Ersatz für "Tante Anna"? - LMS-901 startet zum Erstflug

Ersatz für „Tante Anna“?
LMS-901 startet zum Erstflug

ArtikeldatumVeröffentlicht am 24.02.2026
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Neues, überarbeitetes Baikal-Flugzeug LMS-901 aus Russland.
Foto: UZGA

Das Donnern ihres 1000 PS starken Sternomotors erfüllt noch heute kleine Flugplätze in den unwirtlichen Weiten Russlands: Die Antonow An-2 leistet hier vielerorts als Kurzstreckenflugzeug für Passagier- und Materialtransport unermüdlich Dienst. Doch viele der Flugzeuge kommen sukzessive ans Ende ihrer Lebensdauer. Das verwundert kaum – seit 1947 ist die An-2 in Serienproduktion.

Seit einiger Zeit macht man sich in Russland Gedanken um den Ersatz der rüstigen Doppeldecker. Eins der Projekte, die in diese Richtung stoßen, ist die LMS 901 "Baikal". Jüngst hob das fünfte Versuchsmuster des leichten Mehrzweckflugzeugs zu seinem ersten Testflug ab. Der Flug fand auf dem Flugplatz des Uralischen Werks für Zivilluftfahrt (UZGA) in Jekaterinburg statt.

Klimow WK-800 Anstatt GE-Turboprop

Das Flugzeug, ausgestattet mit dem russischen Turboprop-Triebwerk Klimow WK-800 und dem Propeller Aerosila AW-901, absolvierte eine vollständige Platzrunde und landete planmäßig. Der Flug dauerte zehn Minuten, dabei wurden eine Höhe von 300 Metern und eine Geschwindigkeit von 190 km/h erreicht.

Ende Dezember hob bereits eine LMS-901 mit russischem Triebwerk zu ihrem Jungfernflug ab. Der Prototyp mit der Nummer 532 war allerdings nur umgerüstet und nicht bereits zu Beginn mit dem WK-800 ausgestattet.

Durch Sanktionen ist das ursprünglich verbaute US-amerikanische GE-Triebwerk, mit dem die LMS 901 zunächst ausgerüstet wurde, nicht mehr verfügbar. Vor dem geglückten Erstflug sah es allerdings nicht so aus, als würde die LMS-901 tatsächlich abheben. Russlands Vize-Premier Trutnew hatte das Projekt noch im Mai 2025 öffentlich als gescheitert bezeichnet. Dem hatte das Industrieministerium widersprochen und die Weiterentwicklung betont.

Ural Works

Zertifizierung noch dieses Jahr geplant

Das größte Problem des Projekts sind die berechneten Kosten pro Exemplar, die sich seit Projektbeginn etwa vervierfacht haben – von rund 120 auf schätzungsweise 455 Millionen Rubel. Trotzdem sieht es jetzt gut aus für die "Baikal". Gegenüber früheren Versuchsmustern weist der neue Prototyp 535 mehrere technische Änderungen auf, wie UZGA mitteilte. Die Bugsektion samt Pilotenkanzel wurde überarbeitet, um ergonomische Anforderungen und Sicherheitsstandards bei Notlandungen zu erfüllen. Darüber hinaus wurden das Hauptfahrwerk modernisiert und der Einstellwinkel der Tragfläche angepasst. Das soll ein vorzeitiges Abheben bei böigem Wind während des Startlaufs verhindern.

In weiteren Boden- und Flugtests sollen nun besonders diese Modifikationen geprüft werden. Dazu sollen auch zwei nicht flugfähige Testflugzeuge beitragen, die Prototypen 3 und 4.

Baikal-Projekt (Ural Works)

Zulassung 2026?

Nach Abschluss der Tests und einer Zulassungsprüfung des Bordkabelnetzes soll das Muster bald in die reguläre Zertifizierungsphase übergehen. Die Zulassung soll möglichst noch 2026 erfolgen, die Serienreife ist für 2027 geplant.

Die "Baikal" ist für den regionalen Luftverkehr und verschiedene Luftarbeiten konzipiert. Bis zu neun Passagiere sollen in der Kabine Platz finden. Das Triebwerk WK-800, mit dem sie jetzt abhob, soll künftig auch in weiteren Flugzeugprojekten des Herstellers zum Einsatz kommen, darunter im Schulflugzeug UTS-800 und im russisch-weißrussischen Regionalflugzeug LMS-192 "Asweja".