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Restaurierung

Alles für meine Dornier Do 27

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Markus Rheinländer ist der Do 27 seit Kindheitstagen verfallen. Im ersten Teil unserer neuen Serie „Meine Liebe“, in der Piloten von ihren Schätzen berichten, erzählt er, wie er vom Bestauner zum Mitflieger, vom Mit- zum Selbstflieger und schließlich zum Besitzer einer Do 27 wurde.

Wie kommt es, dass man einem Flugzeugmuster verfällt? Wie man der Fliegerei verfällt, ist einfacher erklärt: Wenn der Opa geflogen und der Vater auf dem Flugplatz aufgewachsen ist, so fährt man mit dem Nachwuchs nach der Entbindung auch erst mal den Umweg über den Flugplatz nach Hause. Nachweislich war „Morane“ das erste Wort, noch vor „Mama“ und „Papa“. 

Immer wenn es mit den Eltern in den Harz ging und wir am Flugplatz Bad Gandersheim vorbeifuhren, sagte mein Vater: „Guck mal, neben dem Tower steht wieder die Do ...“ Irgendwann wollte ich wissen, was „die Do“ genau ist, und so bogen wir ab und betrachteten alles aus der Nähe. Für ein Kind in meinem Alter war es eine beeindruckende Erscheinung. Mein Vater meinte, ich würde einen Flug damit bekommen, wenn ich in Mathe eine 2 schriebe. Es war Erpressung – aber sie wirkte. Als Kind war man außerdem von der D-ENTE begeistert, der Do 27 in Zebra-Lackierung, mit der Prof. Grzimek die Serengeti aus der Luft erkundete. Der Film „Serengeti darf nicht sterben“ bekam als erster Tierfilm einen Oscar und machte die Do 27 berühmt. Auch eine Geschichte vom Groß­­flug­tag 1973 am Flugplatz Ithwiesen beeindruckte mich besonders: Die Vorführung des Düsenjägers English Electric Lightning sorgte beim Überschallknall dafür, dass bei einer anwesenden Do 27 die Scheiben rissen. Genau diese Do 27 sollte später noch eine wichtige Rolle spielen.

Bad Gandersheim war Austragungsort für Segelflugwettbewerbe. Ich fuhr immer mit, verschwand dann aber dorthin, wo eine Do 27 zu sehen war. Stets bemüht, beim Putzen zu helfen, Bremsklötze zu besorgen oder den Springern die Leinen der Automatik-schirme nach der Landung wiederzubringen, kam ich zu meinen Mitflügen. Das Feuer war entfacht. Zu der Zeit flogen drei Dornier wechselweise vor Ort, und auch die Do 27 mit den gerissenen Scheiben war in Bad Gandersheim eingelagert.

Nachdem die Springerei eingestellt wurde, flog nur noch die D-EFOB. Die D-EDNW verblieb in Wunstorf, und die D-EGEA rottete seit einem Motorschaden neben den Fragmenten ihrer Schwester D-EAWW in einer Scheune vor sich hin. Der Besitzer beider Maschinen mochte mich, und als er hörte, dass ich meinen 18. Geburtstag lieber bei den Dos verbringen wollte, statt zu feiern, schenkte er mir die Überreste der D-EAWW und wollte sie mit mir wieder in die Luft bringen. Leider wurde er sehr krank – aus dem Plan wurde nichts.

Mitflüge zu bekommen war leicht, selber eine Do zu fliegen aber fast aussichtslos. Für die ergrauten Herren war es ein Statussymbol, und das wollte man nicht mit einem so jungen Burschen teilen.

Zu Bundeswehrzeiten in Fassberg stand dann die PPL(A) an. Da ich mir in den Kopf gesetzt hatte, später einmal Do 27 und An-2 fliegen zu wollen, konnte ich meinen Fluglehrer Klaus Prägler schnell überzeugen, auf der Piper L-18 des Vereins zu schulen. So machten wir gemeinsam ganz Norddeutschland unsicher, und Spornradfliegen wurde zur normalsten Sache der Welt. Durch Flugtage am Ith bekam ich die Möglichkeit, regelmäßig als Copilot auf verschiedenen An-2 durch Deutschland zu touren, um die Do aber wurde es ruhig.

