Aquila baut keine Flugzeuge mehr

Aquila Aviation
Aus für Flugzeugbau in Schönhagen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 20.10.2026
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Aus für Flugzeugbau in Schönhagen
Foto: Tashi Dolma Hinz

Aquila Aviation aus Schönhagen bei Berlin hat die Produktion seines Zweisitzers A211/212 eingestellt und bewirbt das Flugzeug auch nicht mehr auf seiner Website. Von den knapp 40 Mitarbeitern haben 32 Ende August die Kündigung erhalten. Ab sofort sollen nur noch Ersatzteile ausgeliefert werden, allerdings sollen die Genehmigungen als Produktions- und Entwicklungsbetrieb aufrechterhalten werden. Dies war aus Unternehmenskreisen zu erfahren. Eine Anfrage der Redaktion per E-Mail an den Hersteller blieb indes unbeantwortet. Auch der Versuch, Prokurist Gunter Eisold telefonisch zu erreichen, lief ins Leere.

Es ist nicht das erste Mal, dass der 1996 unter dem Namen "Aquila Technische Entwicklung GmbH" gegründete Hersteller in Schieflage gerät. So musste das Unternehmen in den Jahren 2005 und 2015 Insolvenz anmelden. Die Historie ist von mehreren Eigentümer- und Namenswechseln geprägt. Von einer Insolvenz ist aktuell zwar nicht die Rede, jedoch wird der Betrieb nur noch mit einer stark dezimierten Rumpfmannschaft aus den Bereichen Entwicklung, Einkauf und Finanzen aufrechterhalten.

Seit Anfang des Jahres 2016 gehört die Aquila Aviation International GmbH ebenso wie die am Verkehrslandeplatz Schönhagen ansässige Flugzeugwerft FSB-Aircraft dem türkischen Automobilzulieferer BPlas unter der Leitung von M. Celal Gökçen. Als Geschäftsführerin wird im Impressum Gamze Boroğlu Zorlu genannt. Zu wirtschaftlich guten Zeiten waren in Trebbin bis zu ca. 65 Mitarbeiter beschäftigt.

Frank Martini

Mehrere Varianten und ein unvollendeter Viersitzer

Die vom Rotax 912 S angetriebene Aquila A210 hatte im März 2000 ihren Erstflug und ist seit 2001 zugelassen. Sie trat als sparsames Reise- und Schulflugzeug an und hat sich im Laufe der Jahre bei vielen Flugschulen und Vereinen mit ihren vorbildlichen Flugeigenschaften und einer hohen Fertigungsqualität einen guten Ruf erarbeitet. Ein Update auf die Version A211 brachte moderne Garmin-Avionik ins Cockpit. Ab 2019 wurde die A212 mit dem 115 PS (85 kW) starken Turbo-Rotax 914 in Serie produziert. Das MTOW wurde bei den letzten Modellen von 750 auf 800 kg erhöht. Rund 270 Flugzeuge hat das Unternehmen in verschiedene Länder ausgeliefert, von denen 250 noch fliegen. Das vorerst letzte Exemplar ging im August 2026 an einen Kunden aus Deutschland. Auf der AERO 2019 war erstmals das Mock-up des Viersitzers Aquila A414 zu sehen. Ein im Jahr 2022 auf der Messe gezeigter Prototyp schaffte es nicht zum Erstflug.

Ungewisse Aussichten für Betreiber

Wie zu erfahren war, haben die Eigentümer mehrere Aufträge aus dem In- und Ausland abgelehnt, die die Stückzahlen angekurbelt hätten. Mit den ausgesprochenen Kündigungen reduzieren sie das Geschäft jetzt ausschließlich auf den Verkauf von Ersatzteilen.

Für Aquila-Betreiber bedeutet dies, dass sie in eine ungewisse Zukunft blicken. Es werden zwar Ersatzteile von Zulieferern eingekauft und angeboten, jedoch keine eigenen Composite-Teile für die Zelle mehr produziert. Wie es künftig um die Ersatzteilversorgung bestellt sein wird, wenn die Lagerbestände in Schönhagen aufgebraucht sind, ist offen, heißt es.