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Gute Prognosen

Leichtjet-Markt

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Glaubt man den Prognosen, steigt in den nächsten Jahren die Bedeutung der leichten Jets für die Hersteller wieder, da die Nachfrage nach den großen Jets stagniert oder sogar zurückgeht.

Die Hersteller von leichten Business Jets haben seit 2008 eine harte Zeit: Die Verkäufe fielen 2009 aus einem Rekordhoch in ein tiefes Loch, aus dem sie sich nur mühsam wieder herausgearbeitet haben, ohne allerdings das Rekordniveau wieder zu erreichen. Ohne die Midsize Jets und die Ultralangstrecken-Flugzeuge wäre es für den einen oder anderen Hersteller eng geworden. Leicht verkürzt dargestellt kann man es auf die Formel bringen: Die kleinen Jets sorgen in der Bilanz für die Stückzahlen, die großen Jets für die Margen. Natürlich verdienen die Hersteller auch mit den kleinen Mustern Geld, aber eben weniger als mit den Schwergewichtlern.

In den vergangenen Jahren waren die Ultralangstreckler eine sichere Bank: Die Nachfrage nach ihnen war auch in der Rezession relativ stabil. Nach Ansicht des Business-Aviation-Analysten Brian Foley aus Sparta im US-Bundesstaat New Jersey, Anzeichen einer Trendwende in der Branche. „Der Markt für diese interkontinentalen Flugzeuge mit einem Preisschild von 35 bis 75 Millionen Dollar war so gut wie nicht von der Finanzkrise ab 2009 betroffen. Die Verkäufe von kleineren und bescheideneren Jets brachen dagegen durch die Krise um bis zu zwei Drittel ein, und die Hersteller mussten in der Folge ihren Mitarbeiterstamm halbieren. Diese gegenläufige Entwicklung zwischen Groß und Klein zeigt objektiv Zeichen eines Wechsels, ja sogar einer kompletten Umkehrung des Trends.“

Foley zieht zur Beweisführung seiner These die aktuellen Zahlen des Branchenverbands GAMA (General Aviation Manufacturers Association) aus Washington, D.C., heran, die  zeigen, dass die Auslieferungszahlen von Business Jets 2014 im Vergleich zu 2013 zwar um 6,5 Prozent gestiegen sind, dass die Treiber dieser Entwicklung aber ausschließlich die kleinen und mittleren Muster sind. In diesem Marktsegment stiegen die Auslieferungen um 11,8 Prozent, während sie bei den großen und sehr großen Jets sogar um 2,8 Prozent zurückgingen.

Im ersten Halbjahr 2015 hat sich dieser Trend fortgesetzt. Von den kleinen und
mittleren Jets wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 3,4 Prozent mehr Exemplare an Kunden übergeben als im Vorjahreszeitraum. Bei den großen Jets hingegen sank die Zahl der ausgelieferten Flugzeuge um 12,7 Prozent. 

Während die großen Jets vor allem von Firmen gekauft werden, gibt es bei den kleinen Geschäftsreisejets viele Käufer, die ihr Flugzeug auch selbst fliegen. Und diese Käufer waren wegen der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten in den vergangenen Jahren deutlich zurückhaltend. Nun scheint der Optimismus langsam zurückzukehren.

Die Hersteller unterstützen die Nachfrage mit neuen Mustern, die den Kunden mit besseren Leistungen, geringerem Verbrauch, mehr Komfort und günstigeren Betriebskosten Vorteile im Vergleich zu den derzeit geflogenen Mustern bieten. Beste Beispiele dafür sind die kleinsten Learjet-Muster Learjet 70 und 75. Die Nachfrage nach den Vorgängern, Learjet 40XR und 54XR, war zuletzt schleppend. Durch die Einführung des 70 und 75 hat sie sich wieder belebt, was sich auch in den Auslieferungszahlen des ersten Halbjahrs 2015 widerspiegelt: Sie haben sich im Vergleich zum ersten Halbjahr 2014 von acht Exemplaren auf 14 Exemplare fast verdoppelt.

Auch bei der Cessna Aircraft Company, die zur Textron-Aviation-Gruppe gehört, hat die Modellpflege zu einer Steigerung der Nachfrage geführt. Die Citation M2 löste die CJ2+ in Cessnas Modellpalette ab und brachte die Auslieferungszahlen gleich auf ein zweistelliges Niveau. Die Aktualisierung der Cessna Citation CJ3 zur CJ3+ hat positive Folgen für die Zahl der produzierten Flugzeuge: Wurden im ersten Halbjahr 2014 nur sechs CJ3/CJ3+ hergestellt, waren es im ersten Halbjahr 2015 elf. Der Markt der leichten Jets bleibt hart umkämpft. Selbst wenn die Anzeichen stimmen und der Kuchen jetzt größer wird, bleibt der Wettbewerb knochenhart. Mit Honda Aircraft und Pilatus treten zwei weitere Wettbewerber in den Ring.

Honda Aircraft aus Greensboro will den HondaJet noch in diesem Jahr durch die FAA-Zulassung bringen. Der Zweistrahler mit der ungewöhnlichen Auslegung der Triebwerke über den Flächen schickt sich an, im unteren Segment zu wirbeln, während die PC-24 von Pilatus durch ihre spezielle Auslegung mit einer großen Frachttür im Rumpfheck ebenfalls den alteingesessenen Herstellern Kunden abjagen kann. Ab 2017 wollen die Schweizer die ersten Jets an Kunden übergeben.

Auslieferungen 1. Halbjahr 2015

Hersteller
Flugzeug
1.Hj. 2014
1.Hj. 2015
Bombardier
Learjet 70/75
8
14
Cessna
Citation M2
19
17
Cessna
Citation CJ2+ 2
0
Cessna
Citation CJ3/CJ3+ 6
11
Cessna
Citation CJ4 12
15
Embraer
Phenom 100 9
7
Embraer
Phenom 300 30
29
Gulfstream
G150/G280 18
15


aerokurier Ausgabe 11/2015

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