Auf einem Do-27-Treffen in Gelnhausen lernte ich Martin Rulffs kennen, der mich erneut mit dem Do-Virus infizierte. Er sammelte alles, was es irgendwo an Fotos, Dokumenten und Ersatzteilen gab, und war in Fachkreisen schon damals als „Do-27-Papst“ bekannt. Im aerokurier berichtete Horst Kranz mehrfach von Reisen mit seiner Do 27, und die Bilder von Flügen bis nach Gibraltar trieben mich an, weiter nach Wegen zu suchen, selbst ins Cockpit zu kommen. Eines Tages bekam ich Kontakt zu Chris Ohletz aus Berlin. Ihm gehörte eine Do 27, und er bot mir eine Einweisung an. Später meldete sich Chris mal wieder und fragte, ob ich ihm bei der Jahresnachprüfung seiner Do helfen könne. Klar, wo steht sie? Auf Mallorca! Kaum war der Schreck verdaut, packte ich mein Werkzeug und verschwand für eine Woche auf die Insel. Der Flieger bekam seinen Stempel, und wir trafen uns einmal im Monat, um die Dame zu bewegen. Es ging nach Ibiza, Menorca, Barcelona, in die Pyrenäen – eine großartige Zeit mit vielen tollen Eindrücken.

Auf einem Treffen sah ich die D-EDNW aus Wunstorf wieder. Ein junges Team hatte die Maschine vom Verein übernommen, man bot mir an, mitzumachen. So kam ich endlich regelmäßig zum Do-Fliegen. Highlight in dieser Zeit war die Anfrage der Bundeswehr, die zu ihrer 50-Jahr-Feier eine original lackierte Do 27 suchte. So wurde unsere November Wiskey wieder zur 55+46 mit kleiner Zivil-kennung am Heck – damals eine echte Seltenheit. 2005 bekamen wir die D-EMEJ aus Alhorn dazu. Sie wurde für eine Restaurierung komplett zerlegt, dann aber doch eingelagert. Zudem holten wir die Reste der D-EAWW nach Wunstorf – auf die Dokumentensammlung ihres verstorbenen Besitzers mussten wir leider verzichten, seine Witwe wollte einfach zu viel Geld dafür. 2007 richteten wir in Bad Gandersheim ein Do-27-Treffen aus. 28 Maschinen flogen ein. Mit dabei die gerade wieder zum Erstflug gebrachte D-ENTE in Zebralackierung und die D-EKUI von Silvius Dornier. Dornier lud uns auch ein, 2009 in einer Viererformation zur Eröffnung des Dornier-Museums in Friedrichshafen mitzufliegen.

In den Jahren lernte ich auch Marcel Felde kennen, der geistige Vater der Aerosoft -Do-27 für den Microsoft-Flugsimulator. Die Wunstorfer steuerten Detailfotos, Soundaufnahmen und Handbücher bei und testeten seine Arbeit über Monate. Am Ende entstand ein gefeiertes Add-on für Flugsimulatoren. Außerdem kam ich in Kontakt mit Andreas Raguse. Wir schraubten zusammen und flogen zuerst seine D-EBJS und später seine D-EMBB. Irgendwann kaufte er zwei spanische Lizenzbauten der Do 27 in Sevilla. Ich sollte mitfahren und die zwei Hallen voller Flugzeugteile nach Do 27/CASA C-127 und sonstigen Sachen sortieren – eine irre Aktion. Ergebnis: neue Freunde gefunden und die erste zarte Leidenschaft zur C-127 entwickelt. Leider stellte sich heraus, dass die C-127 keine zivile Zulassung hatte, und somit gab es damals keine Möglichkeit, eine der beiden wieder in die Luft zu bringen. Nun stehen beide in einem Museum. Der Traum, eine C-127 zu betreiben – vorerst ausgeträumt. 

Do 27 verschrotten? Nein!

Auch ein anderer platzte: Die D-ENTE flog mit Martin Rulffs und dem Enkel von Prof. Grzimek in die Serengeti. Dabei entstand der Film „Flügel der Väter“. Martin konnte das Flugzeug leider nicht selber zurückfliegen, und der Überführungspilot machte Bruch. Rumpf und Tragflügel waren hin. Beides hatte ich in Form der D-EAWW, und so entstand die Idee, aus den zwei Fliegern eine neue D-ENTE zu machen. Rumpf und Flügel wurden nach Finsterwalde gebracht, wo auch das Wrack aus Afrika eintraf. Das Team von AIRplus baute die D-ENTE unter Leitung von Erik Baues wieder auf. Nach 31 Jahren in einer Scheune wurden die Überreste der D-EAWW zur berühmtesten aller Do 27! Im Spielfilm „Grzimek“ mit Ulrich Tukur in der Hauptrolle zeigte sie sich von ihrer besten Seite und schaffte es aufs DVD-Cover. Eine Ehre, das Flugzeug selber zu fliegen, in dessen Überresten ich als Kind vom Do-Fliegen träumte!

