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Toni Ganzmann

Trixy Aviation: Insolvenzverwalterin nimmt Stellung

Trixy Aviation Insolvenzverwalterin nimmt Stellung

Im Januar 2020 befragte der aerokurier Rainer Farrag zu den wirtschaftlichen Problemen seines Unternehmens Trixy Aviation. In einigen Punkten habe Farrag die Unwahrheit gesagt, erklärt Vera Zavrl, die als Insolvenzverwalterin für den in Slowenien ansässigen Teil der Firma bestellt wurde.

In dem Interview mit Rainer Farrag ging es seinerzeit um die Insolvenz von Trixy, um angeblich vorenthaltene Fördermittel, die Gründe für den Verkauf und die Rechte an den Konstruktionen. Im Rahmen der Betreuung des Insolvenzverfahrens meldete sich nun Vera Zavrl bei der Redaktion, um Aussagen Farrags richtigzustellen. Die Ausführungen von Vera Zavrl werden hier im Folgenden Wiedergegeben:

Herr Farrag erklärt, er habe das Unternehmen zu einem symbolischen Preis von 500 Euro an einen führenden Mitarbeiter verkauft, weil er dem Unternehmen ermöglichen wollte, dass das slowenische Finanzministerium dem Unternehmen in fünf Jahren EU-Entwicklungsgelder in Höhe von rund fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen kann, weil nach Angaben des slowenischen Finanzministers Unternehmen, die auch in Österreich einen Firmensitz haben, keinen Anspruch darauf haben. Diese Aussage ist nicht richtig. Aus den Unterlagen des Insolvenzschuldners geht nicht hervor, dass die Mittel dem Unternehmen vom Finanzministerium der Republik Slowenien in der angegebenen Höhe zugesagt wurden, geschweige denn, dass ein Unternehmen, das auch in Österreich einen Firmensitz hat, keinen Anspruch darauf hätte. Rainer Farrag sagte nicht, dass er das Unternehmen verkauft habe, weil es mit großen Verbindlichkeiten belastet war, für die er keine Geschäftslösung finden konnte, die die Begleichung von Verbindlichkeiten ermöglichen würden, was leider auch dem neuen Eigentümer nicht gelungen war. Allerdings ist der Grund nicht, dass der slowenische Staat ihm Gelder verweigern würde. Es ist auch nicht richtig, dass vor der EU ein Klageverfahren gegen die slowenische Regierung läuft, weil sie die zweckgebundenen Mittel nicht gezahlt haben.

Toni Ganzmann
Trixy hat immer wieder mit spannenden Konstruktionen auf sich aufmerksam gemacht, wie beispielsweise mit dem offenen Side-by-Side-Gyro "Spirit"...

Farrag erklärte weiter, dass das österreichische Unternehmen Trixy Aviation Products GmbH alle Genehmigungen, Zertifikate und Patente besitzt, damit die Produktion in Österreich fortgesetzt wird. Nach den öffentlichen Daten des DAeC-Zertifikatsregisters habe ich festgestellt, dass die Trixy Aviation Products GmbH nur das vom DAeC ausgestellte Zertifikat G 4-2 besitzt. Das slowenische Unternehmen Trixy Aviation d.o.o. verfügt dagegen über eine Vielzahl an Genehmigungen und Zertifikaten, darunter das slowenisches G 4-2, das Produktionszertifikat für G 4-2, das Zertifikat für den Tragschrauber Spirit, ausgestellt vom DAeC, das Validierungszertifikat JA etc.

Herr Farrag behauptet, 15 Mitarbeiter aus dem slowenischen Team von Trixy Aviation d.o.o. angeworben zu haben, um die wirtschaftliche Not ehemaliger Mitarbeiter zu lindern. Gemäß der mir vorliegenden Unterlagen übernahm er keinen der ehemaligen Arbeitnehmer, denen unmittelbar nach Beginn des Insolvenzverfahrens Entscheidungen über die Beendigung des Arbeitsverhältnisses zugestellt wurden. Sie wurden zur Ausübung ihres Arbeitslosenrechts an die Arbeitsverwaltung der Republik Slowenien verwiesen. Rainer Farrag bemerkt ferner, dass er alle noch offenen Verpflichtungen der ehemaligen slowenischen Tochtergesellschaft übernehmen werde. Ich erkläre, dass er keine Verpflichtung der ehemaligen slowenischen Tochtergesellschaft eingegangen ist. Die Gläubiger haben ihre Forderungen gemäß dem Insolvenzrecht in der Republik Slowenien eingereicht. Dies wird auch auf der Website der Agentur für öffentliche Rechtsakte und damit verbundene Dienstleistungen (AJPES) veröffentlicht und ist der Öffentlichkeit zugänglich.

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...oder dem TrixFormer, einer Kombination aus Tragschrauber und Motorrad.

Das slowenische Unternehmen Trixy Aviation d.o.o. befindet sich seit Oktober 2019 in einem Insolvenzverfahren und wird als Geschäftsbereich auf einer öffentlichen Auktion weiterverkauft. Zur Insolvenzmasse gehören unter anderem Eigentumsrechte, Produktionsmaschinen, Rohmaterial und fertige Bauteile sowie Formen. Die Ausschreibung für die öffentliche Versteigerung, die am 14. Januar 2021 stattfinden wird, wurde am 3. Dezember 2020 auf dem slowenischen Portal AJPES veröffentlicht.

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