in Kooperation mit
ZeroAvia

Alternative Antriebe

Erstflug mit elektrischem Antrieb

Ende Juni absolvierte eine Piper M350 mit elektrischem Antrieb auf dem britischen Flughafen Cranfield ihren Erstflug. Das HyFlyer-Projekt der Firma ZeroAvia wird nun weiteren Tests unterzogen.

Das britische Luftfahrtunternehmen ZeroAvia startete mit dem Projekt HyFlyer am 19. Juni zum Erstflug mit einem elektrischen Flugmotor in einer Piper M350 auf dem britischen Flughafen Cranfield. Der Testflug sei ein bedeutender Meilenstein sowohl für Großbritanniens sogenannte Netto-Null- und Umwelt-Ziele in der Luftfahrt als auch für ZeroAvia selbst auf dem Weg zur Demonstration emissionsfreier Langstreckenflüge mit großen Flugzeugen, hieß es in einer Pressemitteilung des Unternehmens, das sich als führend auf dem Gebiet der Dekarbonisierung in der kommerziellen Luftfahrt bezeichnet.

Die Firma ZeroAvia konzentriert sich mit dem Projekt auf die Entwicklung eines Wasserstoff-Brennstoffzellen-Antriebsstrangs. Die wasserstoff-elektrische Technologie biete das gleiche Null-Emissions-Potenzial wie batterie-elektrische Antriebe, habe aber ein besseres Energie-Gewichts-Verhältnis, hieß es in der Pressemitteilung. Dadurch sei die Technologie für den kommerziellen Betrieb in einem deutlich größeren Maßstab und in einem kürzeren Zeitrahmen nutzbar, so die Prognose von ZeroAvia. Darüber hinaus wird erwartet, dass der wasserstoff-elektrische Antrieb aufgrund der hohen Kosten von Batteriezyklen in typischen Regionalflugzeugen mit hoher Auslastung niedrigere Betriebskosten haben wird. Die Wasserstoff-Elektro-Testflüge des HyFlyer-Projekts über längere Strecken sind noch für diesen Sommer geplant. Den Erstflug absolvierte die Piper M350 noch mit Batterie.

Über den HyFlyer hinaus plant ZeroAvia kommerziell relevante Konfigurationen mit zehn bis zwanzig Sitzplätzen. Sie sollen innerhalb von drei Jahren einsatzbereit sein. Weitere Modelle mit 50 bis 100 Sitzplätzen sollen bis zum Ende des Jahrzehnts verfügbar sein. Das Unternehmen geht davon aus, dass Flugzeuge mit mehr als 200 Sitzen und einer Reichweite von über 3000 Nautischen Meilen bis 2040 ohne grundlegende wissenschaftliche Durchbrüche realisierbar sind.

Trotz der Herausforderungen, die sich aus der derzeitigen Ausnahmesituation ergeben, habe das HyFlyer-Projekt große Fortschritte gemacht, betonte ZeroAvia. Vor kurzem wurde zudem eine Wasserstoff-Betankungsinfrastruktur auf dem Flughafen Cranfield in Betrieb genommen. "Der heutige Flug ist der jüngste in einer Reihe von Meilensteinen, die die Möglichkeit eines Null-Emissions-Fluges der Realität näherbringt", sagte Val Miftakhov, Gründer und CEO von ZeroAvia. "Wir alle wollen, dass die Luftfahrtindustrie nach der Pandemie wieder auf eine feste Grundlage zurückkehrt, um mit einer grünen Erholung in eine Netto-Null-Zukunft gehen zu können. Das wird nicht möglich sein ohne realistische, kommerzielle Optionen für einen Null-Emissions-Flug. Diesen werden wir bereits 2023 auf den Markt bringen."

Das Innovationsprogramm von ZeroAvia in Großbritannien ist Teil des von der britischen Regierung unterstützten Projekts HyFlyer. Dieses wird durch Innovate UK und das vom Aerospace Technology Institute (ATI) geleitete Forschungs- und Entwicklungsprogramm für Luft- und Raumfahrt finanziert und zielt darauf ab, kleine Mittelstrecken-Passagierflugzeuge zu dekarbonisieren. Der konventionelle Antriebsstrang soll dabei durch Elektromotoren, Wasserstoff-Brennstoffzellen und Gasspeicher ersetzt werden.

Das Projekt HyFlyer soll mit einem Flug von 250 bis 300 Nautischen Meilen noch in diesem Sommer von den Orkney-Inseln in Schottland die Möglichkeiten der Technologie demonstrieren. Ziel ist es, so ZeroAvia, die gleiche Leistung wie ein herkömmliches Flugzeugtriebwerk zu erbringen, jedoch mit null Kohlenstoffemissionen und zu etwa der Hälfte der Betriebskosten.

Im Rahmen des Projekts arbeite man ZeroAvia mit einigen der innovativsten Technologie-, Fertigungs-, Energie- und Luftfahrtunternehmen in Großbritannien zusammen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Das European Marine Energy Centre (EMEC) unterstützt die Entwicklung der Infrastruktur, die für die Betankung des Flugzeugs mit grünem Wasserstoff in Cranfield und auf den Orkney-Inseln erforderlich ist. Das marktführende Brennstoffzellen-Engineering-Unternehmen Intelligent Energy optimiert zudem seine firmeneigene verdampfungsgekühlte Hochleistungs-Brennstoffzellentechnologie für Anwendungen in der Luftfahrt.

In einer früheren Version dieser Meldung hieß es, der Erstflug habe mit einem wasserstoff-elektrischen Antrieb stattgefunden, es handelte sich jedoch noch um einen E-Antrieb mit Batterie.