Weitere Höhepunkte folgten in Form der Teilnahme beim Phantom-Fly-out in Wittmund und dem Einsatz als Fotoflugzeug beim Quax-Verein in Paderborn. Dort absolvierten wir einen  Fotoflug mit Ju 52, Fw 44 Stieglitz, Bücker 131 Jungmann und Klemm 35. Begeistert von der Do 27, stand für die Quaxe schnell fest, dass sie eine eigene haben wollten, und ich sollte mögliche Kandidaten finden. Am Ende wurde es die zerlegte D-EMEJ aus Wuns-torf. Sie wechselte 2013 nach Paderborn und ich mit ihr. Wir stellten ein Team aus Prüfern, sachkundigen Schraubern und Neulingen zusammen und legten los. Wir beizten uns durch sieben Lackschichten und verpassten ihr ein tolles Finish. 2017 soll sie nun endlich wieder fliegen. Dabei wird sie die Auslieferungslackierung tragen, in der sie 1959 ihren Dienst bei der Bundeswehr antrat. Einziges Problem: Sie ist eine originale Do 27 A3. Alle A-Versionen hatten ursprünglich nur ein Steuer, die B-Versionen hatten Doppel­steuer für die Schulung. So lange wir also kein Doppelsteuer gefunden haben, ist eine vereins­interne Schulung nicht möglich. Uns wurde zwar angeboten, das Doppelsteuer aus einer anderen Maschine auszubauen, allerdings war ich noch nie ein Freund davon, komplette Flugzeuge zu fleddern.

Einige Zeit später bekam ich die Info, dass genau diese Do verschrottet werden sollte, und ob das nicht ein Projekt für mich wäre. Die erste Reaktion war: NEIN! Liebe hin oder her, aber als Normalverdiener ist eine Do 27 ein paar Nummern zu groß. Vielleicht wären aber Teile zu gebrauchen, die man in Paderborn nutzen könnte. Also machten sich Quax-Prüfer Alfons, mein Vater und ich auf den Weg nach Itzehoe. Zuvor hatte Martin schon mal beim Besitzer vorgefühlt, und auch dem war mehr daran gelegen, dass der Flieger erhalten bleibt. Als die Halle aufgeschoben wurde, war es Liebe auf den ersten Blick. Gut, Madame war etwas in die Jahre gekommen, und an jedem Teil stand das Wort „Arbeit“. Aber kein Gedanke war mehr beim Thema Ersatzteil. Sie sollte erhalten bleiben, komplett und fliegend! Nicht zuletzt dank der Ermutigung durch meinen Vater: „Seit deiner Kindheit wolltest du deine eigene haben, wo nicht wieder viel Arbeit und Geld investiert wird, und am Ende entscheiden andere über Verbleib und Verkauf – ob sie weiterfliegt, verschrottet wird oder draußen vergammelt.“ Vater und Sohn waren sich einig. Nun mussten noch der Prüfer und der Besitzer überzeugt werden, und das ging schnell. Am Abend wusste Besitzer Lutz, dass er seine Do in gute Hände abgegeben hatte.

Es war eine tolle Zeit in Itzehoe und Kiel, alle hatten ihren Spaß und waren motiviert, die Dame wieder in die Luft zu bringen. Der erneute Erstflug verlief ohne Probleme. Als Dank dafür, dass er mir meinen Kindheitstraum ermöglicht hatte, durfte Lutz den Erstflug machen und ich notierte auf dem rechten Sitz alle Werte. Die Überführung verlief ohne Probleme, und bald war die Fox Golf sicher in Paderborn.

Da die Halle der Quaxe voll war, durfte die Do einige Zeit im benachbarten Hangar 2 stehen. Die erste Idee war, sie in ihrer Skydive-Kiel-Lackierung noch ein Jahr zu fliegen, damit sie an unserer geplanten Feier anlässlich 60 Jahren Do 27 teilnehmen konnte. Aus verschiedenen Gründen begannen wir dann aber doch mit einer kompletten Restaurierung. Aber welche Lackierung sollte es nun werden? In jedem Fall sollte sie original sein. Kein eigenes Design und kein „so ähnlich wie“. Nachdem die Aussicht bestand, dass eine Piaggio P.149 und eine Fiat G.91 nach Paderborn kommen sollten, die beide ebenso wie die D-EKFG bei der Waffenschule der Luftwaffe 50 in Fürstenfeldbruck geflogen waren, entstand die Idee, sie in Flecktarn mit Leuchtorange zu lackieren – genau so, wie sie einst in FFB in die Luft gegangen war. In Blau war sie allerdings ein Unikat, in Flecktarn hätte sie dann ausgesehen wie viele andere. Nach der D-ENTE und der Quax-Do in Auslieferungslackierung sollte doch eher ein drittes Unikat her.

