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Frank-Thore Laufenberg im Interview

Am Anfang war die Angst

Panische Flugangst führte Frank-Thore Laufenberg (45) zum „Besuch“ im Cockpit eines Verkehrsflugzeugs. Für den IT-Spezialisten war das der Auslöser für die eigene Fliegerkarriere. Heute begleitet er karibische Exkursionen als Safety-Pilot und ist regelmäßig in der eigenen Virus SW zwischen Rendsburg und Helgoland unterwegs.

Herr Laufenberg, Sie sind den aerokurier-Lesern als Bahamas-Spezialist ein Begriff. Wie kamen Sie dazu – oder besser gefragt: Wie fing fliegerisch alles an?

Es ist in der Tat kurios, denn ich komme wirklich aus der Flugangst. Auch längere Strecken fuhr ich damals lieber mit dem Zug, statt zu fliegen. Mit Ende 20 sagte ich mir: Das muss aufhören! Auf einem Lufthansa-Flug nach Wien habe ich gefragt, ob ich ins Cockpit darf. Damals ging das noch, und die Piloten erklärten mir alles ganz genau. Sie nahmen meine Angst ernst. Die Landung erlebte ich auf dem Jump Seat - ein prägendes Erlebnis! Nach dem Rückflug stieg ich aus und wusste: Ich werde Pilot!

Einfach so?

Ja. Meine Freunde haben mich für verrückt gehalten. „Du weißt schon, du bist der mit der Flugangst“, hänselten sie. Aber dann saß ich wenig später in Reichelsheim zum ersten Mal zitternd als Schüler in einer Katana. Nach 60 Stunden verlief mein erster Alleinflug nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich dachte, dass ich das wohl doch nie lerne, und brach die Ausbildung ab. Inzwischen arbeitete ich für eine Bank in Brüssel. Das Fliegen-Wollen ließ mich aber nicht los, und ich versuchte es erneut in Aachen. Da die Wetterbedingungen den Ausbildungsflügen hierzulande aber häufig im Weg stehen, ging ich schließlich nach Florida, um bei nahezu idealen Bedingungen zu schulen. Dort machte ich 2001 den PPL, ein Jahr später das IFR-Rating und den CPL, dann folgten auch MEP und das Seaplane Rating.

Privat ist Frank-Thore Laufenberg oft mit seinem UL Virus SW unterwegs. Foto und Copyright: Laufenberg

Und wie kamen die Bahamas ins Spiel?

Mir fehlten vor der CPL-Prüfung noch zwölf Stunden Flugzeit. Von Florida zu den Bahamas ist es nicht so weit, und das klang doch gut. Ich muss gestehen, dass ich hin und weg war, als ich zum ersten Mal dort landete. Danach habe ich die Inseln für mich zwei Wochen lang erkundet. Die Bahamas sind bis heute mein Fliegerparadies. 62-mal bin ich zwischen 2002 und 2013 dort gewesen.

2007 gründete ich eine Firma in Miami und arbeitete an einem Bahamas-Guide mit. Ich begleite deutsche Piloten auf die Inselgruppe, sorge dafür, dass alle Verfahren genau eingehalten werden, und empfehle passende Locations. Auf den Bahamas fliegt man weitgehend ohne Lotsen, gefunkt wird in Absprache mit den anderen Piloten. Zudem sind die Behörden in den USA sehr kritisch bei der Einreise, wie man weiß. Da helfe ich mit meiner Erfahrung. Das Fliegen in den USA und auch in der Karibik ist ja sowieso viel angenehmer als bei uns. Man sollte die Vorschriften von dort einfach 1:1übernehmen. Bei uns gibt es leider viele unsinnige, teils auch absurde Vorschriften, die niemand wirklich versteht, und viele Behörden, die sich die Kompetenz gegenseitig streitig machen.

Sie waren lange nicht auf den Bahamas. Gab es Ereignisse, die zu einer neuen Betrachtungsweise führten?

2013 gab es ein paar Änderungen in meinem Leben. Meine ersten beiden Kinder (heute 18 und 14) habe ich praktisch nicht aufwachsen sehen. Diesen Fehler wollte ich nicht wieder machen. Seit 2011 bin ich wieder verheiratet und habe zwei kleine Söhne (2 und 1), zu denen ich ein sehr inniges Verhältnis habe. Ich bin so oft ich kann bei meiner Frau und den Kindern. Auch meine große Tochter lebt inzwischen bei uns in Rendsburg. Meine beruflichen Aktivitäten habe ich stark zurückgefahren. 2015 werde ich zwar wieder Werbung für meine Bahamas-Trips machen, aber alles mit weniger Stress. Ich bin lange genug den falschen Werten hinterhergerannt.

Der in Köln geborene Pilot gehört zu den Spätstartern. Heute begleitet Laufenberg als Profi Piloten auf die Bahamas. Foto und Copyright: Laufenberg

Sie haben gerade eine CD aufgenommen mit Liedern, die auch Ihre eigene Kindheit reflektieren. Hat das was damit zu tun?

Ganz viel! Musik ist seit meiner Jugend wichtig für mich. Mein Vater war ja ein bekannter Radio- und Fernsehmoderator. Das färbt ab, und da gibt’s einfach viel zu erzählen. Wichtig finde ich, dass ich mir alles, was ich erreicht habe, selbst erarbeitet habe. Darauf bin ich stolz.

Was bedeutet Ihnen das Fliegen im Kontext mit den vielen Dingen, die Sie sonst noch machen?

Von allem ist das Fliegen das wohl Aufregendste und Schönste, was ich mache. Aber die Musik hat mich auch geprägt. Ich spiele Klavier und Gitarre und habe eigene Songs geschrieben. Die CD heißt: „Thore (so nennen mich übrigens alle) – Einer von Wir“. Aufgenommen wurde sie in den Dünen von Helgoland, und meine Frau Charlotte, sie ist Grafikdesignerin, hat das Cover und das Booklet gestaltet.

Helgoland. Ja richtig, Sie haben ja auch dort ein Domizil?

Auf Helgoland, dessen pure Natur und wunderbare Menschen es mir angetan haben, betreue ich ein Haus mit Ferienwohnungen. Ich fliege sehr häufig von Rendsburg mit meiner Virus SW dorthin.

Wenn man sich viele fliegerische Träume erfüllen konnte, welche bleiben noch?

Mein persönlicher Traum ist es, mit einem Seaplane auf den Bahamas zu fliegen. Es gibt dort so viele kleine Inselchen, die ich entdecken möchte. Das Rating hab ich ja, aber es gibt dort leider weit und breit kein Wasserflugzeug. Das müsste man – gemeinsam mit anderen – schon selbst betreiben.

aerokurier Ausgabe 03/2015

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