Flugplatz Wyk: Empfehlung zur Schließung der Piste 09/27

Update +++ Flugplatz Wyk
Empfehlung zur Schließung der Piste 09/27

ArtikeldatumVeröffentlicht am 22.10.2025
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Flugplatz Wyk in Wyk auf Föhr im Bundesland Schleswig-Holstein, Deutschland
Foto: dpa-Zentralbild/euroluftbild.de

Der Streit um die Zukunft des Flugplatzes Wyk auf Föhr, über den der aerokurier Ende Oktober vergangenen Jahres ausführlich berichtete, geht in die nächste Eskalationsrunde. Am 20. November erhielt der Luftsportclub Föhr ein Schreiben von Christian Stemmer, Geschäftsführer der Wyker Flugplatz Betriebsgesellschaft. Dem Schriftsatz zufolge seien aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage strukturelle Veränderungen notwendig, zu denen der Arbeitskreis Flugplatz einen einstimmigen Empfehlungsbeschluss an die Stadtvertretung gefasst habe. Dieser sieht unter anderem die Schließung der Piste 09/27 sowie eine Herabstufung vom Verkehrs- zum Sonderlandeplatz noch vor der Flugsaison 2026 vorsieht. Die 09/27 ist die aufgrund der vorherrschenden Windrichtungen hauptsächlich genutzte Landebahn, übrig bliebe dann nur noch die Querbahn 02/20.

Geschäftsführer im Interessenkonflikt

Der Flugplatz gehört zu 50,4 Prozent der Stadt Wyk und zu 49,6 Prozent der Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum. Das Pikante dabei: Christian Stemmer, der als Geschäftsführer der Flugplatzbetriebsgesellschaft eigentlich dem erfolgreichen Betrieb des Platzes verpflichtet ist und demnach gegen jedwede Einschränkungen des Flugbetriebs kämpfen müsste, ist gleichzeitig Verwaltungschef des Amtes Föhr-Amrum und steckt damit in einem potenziellen Interessenskonflikt. Denn die Stadt Wyk plant schon seit mehreren Jahren, einen Teil des Flugplatzgeländes für einen Caravan-Stellplatz und Tiny-Häuser zu nutzen.

Laut dem Schreiben habe man versucht, interessierte Partner für mögliche Investitionen und ein tragfähiges Zukunftskonzept für den Flugplatz zu gewinnen und dem Luftsportclub die Notwendigkeit zu stärkerer Mitwirkung bei den auf dem Gelände anfallenden Aufgaben zu verstehen gegeben. Insbesondere der letzte Abschnitt des Schreibens hat es in sich: "Entsprechend dem Wunsch der Gesellschafter teile ich ihnen mit, dass strukturelle Entscheidungen unserer Gesellschafter bevorstehen, falls uns nicht bis Ende November ein belastabres Zukunftskonzept vorliegt." Die Gesellschafter seien offen für "wesentliche Beteiligungen" an den Personal- und Betriebskosten bis hin zu einer "Komplettverpachtung und eigenverantwortlichen Übernahme des Flugbetriebs", wie es heißt.

Frist von zehn Tagen für eine Entscheidung

Bis Ende November soll der Luftsportverein eine Entscheidung treffen – das Schreiben datiert auf den 20. November. Dass zehn Tage Zeit für eine Entscheidung mit solcher Tragweite angemessen sind, darf bezweifelt werden. Der aerokurier recherchiert weiter zu den Hintergründen und nimmt zeitnah Kontakt mit dem Luftsportverein und der Betreibergesellschaft auf.

Update 28.11.2025: Chronologie der Ereignisse

Journalist Birger Bahlo hat sich auf Föhr umgehört und die neusten Entwicklungen zusammengefasst.

Die Lage ähnelt fatal der vor einem Jahr, als der Bau- und Planungsausschuss die Schließungspläne durchwinken und nur zwei Tage später die Stadtvertretung alles absegnen sollte. Als die Lokalpolitiker merkten, dass sie quasi überrumpelt werden sollten, entschieden sie sich für einen Arbeitskreis Flugplatz, besetzt mit je einem Vertreter jeder im Stadtrat vertretenen Partei. Und die Stadtvertretung fasste am 19. September 2024 sogar den Beschluss, in den Arbeitskreis müssen Vertreter des Luftsportclubs hinzugezogen werden. Alles schien zurück auf Los zu gehen – nachdenken und nach klugen Lösungen suchen.

