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Kommentar: Die Idioten unter uns

Kommentar Die Idioten unter uns

Einer lässt sein Flugzeug fürs Video absichtlich abstürzen, die anderen steigen im Flug aus und wieder ein. Welches Bild der GA zeichnen die Stunts von Red Bull und Co? Gedanken von aerokurier-Redaktionsleiter Lars Reinhold zu den jüngsten Auswüchsen der Social-Media-Stuntman.

Schrott. Viel mehr blieb von einer der beiden 182er-Cessnas des jüngsten Höher-Schneller-Bekloppter-Projekts von Red Bull nicht übrig. In 14 000 Fuß in den Sturzflug gehen, beide Piloten mit dem Fallschirm aussteigen, das Flugzeug wechseln, landen und sich anschließend von Freaks rund um den Globus feiern lassen – so der Plan des Blubberbrause-Herstellers aus Österreich. Dieses Mal ging er nicht auf, weil eine der Cessletten ins Trudeln geriet. Schön, dass der Pilot am Fallschirm sicher auf den Boden der Tatsachen zurückkam, wenngleich sich ganz zynische Naturen fragen mögen, ob das im Sinne der Weiterentwicklung des menschlichen Genpools so wahnsinnig wünschenswert ist.

Nicht zum ersten Mal geht Red Bull mit solch einer Aktion (die übrigens nicht von der FAA genehmigt war!) in einen Bereich, in dem nahezu kein Raum für Fehler mehr bleibt, den sich Piloten sonst so gerne erhalten. Man erinnere sich an spektakuläre Spiegelflug-und-Leitwerkstatscher-Aktionen mit den Blanix, an Wingsuitflieger, die aus Porters aus- und wieder einsteigen, eine Edge, die durch einen Tunnel ballert, und Felix Baumgartners Ballon-Freifall vom Rand des Weltalls.

Jetzt könnte man einwerfen, dass es schon früher solche Extreme gab und Namen wie Heini Dittmar, Joseph Kittinger und Chuck Yeager anführen. Könnte man, wenn der Vergleich denn sinnvoll wäre. Ist er aber nicht, denn im Gegensatz zu denen, die Red Bull gerne als seine "Athleten" bezeichnet, haben Yeager und Co im Rahmen der technischen Entwicklung und Wissenschaft gewirkt, um herauszufinden, wie der Mensch in Extremsituationen reagiert und was möglich ist. Hier ging es um Zahlen und Daten, nicht um Klicks, Follower und Quoten. Dass ein Vollidiot – fernab des Red-Bull-Imperiums – sein Flugzeug für ein YouTube-Video sogar bewusst abstürzen lässt, um sich beim Ausstieg zu filmen und damit die maximale mediale Reichweite zu generieren, das hätten sich wohl nicht einmal die Satiriker des "Golden Spinner Magazins" ausdenken können.

Angesichts dieser Auswüchse ist die Piloten-Community massiv in der Pflicht, die Aktionen kritisch zu kommentieren, die Links nicht zu teilen und dem Nachwuchs klarzumachen, dass so etwas nicht cool, sondern einfach dämlich ist. Die Sport- und Freizeitfliegerei steht immer unter Beobachtung, und es gibt genug Leute, die sich auf uns einschießen wollen. Wir täten gut daran, ihnen nicht auch noch Munition zu liefern.

Übrigens: Die am Plane-Swop beteiligten Piloten sind ihre Lizenzen ebenso los wie der Crash-Youtuber.

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