Agnieszka."Das ist ein Kerngedanke unserer Veranstaltung: Wir wollen etwas schaffen, das näher an den Menschen ist und eine freundschaftliche Atmosphäre aufbaut. Daher ist es wichtig für uns, dass alle Teilnehmer das Gefühl haben, Mitgestalter des Events zu sein."

Außergewöhnliche Programmpunkte

Schon früh setzten Agnieszka und ihre Mitstreiter auf ungewöhnliche Elemente, um auch Menschen auf den Flugplatz zu locken, die mit der Luftfahrt sonst wenig am Hut haben. Seit 2020 ist die Nacht-Flugshow ein zentrales Element, die die Action in der Luft mit Musik und Feuerwerk kombiniert. Gleichzeitig wollten die Organisatoren seit jeher so viele Arten des Fliegens zeigen wie möglich, nicht nur Jets und Kunstflugteams, sondern auch Segler, Modellflugzeuge oder Paraglider, um speziell bei der Jugend die Begeisterung für das Fliegen zu wecken.

Dass die Airshow es mal auf 80 000 Zuschauer bringen würde, das hatte die Crew nicht für möglich gehalten. Der Covid-Ausbruch 2020 brachte die Idee mit dem erweiterten Nacht-Event beinahe zum Scheitern. "Wir hatten alles geplant, doch dann kam die Pandemie, und wir mussten die Airshow absagen. Aber Ende Juli kam es unerwartet zu Lockerungen. Also entschieden wir uns, das alles in nur drei Wochen zu organisieren", erzählt Agnieszka. Aber für die abgespeckte Ausgabe musste ein neuer Name her. "Die Welt brauchte gerade vor allem eins: ein Gegenmittel. Auf der Suche nach einem Synonym kamen wir auf ,Antidotum‘." Eigentlich sollte die Bezeichnung nur einmalig sein, blieb aber auch aufgrund der weltpolitischen Lage hängen. "Die Idee liegt uns sehr am Herzen, und so entschlossen wir uns, das ,Gegenmittel‘ auch in den Folgejahren zu verabreichen."

Bronco-Crash, Gewitter, Happy End

Ein bisschen brauchten Agnieszka und ihr Team das Gegenmittel wahrscheinlich selbst, denn so turbulent wie 2026 verlief die Antidotum Airshow selten. Kurz vor dem offiziellen Startschuss am Freitag landete die OV-10 Bronco nach einem Trainingsflug ohne Fahrwerk und wurde schwer beschädigt. Auch die Graspiste bekam etwas ab, sodass keine Warbirds mehr fliegen konnten. Zu allem Überfluss zwang ein heftiges Gewitter zum Abbruch des Events. Allerdings hatte der Wettergott am nächsten Tag ein Einsehen: Die dunklen Wolken verzogen sich, und die Zuschauer konnten die Vorführungen bis zum Grande Finale mit spektakulärem Feuerwerk und stimmungsvoller Musikbegleitung genießen.

Fazit