Das weithin sichtbare Wahrzeichen des Technik Museum Sinsheim erhält pünktlich zu einem besonderen Jubiläum eine umfassende Frischekur: Zum 20-jährigen Bestehen des Museums wurde die Tupolew Tu-144 einst in einer spektakulären Aktion auf dem Museumsdach installiert.
Im Jahr 2026, in dem das Technik Museum Sinsheim sein 45-jähriges Bestehen feiert, wird der Überschalljet nun in rund 30 Metern Höhe aufwendig restauriert und neu lackiert. Darüber informiert das Museum in einer Pressemitteilung. Möglich wird dieses anspruchsvolle Projekt auch durch die Unterstützung des Museumsvereins und seiner engagierten Community, die seit Jahrzehnten maßgeblich zur Entwicklung der Technik Museen beiträgt.
Der Einsatz ist bitter nötig, denn zweieinhalb Jahrzehnte unter freiem Himmel hat der Zahn der Zeit an der Außenhaut der Maschine genagt und sichtbare Spuren hinterlassen. Während Verkehrsflugzeuge im aktiven Dienst durchschnittlich alle acht Jahre eine neue Lackierung erhalten, trotzt die Sinsheimer Tupolew seit ihrer letzten Landung in Sinsheim Wind und Wetter. Inzwischen ist der Lack an vielen Stellen stark verwittert oder abgeplatzt, sodass die grüne Grundierung sichtbar wird.
"Um die Substanz des Flugzeugs dauerhaft vor Korrosion zu schützen und es optisch wieder in Bestform zu bringen, starten wir nun dieses umfangreiche Restaurierungsprojekt", erklärt Michael Stiller, technischer Leiter der Technik Museen Sinsheim Speyer.

Die Tupolew Tu-144 ist bis heute eine herausragende Konstruktion der Luftfahrt.
Verein als wichtige Stütze
Ein wesentlicher Faktor für die Umsetzung ist die Unterstützung durch den Museumsverein und seine Mitglieder. Die Technik Museen Sinsheim und Speyer werden von einem gemeinnützigen Verein getragen, dessen Community seit Jahrzehnten maßgeblich zur Entwicklung der Museen beiträgt. Zahlreiche Großexponate konnten nur mit Hilfe des Museumsnetzwerks transportiert und installiert werden. Die meisten Ausstellungsstücke stammen aus Leihgaben langjährig verbundener Unterstützer. Zudem profitieren die Museen regelmäßig vom fachlichen Know-how ihrer Mitglieder aus verschiedensten Branchen.
Auch bei der Restaurierung der Tu-144 zeigt sich diese besondere Zusammenarbeit erneut: Das benötigte Gerüst wird von der Wilhelm Layher GmbH & Co. KG als Sponsor zur Verfügung gestellt – das Unternehmen ist Mitglied im Verein. Die Wolfgang Fuchs GmbH aus Bühlertann übernimmt den Aufbau der komplexen Konstruktion, die sich passgenau an die Konturen des Flugzeugs schmiegt und die Arbeiten in großer Höhe ermöglicht. Geschäftsführer Wolfgang Fuchs engagiert sich darüber hinaus als Vizepräsident des Museumsvereins. Der Erhalt des Flugzeugs wird damit einmal mehr gemeinschaftlich getragen und folgt dem Grundgedanken der Technikmuseen: Von Fans für Fans.

Das Gerüst wird auf dem Hallendach montiert und folgt den Konturen des Flugzeugs.
Gerüst erspart aufwendige Kranarbeiten
Lange Zeit galt es als wahrscheinlich, dass die Tu-144 für eine solche Maßnahme mit schwerem Gerät auf den Boden herabgelassen werden müsste. Dank einer innovativen statischen Lösung kann das Flugzeug nun jedoch an seinem angestammten Platz verbleiben. Gemeinsam mit Statikern wurde ein Weg gefunden, ein spezielles Layher-Allroundgerüst direkt auf dem Hallendach zu montieren, ohne die Hallenkonstruktion umfangreich abstützen zu müssen. Dieser Ansatz erspart nicht nur den Einsatz von zwei 500-Tonnen-Mobilkränen, sondern schont auch die Infrastruktur für Besucher: Die Parkflächen vor dem Museum bleiben vollumfänglich verfügbar.
Die Dimensionen der "Himmels-Baustelle" sind beeindruckend. In der Spitze erreicht die Konstruktion am Cockpit eine Höhe von etwa 30 Metern über Grund. Auf einer zu bearbeitenden Fläche von rund 2000 Quadratmetern kommen etwa 500 Liter Lack und Grundierung zum Einsatz. Das Team der Museumswerkstatt arbeitet parallel mit drei bis sechs Mitarbeitern, um die Tu-144 zunächst zu reinigen, anschließend die Oberfläche zu schleifen und schließlich im effizienten Airless-Verfahren neu zu beschichten. Am Ende der Arbeiten wird der erste Überschall-Passagierjet der Welt wieder in seinem weltbekannten Originaldesign der Fluglinie Aeroflot erstrahlen.
Projektdauer bis Oktober 2026
Die Restaurierung wird voraussichtlich bis Oktober 2026 andauern. Während dieser Zeit bleibt die Maschine mit wenigen Einschränkungen weiterhin für Besucher begehbar. "Uns ist es wichtig, den Museumsbetrieb möglichst wenig einzuschränken", so Michael Stiller.
Mit der Restaurierung sichert das Technik Museum Sinsheim den langfristigen Erhalt eines seiner wichtigsten Exponate und bietet Besuchern gleichzeitig einen seltenen Einblick in die handwerkliche Präzisionsarbeit hinter den Kulissen eines der größten privatgeführten Technikmuseen Europas. Sobald die Einrüstung abgeschlossen ist, starten die Reinigungs- und Schleifarbeiten, damit der "weiße Riese" bald wieder in neuem Glanz über der Autobahn A6 thront.





