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Themen-Special
Corona-Shutdown: Die Krise und die Luftfahrt
Lars Reinhold

Verbandsarbeit

Leitplanken für den Ausstieg aus dem Lockdown

Nachdem einige Landesverbände bereits vorgeprescht waren und Erleichterungen für den Luftsport von ihren Regierungen gefordert hatten, hat der DAeC-Bundesverband jüngst eine abgestimmte Leitlinie präsentiert, um die Sport- und Freizeitfliegerei in Corona-Zeiten wieder zu ermöglichen.

Nicht wenige Luftsportler fordern spätestens seit den Vorstößen des Luftsportverbandes Rheinland-Pfalz und mehrerer Vereine aus Niedersachsen eine klare Linie des DAeC-Bundesverbandes zum weiteren Vorgehen in der Corona-Krise. Angesichts der Tatsache, dass die Beschlüsse der Bundesregierung und der Ministerpräsidenten vom 15. April zur Lockerung der Einschränkungen gegen die Corona-Pandemie vielen nicht weit genug gehen, weil sie mindestens bis zum 3. Mai klassischen Luftsport im Verein unabhängig von möglichen Sicherheitsmaßnahmen nicht erlauben, werden Stimmen Laut, der DAeC solle seiner Rolle als Interessenverband der Piloten gerecht werden und Erleichterungen fordern.

Wie der DAeC nun mitteilte, habe sich der Vorstand mit dem erweiterten Vorstand über das weitere Vorgehen abgestimmt. Demnach werde sich der Verband auf Bundesebene weiter und wiederholt an alle politischen Partner wenden und ein praktikables sicheres Vorgehen für den Betrieb in den Luftsportvereinen vorstellen. Dabei bittet der Verband die Mitgliedsverbände auf ihren Ebenen um Unterstützung. Diese sei unverzichtbar, da die meisten Regelungen Länder- und nicht Bundesangelegenheit seien. Letztlich entschieden die Länder, was erlaubt sei und was nicht. Der DAeC stellt zu diesem Zweck sein Schreiben als mögliche Vorlage zur Verfügung.

Flugsport mit Sicherheitsauflagen

Ähnlich wie der Luftsportverband Rheinland Pfalz, der mit einem Schreiben an Ministerpräsidentin Malu Dreyer vorgeprescht war, gibt auch der DAeC Empfehlungen, die eine Sichere Ausübung des Luftsports ermöglichen sollen, ohne dass mit einer Verbeitung des Coronavirus gerechnet werden muss. Dazu gehört die Einhaltung der vorgeschriebenen Distanzregeln, die Reduzierung von Kontakten auf das Notwendigste und die Einhaltung allgemeiner Hygieneregeln. Überdies soll auf Fahrgemeinschaften verzichtet werden, und Versammlungen sowie gesellige Runden und Feste vorerst unterbleiben.

In den meisten Luftsportarten könne der Betrieb so organisiert werden, dass ein direkter Kontakt mit anderen Vereinsmitgliedern vermieden wird, heißt es in den DAeC-Positionen. Um wieder aktiv werden zu können, seien die Luftsportler bereit, sich an bestimmte Regeln zu halten. Als Beispiele nennt der DAeC nur einsitzige Flüge mit Ausnahme von Angehörigen des gleichen Haushalts durchzuführen, vorläufig auf doppelsitzige Ausbildungsflüge zu verzichten sowie Briefings im Freien mit Mindestabstand zu absolvieren und Hygieneeinrichtungen wie Spender für Desinfektionsmittel bereitzustellen.

Damit orientiert sich der Verband auch an Empfehlunge des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), der allgemeine Positionen zum Wiedereinstieg in den organisierten Sport veröffentlicht hat.

DOSB
Die Empfehlungen des DOSB zur Wiederaufnahme des organisierten Sports, denen sich der DAeC anschließt.

Erste Erfolge – erste Rückschläge

Wenngleich aus Rheinland-Pfalz zunächst gemeldet wurde, der Luftsport sei explizit wieder erlaubt, mussten die Verantwortlichen dort inzwischen ein Stück zurückrudern. "Fliegen ist zwar wieder möglich, aktuell aber nur mit Segelflug-Eigenstartern, Motorflugzeugen, Motorsegelrn und Ultraleichtflugzeugen", heißt es auf der Website des LSV RP. Eine genaue Prüfung der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz durch die Juristen des Landesverbandes habe ergeben, dass die immer noch geltenden Einschränkungen bezüglich des Kontaktverbotes einen Segelflugbetrieb genäß Segelflug-Betriebsordnung (SBO) noch nicht ermöglichten.

Dennoch sei man im DAeC-Präsidium optimistisch, in enger Abstimmung mit den Bundeskommissionen Lösungen zu finden, die in möglichst vielen Luftsportdisziplinen zu Lockerungen auf Landesebene führen könnten. Dazu gäben positive Signale aus Sportministerkonferenz Anlass. Die nächste Entscheidungsrunde von Bund und Ländern sei für den 30. April geplant. Damit die Anregungen der Luftsportler Berücksichtigung finden könnten, müssten sie ihre Pläne bis spätestens 27. April den Staatskanzleien vorlegen.

Selbstkritik im Verband

Dass man im DAeC durchaus selbstkritisch auf die eigenen Aktivitäten im Zuge der Corona-Krise blickt, machte nicht zuletzt das Statement von Präsident Stefan Klett auf Facebook deutlich. Vor einigen Tagen schrieb er: "In den letzten Wochen haben wir leidenschaftliche Diskussionen rund um die Corona-Pandemie und mögliche Konsequenzen für den Vereinssport allgemein und den Luftsport im speziellen geführt. Dabei wurde – auch leider von mir – in einigen Fällen verbal über das Ziel hinausgeschossen! Dies bedaure ich sehr und wenn ich jemanden persönlich getroffen habe, tut mir das Leid, denn es ist der Sache nicht förderlich und ist auch sicher nicht angemessen."

Er wolle seinerseits klar reflektieren und den Ton zukünftig moderater halten. "Ich bin überzeugter Demokrat und froh, in einer solchen Gesellschaft leidenschaftlich um die beste Lösung ringen zu können", schrieb er weiter. Er freue sich auf konsturktive Debatten in den nächsten Wochen, an deren Ende die schlimmste Phase der Krise hoffentlich überwunden sein werde.

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