"Sie sind" – dramatische Pause – "die Elite. Die besten der Besten. Wir machen sie noch besser!"
Dieser Satz dürfte unter den zahlreichen Zitaten aus dem Film "Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel", die in Fliegerkreisen gerne zum Besten gegeben werden, zu den bekanntesten gehören. Es sind die Worte, mit denen Commander Mike Metcalf, Rufname "Viper", den Neuankömmlingen klar macht, was sie von ihrem Aufenthalt an der Navy Fighter Weapons School auf der Miramar Airbase nahe San Diego, Kalifornien, zu erwarten haben. Auf die Frage Vipers, ob jemand glaubt, dass sein Name mal auf der Tafel der Lehrgangsbesten stehen wird, bejaht Pete "Maverick" Mitchell, gespielt von Tom Cruise, was Viper zunächst mit Respekt zur Kenntnis nimmt, aber unmittelbar darauf hinweist, dass er hier wird lernen müssen, in einem Team zurechtzukommen. Die Fronten sind geklärt.
Als Tom Cruise mit Top Gun 1984 seinen Durchbruch feierte, war sein Namensvetter – beide heißen mit bürgerlichem Vorname Thomas – schon ein alter Hase im Showbusiness. 1962 stieg er mit seiner Nebenrolle in "Hinter feindlichen Linien" ein, spielte hier an der Seite von Robert Redford und Sidney Pollack, und kam später unter anderem durch den Pilotfilm zur Serie M*A*S*H* und seine Rolle im ersten Teil der "Alien"-Reihe zu seinem Ruhm.
Wie Vater und Sohn
In einem Interview sagte Skerritt Jahrzehnte später, die Arbeit mit Cruise sei eine Art Vater-Sohn-Geschichte gewesen, im wortwörtlichen und im übertragenen Sinne. Auf der einen Seite der junge, aufstrebende Pilot, dessen überbordendes Selbstbewusstsein zwar auf seine exzellenten Stick-and-Rudder-Skills aufbaut, aber, das wird später klar, vor allem über seine Unsicherheit hinwegtäuschen soll. Auf der anderen Seite der ruhige, bedachte und kampferfahrene Mentor, der um die Achillesferse seines Schützlings weiß: dessen innige Beziehung zu seinem Vater, einem Navy-Piloten, der unter ungeklärten Umständen im Kampf verschollen war, Gerüchten zufolge gar abgehauen sein sollte.
So ist es an Viper, diesem "Naturtalent von Piloten", wie er gegen Ende des Films einräumt, mit der gebotenen Mischung aus Strenge und Väterlichkeit zu begegnen, um dessen ungestümes Temperament und die anfängliche Neigung, sich über Regeln hinwegzusetzen, in die richtigen Bahnen zu lenken.
"So viel zum Thema Überflug, meine Herren", kommentiert Viper lakonisch zu Maverick und dessen Co-Pilot Goose, als der kommandierende Offizier der Airbase wild brüllend durch die Korridore läuft, nachdem zwei "wildgewordene Jockeys mit mehr als 400 Knoten" über seinen Tower "weggedonnert" sind und Viper die beiden anschließend mit aller Schärfe ins Gebet nimmt. "Unsere Bestimmungen gelten ihrer Sicherheit und der Sicherheit sämtlicher Besatzungen. Weder unsere Vorschriften noch ich lassen eine Ausnahme zu. Entweder sie beachten sie oder sie waren die längste Zeit hier, ist das klar?"

Die legendäre Szene, in der Viper Maverick für sein Fehlverhalten am ersten Trainingstag bei Top Gun maßregelt.
Kurz darauf wird deutlich, dass Viper viel tiefer in der Sache drin steckt, als man zunächst meint. Im Austausch mit Top-Gun-Ausbilder Jester räumt er ein, dass er gemeinsam mit Mavericks Vater geflogen ist, und will von Jester wissen, ob er im Ernstfall mit Maverick fliegen wollen würde.
Tatsächlich kommt der alte Haudegen aber nicht umhin, seinem Schützling herausragende fliegerische Leistungen zu bescheinigen: "Verdammt ist der Junge gut!" kommentiert er eine Dogfight-Übung, in der Maverick seinen Flügelmann allein lässt, um den Chefausbilder zu jagen, aber am Ende selbst von dessen Wingman Jester simuliert abgeschossen wird.
Viper: Mentor und Freund
Als Goose bei einem Flugunfall ums Leben kommt, ist es Viper, der Maverick in einem privaten Gespräch klar macht, dass er sich aktiv dafür entscheiden müsse, zu akzeptieren, nicht alles kontrollieren zu können. "Ihr Problem ist, dass sie sich für Goose verantwortlich fühlen und sich selbst nicht mehr vertrauen. Aber ich denke nicht daran, sie zu irgendwas zu überreden. Ein Guter Pilot muss in er Lage sein zu beurteilen, was auf ihn zukommt, damit er anwenden kann, was er gelernt hat. Da oben entscheidet ein Pilot allein – das ist unser Job." Aussagen, die – so platt sie auch daher kommen – eine wahren Kern haben.
Schließlich bleibt Maverick Top Gun erhalten, macht seinen Abschluss und geht direkt von der Graduierungsfeier gemeinsam mit seinen Kameraden in den Einsatz. Bei der Verkündung des Marschbefehls trifft er ein letztes Mal auf seinen Mentor: "Maverick, sie bekommen ihren Co-Ploten auf dem Schiff. Und falls nicht, rufen sie mich an. Dann fliege ich mit ihnen." Cloeseup Shot, Skerrits typisches asymmetrisches Lächeln, bei dem sich nur sein rechter Mundwinkel bewegt, und dem Zuschauer ist spätestens mit Mavericks "Sir!" klar, dass sich da zwei Menschen, zwei Profis auf Augenhöhe begegnen.

Viper bei der Graduierungsfeier der Top-Gun-Absolventen.
Das Ende ist bekannt, der Himmel ist voller MiGs, eine F-14 wird abgeschossen, die Crew vom Hubschrauber gerettet und Iceman und Maverick fegen im Teamwork einige Gegner vom Himmel, bevor die restlichen das Weite suchen. Nach der Landung auf dem Flugzeugträger – natürlich nicht, ohne auch hier den Turm einmal "anzuhusten" – versichern sich die Konkurrenten Maverick und Iceman gegenseitig, dass der andere jederzeit der eigene Flügelmann sein darf. Drama, Drama, Happy End. Und eine unglaubliche Werbung für die Marineflieger der US-Streitkräfte.

Tom Skerritt (r.) mit Schauspielkollegin Kelly McGilles, die in Top Gun Ausbilderin "Charlie" spielt, und Regisseur Tony Scott. Da Bild entstand 2010.
Weitere Station in Tom Skerritts Filmkarriere waren unter anderem Robert Redfords "Aus der Mitte entspringt ein Fluss" nach dem Roman von Norman Maclean (1992), den Science-Fiction-Film "Contact" (1997) und der Kriegsfilm "Tränen der Sonne" (2003). Seinen Abschluss im Kino beging Skerrit 2021 mit "East of the Mountains".
Überdies arbeitete Skerritt bis zuletzt weiter als Schauspieler für Fernsehfilme und Serien. Er lebte abwechselnd in Seattle und in seinem Ferienhaus auf Lopez Island, hatte vier Kinder und war seit 1998 in dritter Ehe mit Julie Tokashiki verheiratet. Am 21. Oktober 2026 starb er im Alter von 93 Jahren.





