Kontermuttern an Steuerstangen kontrollieren Rainer Schmidt

Sicherheitstipp: Kontermuttern kontrollieren

Sicherheitstipp Kontermuttern an Steuerstangen kontrollieren

Bei mehreren verunfallten DG-800 B wurden lose Kontermuttern an den Steuergestängen festgestellt. Auch wenn die Befunde nicht ursächlich für die Unfälle sind, sollten Pilot Owner hier genau hinschauen.

Ein jüngst von der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST veröffentlichter Zwischenbericht zum Absturz einer DG-800 B lässt aufhorchen: Das Flugzeug war bei einem regionalen Segelflugwettbewerb gegen 15.53 Uhr am Flugplatz Sion gestartet und hatte anschließend am Westhang der nahe gelegenen Crêta Besse im Segelflug an Höhe gewonnen. Etwa 20 Minuten nach dem Start beobachteten andere Piloten, wie das Unfallflugzeug in einer Trudelbewegung zu Boden stürzte und auf etwa 2500 Meter MSL an einem steilen Berghang aufschlug. Der Pilot wurde dabei getötet.

Bei der Untersuchung des Wracks bemerkten die Ermittler, dass sich an mehreren Steuerstangen Kontermuttern gelöst hatten. Diesen Befund bringt der Bericht allerdings nicht unmittelbar mit dem Absturz in Verbindung. Wörtlich heißt es: "Zum jetzigen Zeitpunkt der Untersuchung gibt es keine Hinweise, dass das genannte Sicherheitsdefizit ursächlich für die Entstehung des Unfalls gewesen sein könnte."

SUST
An zahlreichen Stellen in den Steuerwegen der DG-800 sind derartige Verbindungen mit eingeschraubtem Gelenkkopf verbaut. Sie müssen regelmäßig auf festen Sitz kontrolliert werden.

Wie bei vielen Segelflugzeugkonstruktionen üblich, sind bei der DG-800 B die Enden einiger Stangen mit Innengewinde versehen, in das ein Gelenkkopf mit Außengewinde eingeschraubt werden kann, um Spiele in den Steuerelementen einstellen zu können. Auf dem Außengewinde sitzen zudem eine Kontermutter und eine Fächerscheibe, womit der Gelenkkopf gegen Verdrehen gesichert werden kann. "Wir sind seit geraumer Zeit mit den Behörden in Kontakt und haben uns mit dem Problem auseinandergesetzt", sagt Sebastian Tschorn von DG Aviation auf aerokurier-Nachfrage. "Wir haben uns alle von uns betreuten Muster angeschaut und kommen zu dem Ergebnis, dass das zwar ärgerlich ist, aber keine Gefahr darstellt." Zur Erklärung führt Tschorn aus, dass ein Herausdrehen der Gelenkköpfe nicht möglich sei, wenn nicht auch die Verschraubung auf der anderen Seite des Kopfes gelöst werde, also die Verbindung zum nächsten Element der Steuerung. Es könne allenfalls zu etwas mehr Spiel in der Steuerung kommen, ein komplettes Öffnen der Verbindung sei aber ausgeschlossen.

"Das Problem ist auch nur bei DG-800 mit Triebwerk bekannt, wahrscheinlich, weil die Vibrationen im Kraftflug zum Losrütteln der Muttern führen. Aus diesem Grund sind auch die Fächerscheiben an dieser Stelle eingebaut wurden, um mehr Spannung in die Verschraubung zu bringen und das selbstständige Lösen zu vermeiden." Gemäß Wartungshandbuch müssten alle Verschraubungen der DG-Muster bei der Jahreswartung auf festen Sitz überprüft werden, wobei sie laut Tschorn durch Demontage der Sitzschale oder Öffnen von Wartungsklappen gut zugänglich seien.

Sebastian Tschorn empfiehlt, die betreffenden Verschraubungen regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls mit Schraubensicherungslack zu markieren. Von der Verwendung von Loctite rät er indes ab. "Wenn überhaupt, sollte allenfalls der Gelenkkopf selbst mit Loctite in das Innengewinde der der Steuerstange eingesetzt werden, allerdings gestaltet sich infolge dessen das Lösen der Verbindung schwieriger, wenn später Spiel in der Steuerung beseitigt werden soll. Auf die Kontermuttern gehört Loctite in jedem Fall nicht."

Bezüglich der Unfallursache ermittelt die SUST weiter.

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