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Lars Reinhold

Maintenance: 100 Jahre Snap-on Tools

Maintenance 100 Jahre Snap-on Tools

Was mit der Erfindung der Stecknuss im Jahre 1920 begann, ist wohl die Erfolgsgeschichte im Werkzeugbau schlechthin. Tools von Snap-on sind heute in der Flugzeugmaintenance state-of-the-art und in nahezu jeder Werft zu finden.

Wie so oft war die Unzufriedenheit mit Vorhandenem in Verbindung mit der menschlichen Bequemlichkeit die Triebfeder für eine bahnbrechende Entwicklung: Joseph Johnson, ein Ingenieur aus Milwaukee, Wisconsin, nervte es, dass es für jeden Schraubenkopf, den die aufstrebende Automobilindustrie hervorbrachte, eines separaten Schlüssels bedurfte. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter William Seidemann tüftelte er an einem Satz aus fünf verschiedenen Griffen und zehn Aufsätzen, mit denen die meisten Befestigungsarbeiten zu bewerkstelligen waren – gemäß dem Motto „five do the work of fifty“. Die Stecknuss war erfunden.

Mit ihrem Demo-Set und Broschüren dazu klapperten sie die Werkstätten ab und erhielten innerhalb von sechs Monaten 500 Aufträge. Daraufhin gründeten sie die Snap-on Wrench Company. Ein weiterer Meilenstein folgte 1923 mit der Erfindung der ersten Ratsche, welche selbstverständlich kompatibel mit den bereits zu Bestsellern avancierten Stecknüssen war. Bereits in den 20er Jahren hatten die Firmengründer auch Anwender jenseits der Automobilbranche in den Fokus genommen und begonnen, Spezialwerkzeuge für die Reparaturen von Trucks, Landwirtschaftsgeräten und Industrie­maschinen zu entwickeln. Und für die Reparatur von Flugzeugen.

Sukzessive expandierte das Unternehmen, eröffnete Läden in weiten Teilen der USA und begann, ein weit verzweigtes Franchise-Netzwerk mit freien Händlern aufzubauen, die die Werkzeuge direkt vor Ort beim Kunden demonstrierten und verkauften. Heute bietet Snap-on nahezu das gesamte Portfolio von Hand- und Elektrowerkzeugen für alle Handwerksbranchen an, beschäftigt weltweit 12 000 Mitarbeiter und hält rund 1100 Patente.

Genauigkeit und Dokumentation

Die Luftfahrt mit ihren speziellen Anforderungen ist eine der interessantesten Sparten im Snap-on-Portfolio. „Zwei Punkte sind für die Aircraft Maintenance entscheidend: Genauigkeit und Dokumentation“, erklärt Klaus-Peter Roithmeier, Sales Supervisor für Deutschland, Österreich und die Schweiz sowie mehrere osteuropäische Staaten. Roithmeier ist gelernter Fluggerätmechaniker, weiß also, wie wichtig gutes Werkzeug für eine qualitativ hochwertige Arbeit ist. „Die Genauigkeit bezieht sich zum einen auf die Maßhaltigkeit der Werkzeuge, also einfach ausgedrückt, wie gut die Schlüssel auf Schraubenköpfe passen. Zum anderen darauf, dass ein Drehmomentschlüssel auch exakt das geforderte Drehmoment auf einen Bolzen bringt, allenfalls mit einer minimalen Abweichung.“ Der Drehmomentschlüssel spiele tatsächlich auch bei der Dokumentation eine Rolle.

„Unsere modernen, digitalen Geräte haben nichts mehr mit dem klassischen Knackschlüssel zu tun“, so Roithmeier. „In ihnen arbeitet ein Prozessor, der die Drehmomentabgabe genau überwacht und ein Protokoll anlegt, sodass jederzeit ausgelesen werden kann, wie viele Newtonmeter tatsächlich auf eine Schraube gewirkt haben.“

Lars Reinhold
Prozessor überwachte Drehmomentschlüssel sind heute Standard in der Aircraft Maintenance.

Das Thema Dokumentation bezieht sich überdies auch auf die Überwachung des Werkzeugumlaufs. „Wenn ein Flugzeug die Werfthalle verlässt, darf da keine Nuss oder Zange mehr drin liegen, weil damit die Flugsicherheit massiv gefährdet wird, Stichwort ‚foreign object damage‘“, so Roithmeier. Snap-on biete hierfür mehrere Möglichkeiten des Monitorings. „Die simpelste und günstigste Variante sind die klassischen Werkzeugeinlagen aus Schaumstoff. Ist am Ende der Reparatur ein Platz leer, weiß man, das Teil muss noch irgendwo liegen, schlimmstenfalls im Flugzeug.“ Die nächsthöhere Stufe seien Werkzeugwagen, deren Zugang über Schlüsselkarten reglementiert ist und die den Inhalt optisch via Kamera oder elek-tronisch mittels RFID-Chips überwachen. „Die Box erkennt, dass Mitarbeiter Meier eine 10er-Nuss und eine Ratsche entnommen hat. Da man weiß, woran Meier gearbeitet hat, kann man den Ort, an dem sich das fehlende Werkzeug befinden muss, eingrenzen.“

Aktuell werde an der dritten Stufe gearbeitet, die es künftig ermöglichen soll, fehlendes Werkzeug anzupeilen und so aufzuspüren. Qualität und Technik haben freilich ihren Preis: Kleine Werkzeugwagen beginnen bei etwa 5000 Euro, Boxen mit optischer Überwachung und Zugangsbeschränkung können inklusive Werkzeug 25 000 Euro und mehr kosten. „Dafür ist Snap-on bei Defekten allerdings überaus kulant“, sagt Roithmeier. „Wir wollen für eine sensible Branche das beste Material bieten. Das ist unser Anspruch.“