Motivation für andere Piloten

Bei den Vorbereitungen zum Do-Jubiläum wurde schnell klar, dass es ohne Spanien keine Do 27 gegeben hätte. Allerdings flog seinerzeit kein original spanisch lackiertes Flugzeug mehr. Den endgültigen Ausschlag  in diese Richtung gab dann der Besuch des spanischen Königs im Hangar 2. König Felipe hatte selbst bei der Luftwaffe seinen Flugschein gemacht und kannte daher die Do 27 und CASA C-127. Deswegen sollte die Quax-Do auch am roten Teppich stehen. Damit war klar: Meine Fox Golf würde eine Spanierin werden!

Damit es keine bösen Überraschungen geben würde, schrieb ich König Felipe einen Brief. Ich erklärte unser Projekt, eine Do 27 vor der Verschrottung zu retten und sie in den Farben der ersten Flugzeuge im Dienst der spanischen Luftwaffe zu restaurieren. Damit wollen wir 60 Jahre Do 27 und die Zusammenarbeit der beiden Länder feiern. Was einst mit der Do begonnen hat, wird ja bis heute mit dem Airbus A400M fortgesetzt. Nun wünscht man sich vielleicht, dass ein König antwortet, aber man glaubt nicht wirklich daran.  Falsch gedacht! Nach zwei Wochen kam ein Brief aus dem Madrider Königspalast. König Felipe freute sich über den Erhalt der Do 27 und die Idee, die Zusammenarbeit beider Länder zu würdigen. Und natürlich über die Einladung, die Fox Golf selber fliegen zu dürfen.

Nun ging es los mit dem Zerlegen, Abbeizen und allen anderen notwendigen Vorarbeiten. Aber das kannten wir ja noch von der Quax-Do. Weitere positive Unterstützung bekam das Projekt von Do-27-Testpilot Karl Kössler und Hermann Stützle, der in Madrid an der Kon-struktion von Do 25 und Do 27 beteiligt war. Die Lackiervorlagen kamen vom Luftwaffenmuseum Madrid und ehemaligen Technikern und Piloten aus Spanien. Auch die eigens online gestellte Facebookseite „Save a Dornier“ hat schon viele tolle Kontakte rund um mein Lieblingsflugzeug gebracht.

Meine Do trägt nun die Lackierung der U9-51 – die der ersten Do 27 für die spanische Luftwaffe. Das Original wurde nach einem Unfall nicht mehr aufgebaut. Damit diese Do langfristig erhalten bleibt, galt es, einen Plan auszuarbeiten. Das Flugzeug wird zum einen technisch komplett restauriert, um es langfristig in gutem Zustand zu halten. Wie in der Braunschweiger Charta zum Erhalt historischer Flugzeuge empfohlen, habe ich den Antrag gestellt, das Flugzeug als bewegliches technisches Denkmal zu registrieren. Damit soll die Do 27 als erstes deutsches Großserienflugzeug nach dem Krieg besondere Würdigung erfahren. 

Doch bei der technischen Aufarbeitung allein soll es nicht bleiben. Das Flugzeug soll vielmehr auch künftige Pilotengenerationen motivieren, sich mit der Fliegerei und der Luftfahrtgeschichte zu befassen. Nur wenn wir früh genug jungen Menschen beibringen, wie man Oldtimer restauriert, wartet und wie man sie fliegt, haben Oldtimerflugzeuge eine Zukunft.

Beim LTB der Quaxe haben meine und andere Dos als „Patienten“ manchen angehenden Fluggerätemechaniker erstmals in Kontakt mit dem großen Oldie gebracht. Wann immer es geht, beziehe ich junge Leute in die Arbeiten an den Dos mit ein und – natürlich – dürfen sie dann später auch mitfliegen.

Genauso wie ich einst in Bad Gandersheim. Mit Mirko, Eric, Sven, Marvin, Elias, Patrick und anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen habe ich gute Hoffnung, dass erhalten bleibt, was die Piloten meiner Generation angefangen haben.

Die Fox Golf soll nach Abschluss der Arbeiten eine Reise durch Spanien antreten und Fans beider Länder sowie ehemalige Piloten und Techniker zusammenbringen. Sie könnte auch Teil eines fliegenden Museums werden, Ideen gibt es da genug. Und für jeden Freak, dem eine originale Do 27 zu groß ist, gibt es seit 2017 Abhilfe: Die Firma Special Hobby durfte beide Paderborner Dos zur Dokumentation nutzen, um Plastikmodellbausätze davon anzufertigen. Die Legende lebt weiter!

aerokurier Ausgabe 09/2017

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