Pustekuchen – bis heute ist nie ein Vertreter des Vereins in den Arbeitskreis eingeladen worden, um die Expertise der Piloten anzuhören. Viel schlimmer: Sie wurden ein-, dann wieder ausgeladen oder Termine wurden umgelegt, damit sie ins Leere laufen. Offenbar hintergangen, mit dem Ziel, sie gar nicht erst zu Wort kommen zu lassen. Dr. Andreas Müller, vom Verein legitimierter Sprecher des LSC und Sprecher der "Bürgerinitiative zur Entwicklung des Flugplatzes Wyk", und damit zentraler Ansprechpartner in der Sache, erstellt auf Bitten des aerokuriers eine Chronologie, was alles unternommen wurde, um wenigstens mal angehört zu werden.

Am 17. Oktober 2024 verspricht Bürgermeister Hans-Ulrich Hess (CDU), Piloten werde zu gegebener Zeit die Mitarbeit im AK angeboten. Der Verein geht von sich aus auf die Fraktionen zu: 22. Oktober: FDP, 5. November: Kommunale Gemeinschaft, 11. November: Grüne und am 9. Dezember: SPD.

Am 22. Januar, 3. und 17. Februar 2025 bittet der Verein die CDU-Fraktion um ein Gespräch. Fraktionsvorsitzender Thomas Strelow signalisiert per Telefon, ein Treffen "sei in Arbeit". Bis heute ist es nicht dazu gekommen.

29. Januar: Frage an Christian Stemmer, Amtsdirektor und Geschäftsführer der Flugplatz-Gesellschaft, wann der Arbeitskreis seine erste Sitzung habe und wann die Piloten teilnehmen könnten.

5. und 20. Februar. Nachfragen nach einer Einladung zur Sitzung des AK.

Februar: Stemmer und ein Vertreter der Luftfahrtbehörde inspizieren den Platz, ohne Piloten hinzuzubitten.

13. März: Da soll es zur Gründung des AK gekommen sein, bei der Stadt, Reederei und Christian Stemmer anwesend gewesen sein sollen – ohne Einladung an die Piloten.

18. März: Ein Treffen mit Piloten wird "avisiert" – und verläuft wieder im Sande.

20. März: Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) besucht die Insel. Er wird wegen der Bedeutung des Platzes als bedeutende Infrastruktur und für den Tourismus auf den Platz eingeladen. Der Minister zeigt Interesse – und sagt ab.

16. April: Dr. Andreas Müller mahnt zum wiederholten Mal die Teilnahme an dem AK an, wie es im Vorjahr von der Stadtvertretung beschlossen worden war.

4. Juni: Müller mahnt erneut an. Da teilt Alexander Schweizer, im Amt Föhr-Amrum der Koordinator für die Arbeit des AK, mit, der AK würde momentan nicht tagen, da ein privater Investor im Gespräch sei.

13. November: Eskalation der Dinge wie vor einem Jahr. Mitglieder des AK merken, dass sie nicht ausreichend seitens der Stadt, der Reederei und des Amtsdirektors und Flugplatz-Geschäftsführers informiert worden sind.

20. November: Mit diesem Datum geht das Ultimatum des Geschäftsführers an den Verein raus, bis Ende November ein Nutzungskonzept vorzulegen.

27. November: Weil die Emotionen aus Protest gegen das eingangs erwähnte Schreiben von Christian Stemmer mit der knappen Frist auf Ende November hochkochen, gibt es an diesem Tag endlich ein Treffen von Verein und Betriebsgesellschaft. "Als Alibi" vermuten allerdings Piloten, da dies erst unmittelbar vor möglicherweise bahnbrechenden Entscheidungen des Stadtrats und auf nachdrückliches Drängen der Piloten zustande kommt.

Der aerokurier hat der Wyker Betriebsgesellschaft, der DRF Luftrettung und der Luftfahrtbehörde SH detaillierte Fragen geschickt und sie um ihre Stellungnahmen gebeten. Antworten werden bis Freitag, 28. November, erwartet.